Open Air
Zum 35. Mal ziehts die Bebbi an ihren Jazz

«Em Bebbi sy Jazz» feierte dieses Jahr mit viel Soul und Swing ein Jubiläum. Seit 35 Jahren ist der Bebbi-Jazz eine Basler Tradition.

Delphine Conzelmann
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Mr. Blue & The Tight Groove begeisterten mit Mr. Blue’s rauchiger Stimme und Blues mit Tiefgang.

Mr. Blue & The Tight Groove begeisterten mit Mr. Blue’s rauchiger Stimme und Blues mit Tiefgang.

Kenneth Nars

Eine regelrechte Völkerwanderung findet jedes Jahr in Basel statt. Menschenmengen schieben sich durch die engen Gassen der Innerstadt, pendeln vom einen Ort zum andern und bleiben immer wieder kurz stehen, nur um sogleich wieder in zügigem Schritt weiterzuziehen. Weiter zur nächsten Band nämlich, denn es ist wieder Zeit für «Em Bebbi sy Jazz», das Open Air-Festival, das den Stadtkern in eine riesige Bühne verwandelt.

Am vergangenen Freitag hat der Musikevent ein Jubiläum gefeiert. Der Bebbi-Jazz ist seit mittlerweile 35 Jahren eine Basler Tradition. Hierher kommt man nicht, wie es meist bei Konzerten der Fall ist, nur um seinen Lieblingskünstler von Nahem zu erleben oder wie an anderen Festivals, um zu sehen, was in der Musik-Szene Neues läuft.

Das Publikum bleibt auf Abstand und lässt Raum für Tanzfreudige.

Das Publikum bleibt auf Abstand und lässt Raum für Tanzfreudige.

Kenneth Nars

An ihren «Jazz» pilgern die Bebbi, um sich wieder einmal über den Weg zu laufen: «Wann haben wir uns denn zum letzten Mal gesehen? War das nicht an der Fasnacht?», tönt es durch die Strassen. Und ein bisschen erinnert der Anlass, trotz sommerlichen Temperaturen, auch an die Fasnacht: In Prozessionen ziehen die Basler durch die Gassen, finden ihren Rhythmus und feiern so ausgelassen wie sonst selten.

Altes für Neue, Neues für Alte

Das liegt sicher auch daran, dass einen am Bebbi-Jazz die Musik nie loslässt. Noch während man die Klänge einer Bluesband hinter sich lässt, gehen sie nahtlos über in einen munteren Dixie-Takt. Über 80 verschiedene Bands begeisterten am Freitag die Besucher mit diversen Musikrichtungen, von Boogie über Funk bis zum Soul.

Zu dieser bunten Mischung an Beats ist das Festival seit seiner Gründung erst allmählich gekommen. Angefangen hat alles mit dem Jazz, heute ist das Open-Air dafür bekannt, etwas für jeden Geschmack anzubieten, auch wenn viele Zuhörer erst beim Mitwippen vor der Bühne auf den jeweiligen Geschmack kommen. So sieht man immer wieder erstaunte Gesichter, besonders jüngerer Besucher, die gar nicht recht glauben können, wie sehr ihnen die Musik gefällt, zu der auch ihre Eltern gerne tanzen.

Ein Festival für alle Sinne

Pink Pedrazzi «Wenn ich an anderen Festivals spiele sehe ich mittlerweile nur noch Bildschirme.»

Pink Pedrazzi «Wenn ich an anderen Festivals spiele sehe ich mittlerweile nur noch Bildschirme.»

Kenneth Nars

Der Altersdurchschnitt bleibt dennoch höher als bei den meisten Open-Airs. Das sei allerdings gar nicht so schlecht, meint der Basler Songwriter Pink Pedrazzi: «Wenn ich an anderen Festivals spiele sehe ich mittlerweile nur noch Bildschirme. Hier kann ich dem Publikum noch richtig nahe sein und sie spüren».

Das, obwohl die meisten Besucher gerne ein paar Meter auf Distanz bleiben. Den mutigeren Fans aber gibt dieser Abstand Platz, um sich tänzerisch auszutoben. Ob ein Liebespaar, das sich im Swing verliert, oder ein Baby, das auf den Schultern seines Vaters groovt: Der Bebbi-Jazz ist nicht nur ein Festival zum Zuhören, sondern vor allem eines, um mit allen Sinnen zu erleben.

Das Jubiläum des Festivals feierten am Freitag 80'000 Gäste, ein Besucherrekord für den Bebbi-Jazz. Doch der Anlass ist nicht nur für die Besucher oder Organisatoren ein Gewinn. Für die Künstler ist er die ideale Plattform: «Am Bebbi-Jazz spielen die meisten nicht wegen der Gagen, sondern weil er uns ein Schaufenster bietet für unsere Musik», meint Pedrazzi. Und wie an echten Schaufenstern flanieren die Basler gerne an den Bühnen des Bebbi-Jazz vorbei und lassen sich, ganz ohne Zwang, vom breiten Angebot inspirieren und dazu verleiten für eine Weile in ihren Fantasien zu schwelgen.

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