Ein Blick

Zu Besuch im Modelleisenbahn-Club: «Wir haben alle irgendwie einen Flick ab»

Ein Blick in den Basler Modelleisenbahn-Club.

Leif Simonsen
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Vereinspräsident Mathias Brönnimann (rechts) im Untergeschoss des Clublokals – hier verkehrt die sanierungsbedürftige Dampfbahn.Fotos: Leif Simonsen

Vereinspräsident Mathias Brönnimann (rechts) im Untergeschoss des Clublokals – hier verkehrt die sanierungsbedürftige Dampfbahn.Fotos: Leif Simonsen

Man sollte es nicht wagen, die Modelleisenbähnler über einen Kamm zu scheren. Es herrschen Glaubenskriege. Zwischen den Anhängern der Spurweite 0 und 1, zwischen Märklin- und Fleischmannfans, zwischen den Dampflok- und den Elektrozugfreaks.

Es gibt die Detailversessenen, die Stunden an einem Quadratzentimeter Landschaftsbild pinseln können, es gibt die Sammler, die möglichst viele Modelle in ihrer Vitrine aufstellen, und es gibt die Techniker, die sich um den Stromfluss kümmern. Aber eines hätten sie gemein, räumt Mathias Brönnimann, Präsident des Basler Modelleisenbahn-Clubs, ein: «Wir haben alle irgendwie einen Flick ab.»

Ihr Leid teilen die Basler Modelleisenbähnler jeden Dienstag im Clublokal beim St.-Johanns-Tor. Die Pensionierten, die sich im Untergeschoss um die Dampfbahn kümmern, müssen schon um neun Uhr morgens ran. Eine Beinahe-Katastrophe öffnete den Dämpflern vor eineinhalb Jahren die Augen. Eine Bahn fing Feuer, doch Gott sei Dank war der damalige Vize-Präsident Urs Peter vor Ort. Er hechtete mit einem Eimer Wasser an die Unfallstelle.

Ein Blick

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Die Redaktoren beleuchten lustige Vereine, angefressene Sammler oder abgedrehte Nerds. Natürlich kann sich melden, wer sich angesprochen fühlt.

Nach dem Fast-Unglück an der Elsässerstrasse 2 wird saniert: Mindestens einmal in der Woche sind die Modelleisenbähnler ganztags im Keller. Der Eifer an diesem Abend ist zu gross, als dass ein Journalist bemerkt wird. Erst als der Clubpräsident den Fremden scherzhaft als Kaufinteressenten der Eisenbahnanlage präsentiert, blickt einer auf: «Nie, nie, nie wird diese Bahn verkauft! Für die haben wir viele Millionen Stunden in Schweiss gebadet.»

Brönnimann hält sich meist im 1. Stock bei der elektrobetriebenen Bahn auf. Als Präsident und jüngstes Mitglied des Vereins ist der 37-Jährige so etwas wie die Nachwuchshoffnung. Die meisten Modelleisenbähnler sind pensioniert. Der Verein kämpft mit schwindenden Mitgliederzahlen – einige sind in den vergangenen Jahren ausgetreten, andere gestorben. Junge sind Mangelware.

Und wer die verwegene Frage stellt, warum denn keine Frauen im Club sind, der erntet verwunderte Blicke. Ein Mitglied sagt: «Meine Frau und meine Tochter verbindet lediglich das Halbtax-Abo mit der Bahn.» So ein Modelleisenbahnverein sei aber trotzdem gut für die Ehefrauen, sagen die Clubmitglieder. So versperren ihre Männer mit ihrem Hobby nicht den ganzen Keller. Und sie müssten nicht ganz so tief in die Haushaltskasse greifen, weil sie sich mit dem Vereinseigentum vergnügen können.

Für eine Lok oder einen Triebwagen geben die Liebhaber nämlich gut und gerne bis zu 3000 Franken aus. Die Liebe zum Detail kennt keine Grenzen. Beim Nachbau eines Zugs wird jede einzelne Schraube, jedes einzelne Gewinde dem Original nachempfunden. Locker 400 Stunden Arbeit beschert ein einzelner Wagen.

Haben Sie Blut geleckt? Melden Sie sich beim Modelleisenbahnclub. Einzige Bedingung an neue Clubmitglieder: Sie haben irgendwie einen Flick ab.