Dr Stolperi

Zivilisten ohne Hemmungen

Der Cortège und das Gässeln wären noch schöner, wenn sich die Zuschauerinnen und Zuschauer zu benehmen wüssten. Das ist zwar oft, aber nicht immer der Fall. Ein Erfahrungsbericht des Stolperi, der mehr als einmal ins Straucheln kam.

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Nicht alle Cliquen kamen so dynamisch durch die Menschenmasse.

Nicht alle Cliquen kamen so dynamisch durch die Menschenmasse.

bz

Während der Stolperi nach einer kurzen Nacht mit den Folgen ebendieser kämpft, lassen ihn die Bilder des Fasnachtsmittwochs nicht mehr los. Dass es schön war, einmalig, herzerwärmend und gegen Ende wehmütig, versteht sich von selbst. Doch es gibt Begleiterscheinungen, die zwar nicht neu sind, aber, so das subjektive Gefühl, zunehmend zum Problem werden. Jedenfalls für einen Romantiker wie den Stolperi.

Da wäre einmal die unersättliche Gier der Zuschauer und vor allem Zuschauerinnen entlang der Route, genauer, entlang der Clarastrasse. Dass die Kinder die Waggiswagen regelrecht belagern und in ihrer Jagd nach Süssem den nachfolgenden Cliquen nicht rechtzeitig aus dem Weg gehen und durch den Zug wirbeln, geschenkt. Es sind Kinder. Wenn aber deren Mütter, die mitgebrachten Taschen schon prallvoll, sich nach jedem Dääfeli bücken, sodass der Stolperi über sie stolpert, geht das zu weit. Vor allem, wenn sie dann noch den unter seiner Larve wehrlosen Fasnächtler beschimpfen. Auch der Typ Matrone, der sich unbeirrt und ohne Rücksicht auf Verluste ihren Weg durch den Cortège pflügt, ist nicht gerade dazu geeignet, den langsam aufkommenden Unmut einzudämmen.

Bevor nun reflexartig Vorurteile gegen die Verhältnisse im Kleinbasel einsetzen, sei klargestellt, dass auch die vorgeblich feine Basler Gesellschaft sich ziemlich unfein verhalten kann. So geschehen in der Gerbergasse gleich vor dem Manger & Boire. Eine distinguierte Dame, herausgepützelt wie für die Tea-Time ihresgleichen, wollte den sanften Umleitungsbemühungen des Vortrabs partout nicht folgen. Den Hinweis, sie komme jetzt dann gleich unter die Räder von Requisit und Laterne, kommentierte sie äusserst pikiert: «Ihr seid so stur!» Nicht mehr ganz so sanft wurde sie zur Seite spediert, wo sie noch etwas weiter futterte, was glücklicherweise alsbald von der schönsten Musik der Welt übertönt wurde.

Die ältere Dame war aber nichts im Vergleich zu den besoffenen Halbstarken, die sich einen Spass daraus machen, im Weg zu stehen und Aktive anzurempeln. Das Phänomen beschränkt sich nicht mehr nur auf die Grünpfahlgasse, die von den meisten Cliquen, vor allem den kleineren, gemieden wurde (weshalb die Polizei auch von keinen nennenswerten Vorfällen berichtete), sondern war auch am Spalenberg zu beobachten. Der Stolperi hätte, entgegen seiner friedlichen Natur, mehr als einmal gerne eine massive Steckenlaterne dabei gehabt.

Zum Glück waren da aber die Touristen aus aller Herren Länder, die das fasnächtliche Treiben staunend und knipsend verfolgten. Da wusste sich auch der Stolperi wieder wie ein Weltkulturerbe zu verhalten.