Wahlkampf

Zerrüttete Basler Bürgerliche: Gewerbeverband knausert

Der Basler Gewerbeverband hat seine Drohung wahrgemacht. Nachdem die bürgerlichen Parteien FDP, LDP und CVP der SVP den Rücken gekehrt haben, gibts für die Regierungskandidatinnen und -kandidaten kein Geld für den Wahlkampf.

Leif Simonsen
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Gabriel Barell und sein Gewerbeverband zahlen bei einer bürgerlichen Allianz ohne SVP kein Geld.

Gabriel Barell und sein Gewerbeverband zahlen bei einer bürgerlichen Allianz ohne SVP kein Geld.

Roland Schmid

Der Gewerbeverband beschränkt sich für den Wahlkampf auf «kommunikative Leistungen», wie Gewerbeverbandssprecher David Weber auf Anfrage sagt. Will heissen: Sowohl die Bisherigen Lukas Engelberger (CVP), Baschi Dürr (FDP) und Conradin Cramer (LDP) als auch die neu Kandidierenden Stefan Suter (SVP) und Stephanie Eymann (LDP) müssen sich mit Wahlempfehlungen in den Social Media und in Newslettern begnügen. Die neu Kandidierenden mussten beim Gewerbeverband gar vorsprechen, um unter Beweis zu stellen, dass sie wirtschaftsfreundlich sind.

Keine Unterstützung ohne gemeinsame Allianz

Ein herber Dämpfer – und ein Novum. Der Gewerbeverband hat in den vergangenen Jahren die bürgerlichen Regierungskandidaten jeweils finanziell unterstützt. Gleichwohl dürften die Betroffenen nicht ganz überrascht sein: Bereits im Mai hatten die Wirtschaftsverbände ein Mail an die bürgerlichen Regierungskandidaten verschickt mit der Bitte, geeint aufzutreten. Ziel sei eine bürgerliche Mehrheit in der Basler Exekutive. «Basis für eine Unterstützung seitens der Wirtschaftsverbände ist folglich eine gemeinsame Allianz der vier bürgerlichen Parteien CVP, FDP, LDP und SVP», hiess es im Papier.

Gegenüber dem Onlineportal «Prime News» schob Gewerbeverbands-Direktor Gabriel Barell nach, dass eine bürgerliche Allianz ohne SVP zur Folge habe, dass sein Verband kein Geld zahlt. Ganz so konsequent sind die anderen Wirtschaftsverbände nicht.

GLP-Kandidatin Esther Keller aussen vor

Frank Linhart, Mediensprecher des Arbeitgeberverbands, sagt, das bürgerliche Viererticket der LDP, FDP und CVP würde zwar keine finanzielle Unterstützung «als Päckli» bekommen. Möglich sei aber, dass einzelne bürgerliche Kandidaten auf Antrag Geld bekämen. Zumindest aber würden die bürgerlichen Parteien in einem Sondernewsletter portiert.

Auch die Türen bei der Handelskammer scheinen nicht ganz verschlossen zu sein. «Es werden zurzeit Gespräche geführt», sagt Mediensprecherin Tamara Alu. «Der Vorstand entscheidet abschliessend über die Unterstützung. Darüber werden wir dann in den nächsten Wochen berichten.»

Nicht anzunehmen ist, dass die Grünliberalen, die sich als bürgerlich bezeichnen, auf die Hilfe der Wirtschaftsverbände zählen können. Der Gewerbeverband gibt in Bezug auf Regierungskandidatin Esther Keller jedenfalls ein klares Statement ab. «Unsere Auswertung hat gezeigt, dass sie in ihrem Verhalten als Grossrätin klar zu wenig inhaltliche Übereinstimmung mit uns hat», sagt Weber.