Wildtier- und Jagdgesetz
«Kompromiss gefunden»: Der Grosse Rat beschliesst eine Leinenpflicht light für die Lange Erlen

Der Grosse Rat hat das neue Wildtier- und Jagdgesetz für Basel-Stadt genehmigt. Damit hat Basel-Stadt als einer der letzten Kantone ein solches Gesetz. Dieses regelt auch die umstrittene Leinenpflicht. Es sind allerdings Ausnahmen für diese vorgesehen – ein Kompromiss.

Nora Bader 1 Kommentar
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In den Langen Erlen wird neu während der Brut- und Setzzeit eine Leinenpflicht herrschen.

In den Langen Erlen wird neu während der Brut- und Setzzeit eine Leinenpflicht herrschen.

Lenka Volfova / HUGC Uploader

Elf Rehe werden in Basel-Stadt im Durchschnitt pro Jahr von Hunden gerissen, darunter auch junge. Gerade im Naherholungsgebiet Lange Erlen kommen sich Hunde und Wildtiere nahe. Die vorgesehene Leinenpflicht war denn auch der Punkt, der im Zusammenhang mit dem neuen kantonalen Wildtier- und Jagdgesetz für die meisten Emotionen gesorgt hatte – insbesondere unter Hundehalterinnen und -haltern.

Der Grosse Rat hat am Mittwoch dem neuen Gesetz sowie der Neukonzeption des regionalen Wildtiermanagements mit 71 zu 19 Stimmen bei zwei Enthaltungen zugestimmt. Damit soll die Leinenpflicht für Hunde während der Brut- und Setzzeit, also von Anfang April bis Ende Juli, gelten. Dies im Wald, am Waldrand und angrenzenden Wiesen. Mit Ausnahmen in den Lange Erlen: Diesbezüglich habe man einen Kompromiss finden müssen, wie die zuständige Regierungsrätin Stephanie Eymann ausführte.

So wird es dort Ausnahmen in Form von sogenannten Hundefreilasszonen geben, die von der Regierung per Verordnung definiert werden. Dazu warte man noch auf eine entsprechende, aktuelle Studie. Soviel vorab: Der grösste städtische Teil der Langen Erlen und allenfalls ein kleineres Gebiet auf Riehener Boden sollen per Verordnung als Freilaufzone definiert werden, versprach Eymann.

Ängste vor Hundetourismus seien unbegründet

Die Mehrheit der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK) teilte die geäusserte Befürchtung nicht, dass diese Freilaufzonen zu einem «Hundetourismus» führen könnten. Dies, obwohl bereits heute 20 Prozent der Hundehalter in den Langen Erlen nicht im Stadtkanton wohnhaft seien, wie es im Kommissionsbericht heisst. Kritische Stimmen hielten fest, dass die Leinenpflicht auch im Hundegesetz regelbar wären.

Zu reden gab beim neuen Gesetz vor allem das Gebiet Lange Erlen, wo Wildtiere und Hunde aufeinandertreffen.

Zu reden gab beim neuen Gesetz vor allem das Gebiet Lange Erlen, wo Wildtiere und Hunde aufeinandertreffen.

Nicole Nars-Zimmer

Jeremy Stephenson (LDP) verwies auf die Verhältnismässigkeit, da «Basel-Stadt nicht Graubünden oder das Wallis ist». Er schlage vor, den Experten zu glauben und das Gesetz anzunehmen. Und für Grossrat Andreas Zappalà (FDP) ging das Versprechen der Regierung betreffend der Feilaufzonen zu wenig weit. Hundehalterinnen und -halter seien verunsichert. Viele seien nicht überzeugt, ob die Zonen auch wirklich kämen. Er sei immer wieder von besorgten Hundehalterinnen und -haltern darauf angesprochen worden, so Zappalà. «Sie haben das Gefühl, nun etwas ausbaden zu müssen», sagte er. Und: Gerade im Sommer müssten sich die Hunde im kalten Nass abkühlen können. «Das geht an der Leine halt nicht so gut.»

Forderung der Grünen nach staatlichen Jägern scheitert

Das neue Amt für Wald und Wild beider Basel wird 2022 operativ in Betrieb genommen. Das Basler Wildtier- und Jagdgesetz regelt auch, welche Kompetenzen und Aufgaben bezüglich der Jagd dem Kanton zufallen und welche den Gemeinden. Gemäss Gesetzestext der Regierung soll der Kanton vor allem die Verantwortung für übergeordnete Anliegen im Wildtiermanagement erhalten. Die übrigen Aufgaben werden den Gemeinden zugewiesen – «es sei denn, sie könnten durch den Kanton effizienter erfüllt werden». Damit wolle der Regierungsrat erreichen, dass die Gemeinden den grossen Handlungsspielraum beibehalten könnten.

Regierungsrätin Eymann bezeichnete das Gesetz generell als einen Paradigmenwechsel hin zum Wildtiermanagement. Neu würden die Tiere bei der Jagd im Fokus stehen. Die vorberatende JSSK hatte dem Grossen Rat die Zustimmung empfohlen. Das Grün-Alternative Bündnis (GAB) beantragte indes die Rückweisung an die Regierung. So, wie das Gesetz formuliert sei, stehe die Jagd an sich zu sehr im Vordergrund, führte Grossrätin Michelle Lachenmeier aus. Das vorliegende Gesetz zeige einen veralteten Umgang mit Tier, Mensch und Natur. An vorderster Stelle solle der Tierschutz stehen.

Deshalb schlugen die Grünen vor, wie in Genf keine privaten Pachten mehr zu vergeben und stattdessen staatliche Jäger anzustellen. Für Rückweisung aus «formellen und inhaltlichen Gründen» sprach sich auch Grossrat Beat Leuthardt (GAB) aus. «Wir kaufen den Hund im Sack», sagte er. Die Ratsmehrheit entschied sich dennoch für die Annahme des Gesetzes.

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