Universität Basel

West-östliches Verständigungsinstitut war doch nur eine Illusion: Die Uni spart jetzt 180‘000 Franken

Basler Konfuzius-Institut ist Geschichte: Das west-östliche Verständigungsprojekt hat sich als Illusion erwiesen. Die Universität Basel spart dadurch jährlich 180000 Franken.

Christian Mensch
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Direktorin Qi Zhu-Ammann stand auf verlorenem Posten.

Direktorin Qi Zhu-Ammann stand auf verlorenem Posten.

Qi Zhu-Ammann, die Direktorin des Basler Konfuzius-Instituts, sagte schon bei ihrem Amtsantritt vor sieben Jahren, was es nicht brauche: eine Sprachschule. Denn Möglichkeiten, in der Region Chinesisch zu lernen, gebe es genügend. Doch etwas anderes ist es zuletzt nicht mehr gewesen. Nun wird das Institut liquidiert. In einer Mitteilung heisst es: «Der Markt verfügt nicht über die Voraussetzungen für einen gross angelegten Chinesischunterricht durch das Konfuzius-Institut.»

Am 1. April hat der gemeinsam von der Universität Basel und der staatlichen chinesischen Stiftung Hanban getragene Verein die Auflösung im Verlauf des Herbsts beschlossen. Der Entscheid sei einstimmig erfolgt, sagt Präsident Hans Roth und wahrt damit für beide Seiten das Gesicht. Sowohl für den chinesischen Staat, der in der ganzen Welt rund 500 Konfuzius-Institute gründete, um für die Kultur und Sprache zu werben. Aber auch für Basel-Stadt, das sich als zentraler Brückenkopf in den Beziehungen zwischen China und der Schweiz positionieren wollte.

Antonio Loprieno, der frühere Uni-Rektor, hatte eifrig dafür geworben, dass das Konfuzius-Institut 2013 in Basel als Teil der Universität aufgebaut wurde. Er spricht von einer Euphorie, die damals geherrscht habe. Nun sagt er: «Es hat auf beiden Seiten eine Desillusionierung stattgefunden.» Es habe sich als falsch herausgestellt, dass auf die Öffnung Chinas auch eine gewisse Anpassung an westliche Wert erfolgt. Statt einer Völkerverständigung sei lediglich Verständigung über die Sprache gewollt gewesen.

Das Institut als Teil einer Gesamtstrategie

Das offizielle Basel sieht sich mit China seit 2007 durch die Städtepartnerschaft mit Schanghai verbunden. Das Konfuzius-Institut war Teil dieser Gesamtstrategie und wurde in den ersten fünf Jahren mit 250000 Franken unterstützt. Nun redet Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings, seine Rolle klein. Bei der Organisation des alljährlichen Mondfests sei das Institut etwa lediglich «einer von vielen Partnern» gewesen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Basel und der East China Normal University von Schanghai laufe weiter – wie auch die Städtepartnerschaft. Derzeit werde das Programm bis 2022 finalisiert.

Die Absetzbewegung erfolgte schrittweise. Loprieno hatte den Trägerverein noch selbst präsidiert, seine Nachfolgerin Andrea Schenker-Wicki verzichtete rasch darauf und delegierte an die Professorinnen Madeleine Herren-Oesch und Hedwig Kaiser. Das Institut sollte wirtschaftlicher ausgerichtet werden. Der Ex-Diplomat Hans Roth, der schon die Schanghai-Partnerschaft initiiert und die China-Business-Plattform mitbegründet hatte, übernahm das Präsidium. Als Verwaltungsrat von Endress + Hauser gewann er auch dessen Patron Klaus Endress für den Verein.

Die Brückenfunktion ist nicht mehr möglich

Doch auch Roth ist desillusioniert: «Das Institut kann seine Brückenfunktion nicht wahrnehmen.» Es sei «hoffnungslos», die chinesische und westliche Seite zu einer Verständigung zu bringen. Im vergangenen Jahr sei zuerst in den USA, dann in Europa der Druck auf die Institute als Propaganda-Instrument des chinesischen Staats gewachsen. In der Folge habe China die Mittel zusammengestrichen sowie die verbliebenen Freiheiten der Institute begrenzt.

«Es ist hoffnungslos. So macht es keinen Sinn mehr.»

(Quelle: Hans Roth, Präsident Trägerverein)

Der Schweizer Nachrichtendienst setzte das Institut bereits 2016 auf seine Watchlist. Direktorin Qi Zhu-Ammann beteuerte lange die Unabhängigkeit. Doch seit vergangenem Jahr räumt sie in Interviews ein, von der chinesischen Botschaft angehalten worden zu sein, sich auf unpolitische Themen zu konzentrieren. Hans Roth sagt: «So macht es keinen Sinn mehr.»

Der Universität kommt der Entscheid des Trägervereins entgegen. Von der Euphorie von einst ist ihr lediglich eine Hypothek mit Kosten von jährlich 180000 Franken geblieben.