Mister Cocktail

Wermutstropfen

Philipp Kiefer ist Chef de Bar im Werk 8 im Basler Gundeldingerfeld. Jede Woche stellt er einen anderen Cocktail samt Rezept vor.

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Philipp Kiefer stellt jede Woche einen Cocktail vor.

Philipp Kiefer stellt jede Woche einen Cocktail vor.

Kenneth Nars

Neulich verbrachte ich einen schönen Abend mit Freunden in einer Bar. Einziger Wermutstropfen war, dass der Laden schon so früh zumachte, obwohl wir noch durstig waren. Woher kommt die Redewendung mit dem Wermutstropfen?

Wermut ist ein Kraut, das eine hohe Konzentration an Bitterstoffen enthält. Bereits wenige Tropfen davon hinterlassen einen unangenehmen, bitteren Beigeschmack. Das Heilkraut ist auch Bestandteil und Namensgeber für das Getränk namens Wermut: Ein aufgespritteter Wein, welcher mit Kräutern und Essenzen versetzt wird.

Der erste Wermut wurde 1786 in Italien vom Turiner Antonio B. Carpano hergestellt. 27 Jahre später kam mit dem Noilly Prat der erste französische Wermut auf den Markt. Nebst der Ruhezeit im Eichenfass wird dieser ein Jahr lang unter freiem Himmel gelagert – die gesamte Herstellung des Produkts dauert zwei Jahre! Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. Nebst altehrwürdigen Wermutweinen gibt es auch neue Brands, sogar aus Ländern wie Deutschland und der Schweiz.

Pur getrunken ist Wermut ein aromatisches Aperitifgetränk. Er eignet sich allerdings noch besser, um kräftige Spirituosen zu verfeinern. Wermut gibt’s von trocken bis süss. Seine Vielfältigkeit macht es so spannend, ihn zum Mixen zu verwenden. Seit dem Cocktailklassiker Americano gehört er zum Inventar einer jeden guten Bar.

Der Americano besteht aus gleichen Teilen Campari und süssem Wermut aus Italien. Er wird mit einer Orangen- und Zitronenschale garniert und gerne mit einer Karaffe Sodawasser «à part» serviert.

Der Americano war der Vorreiter des Pre-Dinner-Cocktails Negroni, der nebst Wermut und Campari noch Gin enthält und derzeit ein Comeback feiert. Verwendet man anstelle von Gin amerikanischen Bourbon Whiskey, so hat man wiederum einen Boulevardier. Macht man das Gleiche mit einem Roggenwhiskey, nennt man den Drink «Old pal». Es gibt tatsächlich unzählige Negroni-Varianten, und viele Bars bieten ihre eigene Interpretation an.

Es empfiehlt sich, Wermut kühl zu lagern und wenn einmal offen, schnellstmöglich zu verbrauchen. Denn das Getränk, welches zwischen 14,5 und 21,9 Volumenprozent Alkohol enthält, oxidiert an der Luft und verliert mit der Zeit an Qualität. Auch in Saucen ist er ein feiner Aromageber und passt zu Fisch, Huhn oder Gemüse.

E Guete – und Wohl bekomms!