Umweltbewusstsein
Vorwärts im Elektro-Laschti: So will die Migros Basel das Klima retten

Die Migros fährt grüner. Der erste Elektro-LKW der Migros Basel ist nun unterwegs. Weitere Fahrzeuge mit alternativen Antrieben folgen.

Olivia Meier
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Der neue Elektro-LKW der Migros Basel. Durch den elektronischen Antrieb werden jährlich 40 Tonnen CO2 eingespart. (zvg)

Der neue Elektro-LKW der Migros Basel. Durch den elektronischen Antrieb werden jährlich 40 Tonnen CO2 eingespart. (zvg)

Zur Verfügung gestellt

Grosse orange Buchstaben auf weissem Grund. Das Logo ist unverkennbar. Die Seitenwand des Lastwagens ist grün. Sie soll sagen: Ich stosse kein CO2 aus. Ich fahre mit Strom. Die Migros Basel präsentiert ihren ersten Elektro-LKW. Doch ist der wirklich so «Öko» und welche nachhaltigen Alternativen zum Elektro-Truck gibt es?

Der mit Strom betriebene Lastwagen steht auf dem Parkplatz der Betriebszentrale beim Schaulager in Münchenstein. Hier wird er auch aufgeladen. Je nach Grösse des Gefährts beträgt die Ladezeit fünf bis 16 Stunden. Voll aufgeladen kann er ungefähr 200 Kilometer weit fahren. «Für Fahrten im Raum Basel ist der Elektro-LKW sehr gut geeignet. Unsere Vertriebswege innerstädtisch sind durchschnittlich 13 Kilometer lang. Wir könnten den LKW also theoretisch mehrere Tage einsetzen, ohne ihn aufzuladen», so Stefano Patrignani, Geschäftsführer der Migros Basel. Obwohl er nicht an den Klimastreik geht, «das überlasse ich meinen Töchtern», liegt ihm das Thema Nachhaltigkeit am Herzen, wie er betont.

Solarpanels auf dem Dach installiert

«Wir wollen einen Kreislauf schaffen, in dem alles nachhaltig produziert ist», antwortet er auf die Frage, woher denn der Strom für das Aufladen der Lastwagen komme. Auf dem Dach der Zentrale befindet sich eine 6’500 Quadratmeter grosse Fläche, die mit Solarpanels bedeckt ist. Im nächsten Jahr soll sie erweitert werden. Der Strom, der mit der Anlage produziert wird, soll ausreichen, um weitere 15 Lastwagen und deren Kühlungen zu betreiben. Bis im Jahr 2030 will die Migros Basel all ihre Diesel-Lastwagen durch LKWs mit energieeffizienten Antriebsformen ersetzen.

Für den überregionalen Vertrieb ist die Strecke, die der Lastwagen aufgeladen zurücklegen kann nicht ausreichend. Man untersuche jedoch verschiedene Alternativen, um dieses Problem zu lösen.

Konkurrent Coop testet Antrieb mit Wasserstoff

Die Migros ist Teil des Vereins «H2 Mobilität Schweiz». Mitglieder wie Coop, Migros oder die Agrola AG wollen die Wasserstoffmobilität in der Schweiz verbreiten. Warum die Migros bisher trotzdem noch nicht auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gesetzt hat, erklärt Logistikleiter Pierre Müller: «Bis die Technologie des Wasserstoffes weitgehend marktreif ist, müssen wir noch einige Jahre warten.» Doch auch die Migros wird bald einen wasserstoffbetriebenen Lastwagen in ihren Fuhrpark aufnehmen. Die Firma Hyundai soll ab Herbst 2019 die ersten von rund 1000 Wasserstoff-Lastwagen in die Schweiz schicken, die dann von verschiedenen Unternehmen getestet werden.

Das Konzept des Antriebes mit Wasserstoff testet Grosshandel-Konkurrent Coop seit 2013. Die Wasserstoff-betriebenen Lastwagen, können in kürzerer Zeit betankt werden, als die Elektro-Trucks und eine höhere Nutzlast tragen.

17 Millionen Franken wird die Migros Basel in die neuen Fahrzeuge und ihren Betrieb investieren. Ein Elektro-Lastwagen kostet 500’000 Franken. Wirtschaftlich lohne sich das Projekt auf längere Sicht. «Die elektrisch betriebenen LKWs sind zurzeit von der Schwerverkehrsabgabe befreit», so Müller.

Bio-Gasantrieb aus Produktionsabfällen

Durch den Elektro Antrieb werden jährlich 40 Tonnen CO2 eingespart. «Die ETH hat 2014 eine Studie erstellt, die zeigt: Auch mit dem CO2, das bei der Batterieherstellung ausgestossen wird, sind Elektro-LKWs immer noch sehr viel umweltfreundlicher. Während die CO2-Emissionen eines Diesel-LKWs 876 Gramm CO2 pro Kilometer betragen, liegt der Wert bei einem Elektro-Fahrzeug bei 56 Gramm pro Kilometer. Davon sind durchschnittlich 48 Gramm bei der Herstellung der Batterie ausgestossen worden», bestätigt Rico Bruggmann, der als Elektroingenieur bei der Firma Ceekon arbeitet, die den Migros-Lastwagen umgerüstet hat.

Zusätzlich plant die Migros Basel ab 2020 vier Lastwagen einzusetzen, die mit Biogas betrieben werden. Das Gas soll aus Produktionsabfällen und nicht mehr zu verkaufenden Lebensmitteln gewonnen werden. Patrignani sagt: «Nachhaltigkeit besteht aus mehreren Puzzleteilen. Wir versuchen sie alle zusammen zu fügen.»

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