Basler Strafgericht

Türsteher verweigerte Männern Rückkehr in Club und setzt Pfefferspray ein

Um sich vor einem vermeintlichen Angriff zu schützen, setzte ein Türsteher Pfefferspray ein. Die Verteidigung spricht von Notwehr: «Er befand sich in einer Notwehrsituation. Der Angriff stand unmittelbar bevor».

Patrick Rudin
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Im Vice-Club an der Basler Steinentorstrasse setzte ein Türsteher gegen zwei Männer Pfefferspray ein.

Im Vice-Club an der Basler Steinentorstrasse setzte ein Türsteher gegen zwei Männer Pfefferspray ein.

Kenneth Nars

«Ich versuche immer, deeskalierend zu wirken», sagte der 32-jährige Mann gestern Donnerstag vor dem Basler Strafgericht. Die Staatsanwaltschaft sah das anders und warf ihm mehrere Körperverletzungen vor. Sonderlich viel blieb von der Anklage am Schluss allerdings nicht mehr übrig. Der 32-Jährige arbeitete im April 2017 als Security beim Club Vice an der Basler Steinentorstrasse. Spätnachts gab es Diskussionen mit einer Gruppe, die die Lounge für eine Geburtstagsfeier gemietet hatte. Die Vorgeschichte blieb vor Gericht unklar, doch der Türsteher verweigerte den Männern schliesslich die Rückkehr in den Club.

Als einer der Besucher ihm bei der Diskussion etwas zu nahe kam, setzte der Türsteher Pfefferspray ein. Zumindest hatte er in früheren Einvernahmen dies so gesagt und betont, wenn Personen zu nahe kämen, dann müsse er handeln. Im Gerichtssaal sagte er nun , er habe den Pfefferspray gar nicht eingesetzt, der «Sprutz» sei vom Kollegen neben ihm gekommen.

Es sei Notwehr gewesen, reklamierte der Verteidiger

Gerichtspräsidentin Susanne Nese befragte die drei Besucher nochmals einzeln zu jenem Abend, einer räumte ein, es habe zuvor bereits gegenseitig verbale Beleidigungen gegeben. Kurz vor der Hauptverhandlung reichte der Angeklagte allerdings noch ein Video ein, das ein anderer Türsteher an jenem Abend aufgenommen hatte: Teile der Diskussion sind zu sehen, dann tritt einer der Männer beim Streiten nah heran, wird offenbar weggeschubst, und als ein anderer Mann aus der Gruppe danach auf den Türsteher zugeht, erhält er eine Dosis Pfefferspray. Diese sei allerdings vom Kameramann gekommen, nicht von ihm, beteuerte der 32-Jährige.

«Bedrohungen sind praktisch an der Tagesordnung. Mein Mandant hat keine stich- oder gar schusssichere Weste», betonte Verteidiger Markus Reich. Es blieben lediglich die Optionen, Pfefferspray einzusetzen und die Polizei zu holen. Pfefferspray gelte allgemein als deeskalierendes Mittel. Und selbst wenn sein Mandant den Spray eingesetzt hätte: «Er befand sich in einer Notwehrsituation. Der Angriff stand unmittelbar bevor», so Reich.

Keine Körperverletzung, «nur» eine Tätlichkeit

Einzelrichterin Susanne Nese kam indes zu einem Schuldspruch: Aus dem Video gehe klar hervor, dass der 32-Jährige Urheber des Pfeffersprays war. Zwei Männer habe er direkt angesprayt. Ein Dritter der Gruppe sei dann in den Nebel hineingelaufen, dafür könne der Angeklagte nichts. «Eine Angriffssituation ist nicht ersichtlich. Dass es Diskussionen gibt mit Leuten, die rein wollen und alkoholisiert sind, das ist Alltag bei Ihnen».

Allerdings sei die Tat nicht als Körperverletzung, sondern lediglich als Tätlichkeit zu werten. Nese setzte die Busse auf 500 Franken fest, dazu kommen Verfahrenskosten von rund 700 Franken. Ein ähnlicher Vorwurf vom Oktober 2016 führte zu einem Freispruch: Hier soll der Mann an derselben Adresse als Türsteher des damaligen Velvet Club einen Mann geschlagen und zu Boden gerungen haben. Für Schläge fehlten hier aber die Beweise, und für eine Verurteilung wegen einer Tätlichkeit ist die Geschichte just vor einer Woche verjährt. Bislang ist der Mann nicht als gewalttätig aufgefallen, hat allerdings eine Vorstrafe wegen Alkohol am Steuer. Das Urteil kann er noch weiterziehen.