Abschied

Thomas Kessler: «Wir schweigen nicht nur, wir schweigen still»

Politiker, Künstler, Kantonsangestellte. Sie alle kamen in Scharen, als Stadtentwickler Thomas Kessler in der Elisabethenkirche seinen Abschied feierte. Bloss die Regierung blieb fern.

Martina Rutschmann
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Thomas Kessler verabschiedet sich von seinen Weggefährten.

Thomas Kessler verabschiedet sich von seinen Weggefährten.

Nicole Nars-Zimmer

Zuzutrauen wäre es ihm gewesen, ihm, dem Schöpfer des Begriffs «Abenteuermigranten», dem Verfechter einer gepflegten Mediterranisierung, dem Erfinder des Basler Integrationsmodells. Dass er doch noch öffentlich sagt, was da eigentlich los war, als Guy Morin ihn nicht mehr wollte.

Als vor einem Monat plötzlich eine Mitteilung in die Medienhäuser flatterte, wonach sich der ehemalige Regierungspräsident von seinem wichtigsten Chefbeamten «in gegenseitigem Einvernehmen» trenne und man «Stillschweigen» über die Hintergründe vereinbart habe. Letzter Arbeitstag des Stadtentwicklers sei der 8. Februar, und dann, unter Morins Nachfolgerin Elisabeth Ackermann, werde das Amt neu bekleidet.

«Visionär und rebellisch»

Am Dienstagabend war Kessler demnach noch Stadtentwickler. Allerdings einer, der nichts mehr zu sagen hat in Sachen staatlicher Entwicklungsförderung. Doch einer wie Kessler, einer, der auch national stets viel Beachtung fand, eloquent ist und quer denkt, so einer hat auch ohne staatliches Amt was zu sagen. Auch, wenn er nicht wie früher gerade dabei ist, die Drogen- und Integrationspolitik voranzubringen oder, wie kürzlich noch, die Entwicklung dieser Stadt.

An seinem offenen Abschiedsapéro in der ebenfalls offenen Kirche Elisabethen aber war nicht er es, der zuerst zum Mikrofon griff, sondern seine langjährige Arbeitskollegin Ruth Widmer. «Visionär und rebellisch» seien sie gemeinsam gewesen, ob der Zeitpunkt seines Abgangs tatsächlich der richtige sei, das könne sie allerdings nicht beurteilen. Wenn man den vielen, vielen Menschen zuhörte, die da erschienen, war der Tenor klar: Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, Morin hat seinen wichtigsten Chefbeamten vor die Tür gestellt, aber: Warum denn?

Regierung hatte eigenes Fest

Kessler schwieg dazu, so, wie es vereinbart wurde mit seinem Ex-Chef. Doch ganz verkneifen konnte er es sich nicht, das Thema aufzugreifen, wenn auch auf harmlose Art: «Wir haben Stillschweigen vereinbart», sagte er, um dann zu bemerken: «Das ist ein interessanter Pleonasmus, denn es bedeutet, wir schweigen nicht nur, sondern wir schweigen still.»

Das wars aber schon zum Thema. Er riet seinen Gästen, viel zu trinken, mit jedem Schluck könnten sich die Vermutungen über die Gründe seines Abgangs entfalten. In der Art hat er es gesagt, bevor er SP-Grossrat Mustafa Atici das Mikrofon übergab und dieser seinem Bedauern über Kesslers Weggang Ausdruck verlieh. So, wie es danach Medienprofi Roger Thiriet, Kirchenvertreter und andere taten. Bloss von der Regierung war niemand da, weder von der alten, noch von der neuen. Denn die Regierungsräte sassen anderswo beisammen und verabschiedeten Guy Morin und Christoph Eymann.

Isaac Reber würdigt seinen Freund

In Baselland gab es am Dienstagabend nichts zu feiern oder zu verabschieden, wohl kaum wäre der grüne Regierungsrat Isaac Reber sonst zu Kesslers Abschiedsfest erschienen. «Privat» sei er hier, betonte er, denn Thomas Kessler und er, das seien gute Freunde. «Er hat immer frei und quer gedacht – und das finde ich gut, meistens jedenfalls», sagte Reber.

Auch seine Vorrednerin richtete persönliche Worte an Kessler, indem sie sagte: «Wir werden weiterhin gemeinsam am Rhein sitzen und versuchen, die Welt zu verbessern.» Es war keine geringere als Ständerätin Anita Fetz (SP), die das sagte. Sorgen um die Zukunft des schillernden Stadtentwicklers macht sich wohl keiner wirklich, denn einen wie Kessler, den können auch andere brauchen, wer ihn sich am Ende dann jedoch schnappt, das ist noch offen.