Riehen

Teurer, frommer Wunsch: Zugtunnel unter Riehen würde 75 Millionen Franken kosten

Zur Idee, die S-Bahn unter dem Dorfkern durchzuführen, gab es vor zwei Jahrzehnten bereits eine Studie. Dabei wurden zwei mögliche Varianten skizziert.

Tobias Gfeller
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Schon vor 20 Jahren gab es eine Studie dazu, die S-Bahn unter Riehen durchzuführen. (Archivbild)

Schon vor 20 Jahren gab es eine Studie dazu, die S-Bahn unter Riehen durchzuführen. (Archivbild)

SBB Historic – Stiftung Historisches Erbe der SBB

Nachdem die bz gestern über den Vorstoss von LDP-Grossrat Daniel Hettich und Konsorten zur Tieferlegung des Bahntrassees durchs Dorfzentrum von Riehen berichtete, meldete sich Marcel Schweizer, der ehemalige Riehener FDP-Einwohnerrat und -Gemeinderat und heutige Präsident des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Er erinnerte daran, dass er vor knapp 20 Jahren – damals noch als Einwohnerrat – einen Vorstoss zum Thema einreichte. Daraufhin gab der Gemeinderat eine Studie bei der Gruner AG in Auftrag, die Vor- und Nachteile, Kosten und die Art und Weise des Bauvorgangs untersuchte.

Das Basler Ingenieur- und Planungsunternehmen skizzierte zwei mögliche Varianten: Die Variante «Mini» sah nur eine Untertunnelung der Bettingerstrasse vor, an deren Bahnübergang es die von den Grossrätinnen und Grossräten angesprochenen Wartezeiten gibt, die sich mit der geplanten Taktverdichtung akzentuieren würden. Die Variante «Maxi» sah eine Tieferlegung des Bahntrassees von der Bettingerstrasse bis und mit der Inzlingerstrasse auf einer Länge von rund einem Kilometer vor. Der Bahnhof Riehen würde so auch in eine Tieflage versetzt.

Nimmt man die damalige Studie als Argumentationshilfe, muss bedacht werden, dass die Wiesentalbahn damals noch eine höhere Bedeutung für den Güterverkehr aufwies. Heute fahren nur noch selten Güterzüge durch Riehen. Der Charakter der Wiesentalbahn wandelte sich zunehmend zur reinen S-Bahn-Strecke. Zudem wurden 2005 ausführliche Modernisierungsmassnahmen durchgeführt. Seit die Strecke von den SBB betrieben wird, fahren darauf moderne Flirt-Kompositionen und nicht mehr die alten, damals sehr lauten Züge der Deutschen Bahn.

Komplette oder nur teilweise Entkopplung?

Bei der Variante «Maxi» fände im Raum Riehen Dorf eine komplette Entkoppelung zwischen dem Strassen- und dem Bahnverkehr statt. Rückstaus und Wartezeiten an den Bahnübergängen kämen so nicht mehr vor, betonten die Studienmacher. Bei der Variante «Mini» werde lediglich der Knoten Bettingerstrasse entkoppelt. «Eine massgebende Umlagerung vom Binnenverkehr auf die Bettingerstrasse zur Entlastung der Bahnquerungen im Dorfkern wird sich kaum einstellen», hiess es weiter.

Wie die aktuelle SP-Grossrätin Sasha Mazzotti erwähnte auch die damalige Studie das Potenzial der durch eine Untertunnelung frei werdenden oberirdischen Fläche. Diese könne aber aus städtebaulicher Sicht nicht für Wohn-, Büro- oder Gewerbegebäude nutzbar gemacht werden, sondern eher als Veloweg, Grünfläche oder Spielplätze, schrieb der Riehener Gemeinderat damals als Antwort auf den Vorstoss von Einwohnerrat Marcel Schweizer.

Für die Variante «Maxi» rechnete die Gruner AG mit Baukosten von über 75 Millionen Franken. Zudem würden 1,9 Millionen Franken jährlich wiederkehrende Erhaltungskosten hinzu kommen.

Auch das Grundwasser wäre tangiert

Die Variante «Mini» hätte knapp 18 Millionen Franken gekostet und jährlich wiederkehrende Unterhaltskosten von einer halben Million Franken verursacht. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten zum heutigen Zeitpunkt unter anderem aufgrund strengerer Sicherheitsmassnahmen höher ausfallen würden. Aufwendig wären die Bauarbeiten auch aufgrund des Grundwassers, für das es spezielle Schutzmassnahmen bräuchte.

Gestützt auf das Gutachten und «in Anbetracht der weiteren untersuchten Faktoren» hat der Riehener Gemeinderat beschlossen, die Untertunnelung der Wiesentalbahn in Riehen nicht weiterzuverfolgen. «Eine Tieflage würde erst weiterverfolgt, wenn sich die Rahmenbedingungen entscheidend verändert haben sollten.» Knapp 20 Jahre danach ist dies mit dem geplanten Doppelspurbau und der Taktverdichtung der Fall. Der Gemeinderat hat Wort gehalten, wie Grossrat und Gemeinderat Daniel Hettich gegenüber der bz etwaige Pläne Riehens kommentierte.