Baselworld

Taxis dürfen, Limousinen nicht – der grosse Frust der Luxuskarossen

Lokale Limousinenservices verlieren Kunden. Seit die Innenstadt eine autofreie Zone ist, dürfen sie bei der Messe nicht mehr vorfahren. Das schadet dem Geschäft massiv.

Rahel Koerfgen
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Die Sponsorenwagen werden für die Baselworld fein gemacht – Basler Limousinen haben das Nachsehen.

Die Sponsorenwagen werden für die Baselworld fein gemacht – Basler Limousinen haben das Nachsehen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Wenn die gutbetuchten schmuck- und uhrbehangenen Damen und Herren aus aller Welt Basel entern, machen die hier ansässigen Limousinenservices richtig gutes Geld. Könnte man meinen. Das Gegenteil ist der Fall, seit die Innenstadt vor zwei Jahren zur autofreien Zone erklärt wurde. «Wir erhalten während der Messe trotz mehreren Anträgen beim Justiz- und Sicherheitsdepartement und Nachfragen bei der Ombudsstelle keine Zufahrtsbewilligung», sagt Christoph Burkhard. Er betreibt in Basel den gewerbsmässigen Limousinenservice Legua.

Vor der Umsetzung des Verkehrskonzepts machte Burkhard in der Woche der Baselworld Traumumsätze, beschäftigte bis zu zwanzig Fahrer, welche die schicke Klientel zu Meetings in Restaurants, zum Messegelände oder ins Hotel chauffierten. Seit 2015 wenden sich diese von ihm ab. Heute sind es noch sechs Fahrer, die für Burkhard während der Baselworld im Einsatz sind.

Die Kunden würden von einem Limousinenservice erwarten, dass sie vor der Tür abgeholt und bis vor die nächste chauffiert werden, sagt Burkhard. « Wenn wir ihnen erklären müssen, dass nur Taxis und Sponsorenwagen an der Messe vorfahren können, fragen sie sich, was ihnen unser Service noch nützt, wenn sie die letzten 500 Meter zu Fuss gehen müssen.»

Baschi Dürr beruft sich auf Gesetz

Den Limousinenservices ist es zum Beispiel nicht erlaubt, während der Baselworld einen Kunden direkt vor dem Hotel Ramada Plaza beim Messeturm oder beim Swissôtel Le Plaza abzuholen. Dies ist den Taxis und den Sponsorenwagen der Messe vorbehalten. Für Burkhard und seine Kollegen ist beim Rollschuhmätteli neben dem Rosentalpark Endstation. «Diese Ungleichbehandlung zwischen Limousinenservices und Taxiunternehmen – auch, was die für uns gesperrte Zufahrt in die Innenstadt das ganze Jahr über betrifft – ist geschäftsschädigend», sagt Burkhard.

Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr räumt bezüglich autofreie Innenstadt ein, dass er den Unmut der Limousinenfahrer grundsätzlich nachvollziehen könne. «Fakt aber ist, dass der Gesetzgeber, der Basler Grosse Rat, seinerzeit lediglich dem Taxigewerbe entsprechende Rechte und Pflichten und damit eine Ausnahmebewilligung zugestanden hat.

Limousinenservices unterstehen nicht diesem Konzept. Demzufolge steht es auch nicht in der Macht der Kantonspolizei, während der Messen Ausnahmebewilligungen zu erteilen.» Auch gäbe es keine politische Forderung, an der Situation etwas zu ändern; ein entsprechender Vorstoss sei derzeit nicht hängig.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Messegelände ist nicht öffentliche Allmend, sondern gehört der MCH Group. Die Zufahrtsregelung ist deshalb Sache der Messe und nicht der Stadt.

Porsches für die Wichtigen

Loraine Stantzos, Sprecherin der Baselworld, bestätigt, dass es keine Sonderbewilligungen gebe und verweist auf die eigenen 24 Sponsorenwagen – in diesem Jahr handelt es sich um Porsches. «Dieser Fuhrpark steht unseren wichtigsten Ausstellern und Besuchern zur Verfügung.» Von wem die schnittigen Wagen mit deutschem Autokennzeichen gefahren werden, sagt sie nicht; es handle sich um einen professionellen Fahrdienst. Dem Vernehmen nach sind es Chauffeure aus Deutschland, die zu tieferen Löhnen arbeiten als ihre Schweizer Kollegen. Dieses Gerücht hält sich hartnäckig.

Davon hat auch Burkhard gehört. Kommentieren will er das nicht. «Meine Sorge ist: Ich werde auch während der diesjährigen Baselworld Umsatzeinbussen verzeichnen.» Aufgeben will er nicht, hofft immer noch darauf, dass Limousinenservices wie Taxiunternehmen eine permanente Zufahrt in die Innenstadt erhalten. Seine Hoffnung liegt beim Bundesgericht: Es wird in den nächsten Wochen über seine Einsprache gegen einen negativen Zufahrtsentscheid des Justiz- und Sicherheitsdepartements befinden.

In der Beschwerde beruft sich sein Anwalt darauf, dass die Zufahrtsverordnung kein Gesetz im formellen Sinne darstelle, da sie kompetenzwidrig vom Regierungsrat statt vom zuständigen Departement erlassen worden sei. Die Verordnung sei demzufolge aufzuheben. «Limousinenservices werden durch die Verordnung durch Taxis ersetzt.

Das ist ein grundsatzwidriges Monopol», sagt Burkhard. Seine Kunden steigen zunehmend und zwangsläufig auf Taxis um, um an der Baselworld vorwärts zu kommen. «Zu einer internationalen Messestadt passt das nicht.»