Wahlen 2020

Stephanie Eymann: Der Trumpf der Bürgerlichen

Stephanie Eymann (LDP) will mit fadengerader Ehrlichkeit die linke Mehrheit stürzen.

Martina Rutschmann
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Stephanie Eymann (LDP) möchte Ende Monat in den Regierungsrat gewählt werden.

Stephanie Eymann (LDP) möchte Ende Monat in den Regierungsrat gewählt werden.

Roland Schmid

Der Satz kommt ein paar Mal. «Ich verbiege mich nicht». Das kann jeder behaupten, bei Stephanie Eymann scheint es zu stimmen. Sie bleibt sich – auch im Wahlkampf. Woran das festzumachen ist? Beim freiwilligen Test der Gleichstellungskommission etwa schnitt die 41-jährige Frauenquotengegnerin vergleichsweise schlecht ab. «Ich hätte schwindeln können, um gut dazustehen, doch ich war ehrlich, auch wenn ich damit vielleicht ein paar Leute vergraule», sagt sie. Das gilt auch für die Kampfjets, die sie im Gegensatz zu ihrem Kanton befürwortete. «Die Schweiz sollte ihren Luftraum nicht freigeben. Und ja, es ist auch ein Bekenntnis zur Armee.» Schon als Normalsterblicher braucht es Mut, einen solchen Satz im rot-grün dominierten Basel auszusprechen; es als jemand zu tun, der die linke Mehrheit in der Regierung eigenhändig kippen will – das geht nur, wenn Authentizität Programm ist.

Stephanie Eymann ist die ältere Tochter des Arztes und alt Grossrat Felix Eymann, Nichte von Nationalrat Christoph Eymann und Quasi-Nichte von LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein, die mit Christoph Eymann zwei Kinder hat. Der wesentlich jüngere Cousin und die ebenfalls junge Cousine von Stephanie Eymann versuchen – selbstverständlich für die LDP – ebenfalls bereits den Sprung ins Parlament. Auch Corinne Eymann, die Ehefrau von Christoph Eymann, kandidiert. Es eymannt also ziemlich in der liberalen Basler Politlandschaft. Man kann sich fragen: Wollen die Leute noch mehr Eymann? «Das werden wir sehen», sagt Stephanie Eymann und strahlt, als wäre sie selbst gespannt auf die Antwort. Von «Clan» und «Macht» im Zusammenhang mit ihrer Dynastie will sie nichts wissen. «Warum Macht? Die Menschen wählen uns freiwillig, wir reissen nichts an uns.» Thema abgehakt, kommen wir zum Wesentlichen. Warum kämpft sie überhaupt um das Präsidialamt der angeschlagenen Grünen Elisabeth Ackermann? Das Departement ist aus breiter bürgerlicher Sicht unnötig und seit seiner Schaffung 2009 steckt der Wurm darin.

«Ich möchte dem Präsidialdepartement ein Profil geben», sagt Stephanie Eymann. Zuerst aber würde sie «Ruhe im Innern» schaffen. «An den Problemen rund um das Historische Museum sieht man, dass einiges im Argen liegt.» Glaubt sie tatsächlich, mit solchen Aufräumabsichten auch nur einen Wähler hinter dem Ofen hervor locken zu können? Oder ist es da wieder, dieses «ich sage nicht, was die Leute hören wollen, sondern was ich denke»? «Wie soll das Departement nach Aussen strahlen, wenn es intern nicht stimmt?», kontert sie; und spricht von Verzettelung und fehlender Vernetzung zwischen den Departementen. «Ich würde auf ein starkes Kader setzen und Persönlichkeiten die Möglichkeit geben, eine Linie reinzubringen, ohne ihnen bei der Arbeit reinzureden.»

Von der Eptinger-Quelle zurück an den grossen Bach

Sie weiss, wovon sie spricht: Als Chefin der Baselbieter Verkehrspolizei hat sie mit Kathrin Schweizer (SP) bereits die zweite Vorgesetzte, die ihr freie Hand lässt, sagt Eymann. Davor war der grüne Isaac Reber ihr Chef. Die Parteibücher hätten beim Job nie eine Rolle gespielt. Und auch im Eptinger Gemeinderat, in dem Eymann bis vor kurzem für die FDP sass, sei es meistens mehr um die Sache als um die politische Ausrichtung gegangen. Wohngemeinde und Partei verliess sie vor gut einem Jahr nach der Trennung von ihrem Mann, dem Liedermacher Florian Schneider. Seinetwegen war Eymann mit 19 Jahren vom geliebten Kleinbasel aufs Land gezogen. Bereits mit 20 Jahren brachte sie die gemeinsame Tochter Mina zur Welt. Trotz Baby und einem Mann, der beruflich viel unterwegs war, zog Eymann ihr Studium durch.

Mit 25 Jahren war sie Juristin, es folgten Doktorarbeit und Anwaltsprüfung, sie wurde Staatsanwältin und landete schliesslich bei der Polizei. Parallel lehrt sie Strafrecht an der Uni Basel. Ziemlich viel auf einmal, oder? «An meinem Beispiel sieht man, dass es Frauen schaffen können. Was ich mache, ist sozusagen angewandter Feminismus.» Als Feministin bezeichnet sie sich dennoch nicht. «Der Begriff ist für mich zu sehr an Streiks und Demos angelehnt, lieber lebe ich vor, was möglich ist.» Viel Zeit würde ihr ohnehin nicht bleiben, sich nebst Arbeit und Wahlkampf für Weiteres zu engagieren.

Zeit nimmt sie sich höchstens für Mischlingshündin Lola, die bei Ex-Partner und Tochter in Eptingen geblieben ist. Lola würde, im Gegensatz zu Eymann, in der Stadt wohl Natur und Ruhe vermissen. «Mir hat umgekehrt die Unruhe gefehlt, zum Glück hörte ich in Eptingen die Autobahn, sonst wäre die Stille fast unheimlich gewesen», sagt Eymann lachend und mit Blick auf den «Bach» vor ihrer Wohnung. Sie lebt in einem der schwarzen «Kispi»-Häuser am Kleinbasler Rheinufer. «Das ist meine erste eigene Wohnung, das erste Mal, dass ich das Geschirr über Nacht stehen lassen kann, ohne, dass es jemanden stört», sagt sie und lacht erneut. Eher unwahrscheinlich also, dass ihr neuer Freund, ein Polizist, bald bei ihr einzieht.

Aufruf an eigene Leute, an die Urne zu gehen

Ja, die Polizei. Stephanie Eymann wäre mit ihrem Hintergrund prädestiniert für Baschi Dürrs Sicherheitsdepartement. Dürrs Sitz wackelt; es ist nicht undenkbar, dass ihn die Negativschlagzeilen den Kopf kosten. Eymann will aber nicht in die «Glaskugel schauen». Ihr Ziel ist es, mit Dürr zu regieren, nicht an seiner Stelle. «Nach dem ersten Wahlgang werden die Karten neu gemischt, bis dahin kämpfen wir für eine Mehrheit», sagt sie. Die bürgerliche Vierergruppe, bestehend aus den drei Bisherigen und Eymann als Trumpf, kämpft zurückhaltend. «Beständigkeit» lautet das Motto, nicht etwa: Wir machen alles besser! «Natürlich nicht, es ist ja nicht alles des Teufels, was rot-grün macht», sagt Eymann. «Aber wir möchten die Bedürfnisse aller Bewohnerinnen und Bewohner berücksichtigen.» Obwohl Dürr Eymann als Konkurrentin sehen könnte oder sollte, wahlkämpft er aus Überzeugung an ihrer Seite: «Sie bringt in Sachen Ausbildung und Führungserfahrung mehr mit als die meisten von uns bei Amtsantritt. Dabei ist sie total unkompliziert geblieben», sagt er. Ähnlich klingt es in Eptingen: «Trotz ihres eindrucksvollen Werdegangs blieb Stephanie Eymann immer auf Augenhöhe», erinnert sich Gemeindepräsidentin Mélanie Wussler.

Eymann weiss, wie schwierig es ist, in Basel eine bürgerliche Regierungsmehrheit zu erreichen – als politischer Neuling im Stadtkanton wohl erst recht. Sollte es ihr nicht gelingen, würde ihre Welt nicht zerbrechen. «Ich bin nicht verbissen, aber ich nehme es ernst». Ihre potenziellen Wählerinnen und Wählern müssten aber mitmachen. «Linke gehen konsequenter wählen. Wollen die Bürgerlichen gewinnen, müssen sie etwas tun!» An der Kampfjet-Abstimmung sehe man, wie wichtig jede Stimme sei, sagt sie – und schmunzelt.