Neuer Campus

Sportdepartementsleiter Uni Basel: «Wir brauchen diesen Neubau»

Baselland zögert den Uni-Neubau hinaus. Der Chef des Sportdepartements erklärt, weshalb das Gebäude nötig ist. Derweil reagieren Basler Politiker verärgert auf den Marschhalt.

Mark Walther, Hans-Martin Jermann, Daniel Ballmer, und Benjamin Rosch
Drucken
Teilen
Allzu sportliche Ziele: 2020 hätte der neue Sport-Campus auf dem St.Jakob-Areal eröffnet werden sollen. Dieses Ziel wird mit Sicherheit verpasst. Visualisierung ZVG

Allzu sportliche Ziele: 2020 hätte der neue Sport-Campus auf dem St.Jakob-Areal eröffnet werden sollen. Dieses Ziel wird mit Sicherheit verpasst. Visualisierung ZVG

zvg

Mühsames Pendeln und Zeitverlust: Wer am Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel studiert, forscht oder einer anderen Tätigkeit nachgeht, ist oft unterwegs. Das Departement ist auf fünf Standorte in der ganzen Stadt verteilt. «Durch das Pendeln bleibt enorm viel Zeit auf der Strecke», erklärt Departmentsleiter Arno Schmidt-Trucksäss auf Anfrage. Besonders ärgerlich ist das für Studierende. Sie müssen zum Teil für einzelne Vorlesungen den Standort wechseln, was Verspätungen zur Folge haben kann. Schmidt-Trucksäss rechnet vor: «Wer von der St. Jakob-Arena in die Sportpraxis im Pfaffenholz und wieder zurück muss, ist mit dem öffentlichen Verkehr mindestens eine Stunde unterwegs.» Mit dem Velo sei man auch nicht wesentlich schneller.

Um dieser Zeitverschwendung entgegenzuwirken, soll ein Neubau auf dem St. Jakob-Areal entstehen, der alle 550 Studierenden und 100 Mitarbeitenden des DSBG beherbergt. Davon profitierten auch die Forscher, die effizienter miteinander arbeiten könnten, sagt Schmidt-Trucksäss. «Wir wollen unseren Studierenden und Mitarbeitenden gute und nicht provisorische Bedingungen bieten. Wir brauchen diesen Neubau». Allerdings: Der 44-Millionen-Bau verzögert sich, weil im Kanton Baselland im Gegensatz zu Basel-Stadt noch keine Vorlage existiert.

Laufendes Projekt auf Eis

Basler Politikerinnen und Politiker reagieren erstaunt und enttäuscht. «Ich finde das Vorgehen der Baselbieter Regierung problematisch», sagt FDP-Präsident Luca Urgese. Ständig bekomme man zu hören, das Baselbiet solle Uni-Standort werden. Nun, da sich die Chance zum Ausbau böte, werde er blockiert. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein versteht angesichts der schwierigen Baselbieter Finanzlage, dass es keine neuen Projekte gibt. «Dass man aber ein laufendes Projekt wie den Sport-Neubau nicht vorantreibt, ist etwas anderes», kritisiert von Falkenstein. «Das lähmt und schadet der Uni, Basel und auch Baselland.» Etwas erstaunt ist derweil SP-Grossrätin Tanja Soland. Ein Aufstand bringe aber wohl nichts, man müsse erst die Verhandlungen zum Leistungsauftrag 2018 bis 2021 der Uni abwarten. CVP-Grossrat Oswald Inglin findet die Verzögerung unschön, sagt aber, es gebe Bauten wie das Biozentrum, die wichtiger seien und deren Finanzierung gesichert sein müsse.

Regierungen rennt die Zeit davon

Begrüsst wird der Marschhalt bei den Uni-Bauten derweil im Baselbiet. FDP-Landrat Michael Herrmann sagt: «Jetzt zunächst mal durchzuatmen, macht Sinn.» Er verweist auf das riesige Investitionsprogramm der Uni: «Die Wünsche belaufen sich auf rund eine Milliarde Franken. Da muss zuerst eine Priorisierung nach strategischen Überlegungen vorgenommen werden.»

Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr mag die Abwarte-Taktik nicht loben, sagt aber: «Es braucht jetzt eine Gesamtlösung, die das Globalbudget 2018 bis 2021, den Immobilienvertrag, die Frage der Baselbieter Uni-Standorte und die strategische Positionierung der Uni unter einen Hut bringt.» Das Problem: Den Regierungen renne die Zeit davon. Im Frühling 2017 sollten die beiden Parlamente Vorlagen für den Uni-Leistungsauftrag 2018 bis 2021 auf dem Tisch haben, damit dieser rechtzeitig beraten werden kann. Dem Vernehmen nach verspürt die Baselbieter Regierung aber grosse Unlust, mit den bisherigen Basler Verhandlungsführern, Regierungspräsident Guy Morin und Erziehungsdirektor Christoph Eymann, weiterzuverhandeln. Beide scheiden bald aus dem Amt aus und zeigen sich zudem aus Baselbieter Optik unnachgiebig.