Sex im Quartier

Sex-Salons: Prostituierte dürfen Wohnungen ungehindert umnutzen

An der Kleinbasler Amerbachstrasse ist der Protest am lautesten: Anwohner wehren sich gegen die Ausbreitung des Sexgewerbes im Wohnquartier. Immer mehr Prostituierte würden ihrem Geschäft in Wohnungen nachgehen. Sie verwandeln sie in Sex-Salons.

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Klingentalstrasse

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Kenneth Nars

Dem Staat sind die Hände gebunden. «Es gilt die Gewerbefreiheit. Die Ausübung der Prostitution ist nicht verboten», sagt Klaus Mannhart, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements. Gesetz regelt Wohnnutzung «Diese Aussage ist für mich unverständlich, besteht doch auch ein Gesetz gegen Zweckentfremdung von Wohnraum», schreibt der Basler Immobilienökonom Hans Rudolf Hecht in einem Leserbrief an die bz Basellandschaftliche Zeitung.

Er vermutet, dass man mit diesem Gesetz Sex-Salons in Wohngebieten regulieren könnte. Denn die Zweckentfremdung einer Wohnung ist bewilligungspflichtig. Das hält das Gesetz von 1975 im Grundsatz fest. Die Paragrafen sehen aber auch Ausnahmen vor.

Sinngemäss: Wer in seiner Wohnung nicht nur arbeitet, sondern auch wohnt, benötigt keine Bewilligung. Das gilt auch für Prostituierte. Genau darauf stützt sich Mannhart: «Meistens sind es 3- bis 5-Zimmer-Wohnungen, in denen nur in einem oder zwei Zimmern dem Geschäft nachgegangen wird.» Die Fahndung der Basler Polizei gehe sämtlichen Sex-Etablissements nach, um die Prostituierten über ihre Rechte und Pflichten zu informieren.

Dabei komme es praktisch nie zu Verzeigungen, weil Wohnungen weckentfremdet würden. Mannhart: «Wir haben keine grossen Probleme mit dem Rotlichtmilieu, mal abgesehen davon, dass es Anwohner stört.» Gewerbefreiheit einschränken? SP-Grossrätin Ursula Metzger Junco widerspricht: «Es ist ein Problem, wenn solche Lokale etwa neben Schulen liegen.» Mit einem Vorstoss im Grossen Rat verlangt sie von der Regierung ein Konzept zur Prostitution.

Es soll Rahmenbedingungen festlegen, die Anwohnern und Prostituierten gerecht werden. Der Vorstoss wird nächste Woche überwiesen: Alle Parteien haben ihre Unterstützung angekündet. «Vielleicht müsste man die Gewerbefreiheit einschränken», überlegt Metzger. Eine pfannenfertige Lösung hat sie aber nicht: «Es ist extrem schwierig, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.»