Politik

Seltsamer Meinungsumschwung: Balz Herter spottet über Stefan Suter

CVP-Präsident Balz Herter spottet über den SVP-Regierungsratskandidaten Stefan Suter. Früher tönte das anders.

Leo Eiholzer
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Stefan Suter, Anwalt und Basler SVP-Regierungsratskandidat, ist politisch ein viel umworbener Mann.

Stefan Suter, Anwalt und Basler SVP-Regierungsratskandidat, ist politisch ein viel umworbener Mann.

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Die Trennung war laut und hässlich, als die Basler Bürgerlichen die Idee eines gemeinsamen Regierungsratstickets mit der SVP beerdigten. Die SVP heulte auf, die anderen Parteien rechtfertigten sich. CVP-Präsident Balz Herter sagte zum Onlineportal «Primenews»: «Die Auswahl der potenziellen SVP-Kandidaten liess zu wünschen übrig.»

Neben dem primären Gegenargument, der Begrenzungsinitiative, diente das mit als Grund, warum man mit der SVP nicht zusammenarbeiten könne und wolle. Damals waren zwei SVP-Kandidierende im Rennen. Jeder im politischen Basel kannte ihre Namen: Stefan Suter und Gianna Hablützel-Bürki. Herters Aussage bezog sich also klar auf die beiden.

Jetzt zeigt sich: Die Christdemokraten waren Suter nicht immer so abgeneigt. Sie wollten ihn sogar für die eigene Partei rekrutieren. Die CVP, genauer Herter und Regierungsrat Lukas Engelberger, fragten Suter im Frühling per Brief an, ob er für sie für den Grossen Rat kandidieren wolle. Sowohl Herter als auch Suter bestätigen entsprechende Informationen der bz.

Das geschenkte Argument für Suter

Suter reagiert auf Anfrage leicht spöttisch: «Es ist seltsam, dass die CVP das bürgerliche Bündnis mit der SVP ausgeschlossen hat, obwohl sie mich auf die Grossratsliste setzen wollte. So grosse Unterschiede kann es also nicht geben.»

Klar ist: Merkwürdig könnte es zudem werden, falls die Bürgerlichen im Wahlkampf eine aggressive Linie gegen die SVP und Suter fahren. Der stadtbekannte Anwalt würde immer mit dem guten Argument kontern können, die CVP habe ihn ja einst in die eigene Parteiaufnehmen wollen.

Eine Frau musste aufs Regierungs-Ticket

Herter sagt, er lehne Suter als Regierungsrat ab, und nicht als Grossrat: «Das ist eine wichtige Differenzierung.» Als Regierungsrat, der ein Departement führt, sei Suter als politischer Neueinsteiger nicht geeignet: «Er hat keinerlei politische Erfahrung, hat sich noch nie auf dem Parkett bewegt. Niemand weiss, wofür er inhaltlich steht.» Kandidaten für die Regierung hätten typischerweise ein öffentliches Amt im Lebenslauf. Als Anwärter für den Grossen Rat, wofür die CVP Suter angefragt hat, sei dies noch nicht nötig, meint Herter: «Als einer von Hundert kann man sich zunächst einmal einleben.»

Stefan Suter hat keinerlei politische Erfahrung.

(Quelle: Balz Herter, Präsident CVP Basel-Stadt)

Zudem sei für die restlichen Bürgerlichen klar gewesen, dass der letzte Platz auf dem Vierer-Ticket an eine Frau gehen müsse. Unbedingt wollte man es vermeiden, mit einem reinen Männerquartett anzutreten. Über die SVP-Kandidatin Gianna Hablützel-Bürki sagte Herter aber schon im Mai, ihr fehle das Format für das Amt der Regierungsrätin. Die Bürgerlichen haben nun Stephanie Eymann (LDP) nominiert. Das frühere Grossrats-Angebot an Suter erklärt Herter damit, dass dieser aus einem CVP-Haushalt komme und in Basel natürlich sehr bekannt sei. Sein Name sei in einer Sitzung der CVP-Sektion Riehen aufgekommen.

CVP oder SVP war für Suter nur eine Frage des Amtes

Dass Suter jetzt mit dem SVP-Parteikürzel hinter seinem Namen antritt, und nicht mit dem der CVP, war schlicht eine Frage des Amtes, wie er offen zugibt. «‹Regierungsrat› ist eine komplett andere Ausgangslage als das Angebot der CVP. Ich hatte kein Interesse, irgendwo auf einer Liste für ein Grossratsamt zu kandidieren.» In Herters und Engelbergers Brief an ihn sei als Argument für die Kandidatur als CVP-Grossrat gestanden, dass Suter und die CVP gemeinsame Ziele hätten, die man erreichen könne. Suter sagt, er habe die Anfrage der CVP grundsätzlich als «sympathisch» aufgenommen.

Zwischen der SVP und den Christdemokraten sieht Suter inhaltlich «nicht allzu grosse Differenzen». Regierungsrat sei zudem ein deutlich weniger parteipolitisches Amt als Grossrat. «In der Regierung muss man parteiübergreifend handeln. Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden.»