Jubiläum

Seit 75 Jahren gibt es «Rahmdääfeli» nach Vaters Rezept

Seit 75 Jahren verkauft die Familie Zobrist-Nussmüller ihre süssen Leckereien an der Basler Herbstmesse an einem Stand am Petersplatz. Vor 35 haben Ruth Zobrist-Nussmüller und ihre Schwester den Stand von ihrem Vater übernommen.

Muriel Mercier
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Ruth Zobrist-Nussmüller macht jeden Tag ihre Produkte frisch.

Ruth Zobrist-Nussmüller macht jeden Tag ihre Produkte frisch.

Martin Töngi

Mit dem Leiterwagen in der Hand zur Basler Herbstmesse – ein mühsames Unterfangen. Ruth Zobrist-Nussmüller und ihre Schwester transportieren so das Baumaterial für den Stand ihres Vaters auf den Petersplatz. Im Ohr haben sie noch dessen Ermahnung, das Dach auf keinen Fall zu zerstören. «Es war anstrengend, hat aber Spass gemacht», erinnert sich Zobrist. «Vor allem die Heimfahrt, weil es den Berg runter ging.»

So geschehen ist das vor über sieben Jahrzehnten. Seit 75 Jahren verkauft die Familie Zobrist-Nussmüller an der «Mäss» ihre Leckereien.

Vater Karl Nussmüller betrieb damals eine Bäckerei in der Nähe des Wettsteinplatzes. Er wurde von der Stadt angefragt, ob er an der Messe einen Stand führen möchte.

Als aufgrund der Lebensmittelknappheit des bevorstehenden Zweiten Weltkriegs Lebensmittelmarken eingeführt wurden, wurde es schwierig, die Bäckerei aufrecht zu erhalten. Also wechselte Nussmüller in die chemische Industrie. «Den Messestand behielt er aus Liebe zum Backen», erzählt Ruth Zobrist, die Jüngste von vier Töchtern.

Als Primarschülerin im Verkauf

Viele Erinnerungen an die Zeit mit ihren Eltern an der Herbstmesse hat sie nicht mehr. Im Primarschulalter und etwa bis zum 16. Lebensjahr habe sie jedes Jahr mitgeholfen. Auch hinter der Kasse. Aber etwas weiss sie noch ganz genau: «In den ersten Jahren hat mein Vater rote Zahlen geschrieben. Ich bewundere ihn, dass er nie aufgehört hat.»

Vor 35 Jahren übernahm Ruth Zobrist mit ihrem Mann Werner den Stand. «Mein Vater sagte, er mag nicht mehr. Zuerst lehnte ich ab.» Als gelernte Krankenschwester habe sie mit Backen nichts zu tun. «Dann hat mein Mann gesagt, er helfe mir. Und seither stehen wir hinter dem Stand», freut sich die heute 68-Jährige. Sie machte es bei ihrer Arbeit in der Folge gar zur Bedingung, während der «Mäss» unbezahlten Urlaub nehmen zu dürfen.

Freunde und Familie backen mit

Das Produkteangebot am Stand der Zobrists hat sich bis heute nicht geändert: Noch immer produzieren sie «Rahmdääfeli», «Birewegge» und «Marzipanhärdöpfel» selber – nach Vaters Rezept natürlich. Während der Messetage steht Ruth Zobrist jeweils um 6 Uhr auf und macht zusammen mit Freunden und Familie die Ware am Morgen frisch.

«Ich muss vor der Herbstmesse genügend Rahm, Zucker und Mehl einkaufen, damit ich während der Tage nicht für Nachschub sorgen muss.» Während der Messezeit ähnle ihre Stube eher einer Firma, als einer Wohnung.

Abgesehen von den Produkten ist auch der Standort der Zobrists gleich geblieben. Am Anfang verkaufte der Vater auf dem Messeplatz – seit über 70 Jahren aber steht der Stand auf dem Petersplatz. Kommt man vom Spalentor her, findet man die Zobrists an einem der ersten Stände auf der linken Seite. «Für mich sind die Messetage etwas ganz Schönes. Nicht nur wegen unserer Produkte, sondern auch wegen des Zwischenmenschlichen.»