Erfolgsgeschichte

Seit 30 Jahren leistet die Gesellschaft für Arbeit und Wohnen Integrationsarbeit

Martin Müller und Heinz Eckardt feiern mit der Gesellschaft für Arbeit und Wohnen Jubiläum.

Meret Knaack
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In der Lingerie der GAW herrsche in der Regel eine gute Stimmung, betonen Heinz Eckardt (l.) und Martin Müller.Nicole Nars-Zimmer

In der Lingerie der GAW herrsche in der Regel eine gute Stimmung, betonen Heinz Eckardt (l.) und Martin Müller.Nicole Nars-Zimmer

Nicole Nars-Zimmer niz

«Supported education und supported employment» sind die beiden neueren Erfolgsmodelle der Gesellschaft für Arbeit und Wohnen (GAW), die nun seit 30 Jahren besteht. Die unterstützende und fördernde Ausbildung und Integration in den ersten Arbeitsmarkt kommt bei Menschen mit Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit oder schwankender Emotionalität gut an. Das belegt eine Zunahme an geschützten Arbeitsplätzen von ungefähr 10 Prozent in den letzten Jahren.

Auch grössenmässig und im Bereich der angebotenen Aktivitäten für die Klienten ist das Unternehmen gewachsen, wie Martin Müller, Geschäftsführer der GAW, bestätigt. Höchstes Ziel der GAW sei es, die betroffenen Menschen mit IV-Rente in einen geregelten Arbeitsalltag zu integrieren und ihnen mit individueller Förderung zur Seite zu stehen. Aber auch innerhalb der Wohnsituation kann auf Hilfeleistung und Förderungsarbeit der GAW zurückgegriffen werden.

Der Förderbereich wurde in den 30 Jahren des Bestehens der GAW stark ausgebaut. Mehr Dienstleistungen können an die IV und den Kanton verkauft werden und geniessen so eine grösstenteils reibungslose Zusammenarbeit.

Heinz Eckardt, Leiter Coaching und Wohnen, beschreibt zwei Wege, wie eine erfolgreiche Integration in den ersten Arbeitsmarkt ablaufen kann: Der erste Weg bietet kognitiv schwächeren Menschen die Möglichkeit, sich mit der Unterstützung von Fachpersonal auszubilden, eine Lehrstelle im geschützten Rahmen abzuschliessen und schlussendlich im ersten Arbeitsmarkt eine geeignete Stelle zu finden. «Es ist wichtig, dass unsere Klienten genügend Zeit zum Lernen haben und diese intensiv nutzten können. Das Tempo soll dabei individuell angepasst sein», so Eckardt.

Der zweite Weg bietet sich für diejenigen an, die aus ihrem Arbeitsprozess rausgefallen sind. Meist handelt es sich um Menschen, die emotional schwanken und das Gespür für die eigene Leistungsfähigkeit verloren haben. In solchen Fällen sei es wichtig, dass die Stabilität der Psyche wiedererlangt und die Arbeitsfähigkeit aufgebaut wird. So lernt der betroffene Mensch wieder, sich selbst einzuschätzen. Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt ist auch hier das Endziel.

Schwankende Emotionalität

«Unsere Klienten bringen oft bewegte Geschichten mit, und es ist schön zu sehen, dass wir den meisten helfen können», erzählt Eckardt. Er verbildlicht anhand eines Fallbeispiels den Prozess einer Integration mit all ihren Schwierigkeiten: Ein Mann, der vier Jahre ohne Arbeit verbrachte, litt unter einer sehr schwankenden Emotionalität. Er traute sich selber wenig zu, obwohl seine vorherige Arbeit in der Chemie-Branche nicht anspruchslos gewesen war. Die GAW konnte ihm eine Stelle im geschützten Rahmen der Gelati-Gasparini-Manufaktur anbieten. Nachdem er sich dort über ein dreiviertel Jahr stabil entwickelt hatte, erklärte ihm die GAW, dass die Massnahme bald beendet werden könnte. Diese Nachricht brachte ihn dann aber dermassen aus dem Konzept, dass sein ganzes inneres Gerüst wieder zusammenstürzte, und er die Massnahme vorzeitig verliess. Nach einer Rentenprüfung konnte ihm aber erneut ein Platz in der Manufaktur beschafft werden, die er dann nach einem halben Jahr abschloss und daraufhin erfolgreich wieder eine «richtige Stelle» annahm.

Flexibler Umgang

In solchen Fällen, in denen die emotionale Stabilität ungewiss ist, übernimmt die GAW alle Risiken und die Betreuung des Klienten nach der Integration. «Bei der Betreuung unserer Klienten müssen wir flexibel mit Möglichkeiten wie Krisen umgehen», sagt Eckardt. Den Schutz, den die Klienten innerhalb des Arbeitsplatzes zu neuem Selbstvertrauen und Arbeitsfähigkeit brauchen, wird einerseits von der IV-Rente und anderseits vom wohlwollenden Klima und dem angepassten Tempo des Betriebs gewährleistet. Wichtig seien Spielräume und Ansprechpersonen. Aber auch die Nähe der Betriebe zum ersten Arbeitsmarkt. Diese Angebote wurden über 30 Jahre auf den heutigen Stand entwickelt und modernisiert. Um den Klienten die benötigte Sicherheit am Arbeitsplatz zu geben, sei es essenziell, dass langfristige Partnerschaften mit Betrieben entstehen.

Eine stabile Basis ist das A und O

Müller erklärt: «Die Förder- und Facharbeit ergänzen und bedingen sich gegenseitig wie die Zahnräder eines Getriebes.» Diese zwei Bereiche geben den Klienten eine stabile und gute Basis, um ihren eigenen Weg in der Arbeitswelt zu finden oder wieder aufzunehmen. Die Zahl von 29 Absolventen im Juli 2015 bestätigt das Team in ihrer Arbeit. Im Sommer 2016 konnte die GAW ihren Stellenbereich um eine neue Branche erweitern: die Kiosk-Branche. Ausserdem wurden die Migros-Partnergeschäfte umgebaut, um den Mitarbeitenden ein modernes Arbeitsumfeld anzubieten. Dies sei wichtig für die spätere Arbeitssuche, so Müller.

Der Bereich der Wohnintegration verzeichnete in den vergangenen 30 Jahren ebenfalls eine gute Bilanz. So können momentan 26 Klienten in zwei Wohnhäusern darin unterstützt werden, für sich selbst zu sorgen. Es ist geplant, eine weitere Wohnung für eine Wohngemeinschaft zu mieten und anzubieten.

Der Tag der offenen Tür am 9. Juni steht unter dem Motto «30 Jahre am Markt» und soll mit den Marktständen optisch die Nähe der GAW zum ersten Arbeitsmarkt symbolisieren. Diese erreichte Nähe sei eine der wichtigsten Errungenschaften des Unternehmens in den 30 Jahren seines Bestehens.