Nachgefragt

Schulleiterin Monika Feller: «Checks sind nicht für Notengebung gemacht»

Erstmals schrieben 13'000 Drittklässler aus dem Schulraum Nordwestschweiz einen standartisierten Leistungscheck. Wir haben bei Monika Feller, Schulleiterin einer Kreisschule in Diegten nachgefragt wir nun damit umgegangen wird.

Philipp Felber
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Monika Feller ist Schulleiterin der Kreisschule TED in Diegten.

Monika Feller ist Schulleiterin der Kreisschule TED in Diegten.

Sandra Ardizzone

Monika Feller, es wurde betont, dass es kein Ranking geben soll. Doch wenn eine Schulleitung merkt, dass über einen Zeitraum von fünf oder sechs Checks die Klassenresultate einer Lehrperson im Vergleich schwächer sind, nutzt man diese doch als Instrument?

Das ist ja kein Ranking, sondern normale Führungsarbeit. Diese Erfahrung konnten wir aber noch nicht machen, weil es diese Checks noch nicht so lange gibt. Doch den Vergleich gab es schon vorher bei der Orientierungsarbeit. Ich muss die Lehrpersonen ja auch bewerten und fördern. Dafür verschaffe ich mir schon einen Einblick.

Wenn ich merke, dass irgendwo die Kinder zu kurz kommen, dann muss ich natürlich diese Lehrperson weiterbringen. Das ist mein Auftrag. Ob ich dies mittels weiterer Hinweise mache, will ich nicht ausschliessen. Ich will jedoch Lehrpersonen nicht gegeneinander ausspielen. Wenn man mit den Infos sauber umgeht, ist es durchaus denkbar mit den Resultaten aus den Checks zu arbeiten.

Zahlen und Fakten: 13 000 Schülerinnen und Schüler getestet

12 814 Schülerinnen und Schüler in 845 Klassen des dritten Primarschuljahrs an 449 Schulen absolvierten den sogenannten Check P 3. Geprüft wurden Deutsch und Mathematik. Zudem wurden die Kompetenzen der Schüler des sechsten Primarschuljahrs (Check P6) gemessen. Da machten 11 375 Schüler in 727 Klassen an 391 Schulen mit. Im Kanton Solothurn nahmen rund die Hälfte der Schüler teil; der Test war noch nicht obligatorisch. Die Rückmeldungen der Check-Resultate erfolgten «adressatengerecht» und seien «datenschutzrechtlich geregelt», hiess es an der Medienkonferenz. Das heisst: Die Lehrperson erhält die individuellen Resultate ihrer Schüler. Die Schulleitung bekommt die Resultate ihrer Schule zu sehen, und die Bildungsdepartemente erhalten einen Kantonsvergleich. (SDA)

Der Landrat wollte in einer ersten Phase die Ergebnisse der Checks auf Noten heruntergebrochen haben. Nun sind die Checks obligatorisch für alle Schulen, und es werden keine Noten, nur noch Punkte verteilt. Warum diese Änderung?

Das Problem etwa an meiner Schule war, dass die Note viel höher war als der eigentliche Prozentrang. Deshalb werden den Schülerinnen und Schüler vielleicht falsche Hoffnungen gemacht.

Ist es deshalb nicht falsch, dass beim P 3 maximal 600 Punkte erreicht werden können? So besteht doch die Gefahr, dass ein Schüler einfach die Punktezahl als Note verrechnet. Nach dem Motto: Ich habe 438 Punkte, also eine 4,5.

Wenn man es so machen will, kann man das natürlich. Die Resultate sind jedoch nicht nur eine Punktzahl. Sie sind sehr differenziert. Wichtig ist, auf welcher Kompetenzstufe die Schüler sind. In der Phase bis zur ersten Evaluation hat das Amt für Volksschulen nun den Auftrag zu prüfen, inwiefern eine Notengebung Sinn macht. Aber die Checks sind Momentaufnahmen und deshalb eigentlich nicht für eine Notengebung gedacht.

Vorstösse überwiesen: Landrat und Grosser Rat wollen weniger Checks

So stolz die Vertreter des Bildungsraums Nordwestschweiz die ersten Resultate der vierkantonalen Leistungschecks auch präsentierten: Politisch geraten die Checks in beiden Basel immer stärker unter Druck. Fast zeitgleich überwiesen der Landrat und der Grosse Rat gestern zwei Vorstösse zum Thema.

In Baselland wurde aus einer verbindlichen Motion zwar ein Postulat, doch prüfen muss die Regierung dennoch, ob an den obligatorischen Schulen nur noch ein einziger standardisierter Check auf der Sekundarstufe I durchgeführt werden soll. Dies entweder im zweiten Sek-Jahr oder zu Beginn des dritten.

Die drei anderen Checks würden wegfallen. In Basel-Stadt überwies das Plenum stillschweigend einen Anzug, der zudem Auskunft verlangt, ob vielleicht sogar ganz auf die Checks verzichtet werden könne. Die Abschaffung fordert ausserdem ein Resolutionsantrag, den Basler Lehrer an ihrer Generalkonferenz nächste Woche stellen wollen. (mn)