Schlager

Schlager-Newcomer Vincent Gross: «Ich habe viele weibliche Fans»

Der Basler Vincent Gross bringt sein erstes Album raus. Allerdings in einem eher etwas ungewöhnlichen Genre. Was treibt den 20-Jährigen in die Schlagermusik?

Noemi Lea Landolt
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«Ich bin schon ein bisschen eitel», sagt Vincent Gross. Das Haarspray hat der Musiker aus Basel immer griffbereit.

«Ich bin schon ein bisschen eitel», sagt Vincent Gross. Das Haarspray hat der Musiker aus Basel immer griffbereit.

Nicole Nars-Zimmer

Er schnappt sich seine Gitarre, setzt sich lässig aufs Sofa, fährt sich mehrmals mit den Händen durch die Haare, bis jede Strähne sitzt. Ein Blick in den Spiegel, dann strahlt er in die Kamera. Vincent Gross kann auf Knopfdruck lächeln. Vielleicht konnte er das schon immer, vielleicht hat er es sich angeeignet, weil es ankommt.

Vincent Gross ist 20 Jahre jung, lebt in Basel, studiert Psychologie und er hat einen Plattenvertrag beim Major-Label Sony Music Germany. Bald erscheint sein erstes Album. «Rückenwind» heisst es. Die Songs passen zu ihm. Sie sind angepasst und freundlich, ohne Ecken und Kanten. Poppiger Schlager. Deutsche Texte, einfache Melodien.

Vincent Gross, wie kommt ein so junger Mann wie Sie auf die Idee, ausgerechnet Schlager zu machen?

Vincent Gross: Das ist gar nicht so abwegig. Schlager ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Mir gefällt, dass ich von Balladen bis zu poppigen Songs alles machen kann. Diese Freiheit hat man in anderen Genres nicht so. Im Publikum sitzen auch nicht nur ältere Damen und Herren. Es wird jünger. Da kann ich als junger Künstler auch etwas bewirken.

Sie bekommen also handgeschriebene Fanpost und Nachrichten auf Facebook?

Meine Fans sind wirklich sehr unterschiedlich. Ich bekomme viel Post von älteren Autogrammsammlern. Ihnen schreibe ich von Hand zurück. Ich habe aber auch sehr viele junge Fans. Vor allem weibliche. Sie schreiben mir über Facebook oder Whatsapp, folgen mir auf Youtube und Instagram.

Um Social Media kümmert sich Ihr Label, nehme ich an.

Das mag bei einigen Künstlern so sein, aber bei mir nicht. Ich pflege meine Kanäle wie Facebook, Instagram und Snapchat alle selber. Dank diesen Kanälen bin ich schliesslich gross geworden.

Die Bühne hat Gross lange nicht gesucht. Die ersten Akkorde auf der Gitarre hat ihm sein älterer Bruder beigebracht. Später sass er alleine auf dem Bett in seinem Kinderzimmer, zupfte an den Saiten und sang dazu. Er spielte Songs von Justin Bieber. Der kanadische Sänger war sein grosses Vorbild – abgesehen von den Skandalen.

Vincent Gross zweifelte lange daran, ob er und seine Musik ankommen würde. Ihm fehlte der Mut, sich einem Publikum zu präsentieren. Um trotzdem ein Feedback zu erhalten, machte er es wie sein Idol: Er filmte sich und stellte die Clips auf Youtube.

Drei Jahre ging das so. Dann hatten ihm die vielen Fans und Kommentatoren genug Mut gemacht. Er wagte den nächsten Schritt, meldete sich beim Swiss Talent Award an und später bei der SRF-Sendung «Hello Again», die er gewann. Seither singt er Deutsch und orientiert sich musikalisch nicht mehr so sehr an Bieber, sondern an alten Schlager-Hasen wie Roland Kaiser, der auch bei Sony unter Vertrag ist.

Von Bieber zu Kaiser. Wie fanden das Ihre Fans?

Meine Fans sind unheimlich treu. Sie feiern den Song Rückenwind. Es hat sich noch keiner beschwert.

Hatten Sie keine Angst, Ihre Fans mit diesem Wandel zu vergraulen?

Das war natürlich schon ein Thema. Aber ich mache ja nicht diesen konservativen Schlager. Meine Musik ist jung und frisch. Das funktioniert.

Andere 20-Jährige verbringen ihre Wochenenden in Clubs und Bars. Sie feiern, treffen ihre Freunde, reisen um die Welt, geniessen das Privileg, wenige Verpflichtungen zu haben. Vincent Gross hingegen hat einen vollen Terminkalender: Er studiert, hat nebenbei ein Album herausgebracht, kümmert sich um seine Fans und beantwortet Fragen von Journalisten.

Er hat selten Zeit für sich oder seine Freunde und ist oft mit seinem Management oder einer anderen «Betreuungsperson», wie er sie liebevoll nennt, unterwegs. Auch beim Interview mit der «Schweiz am Wochenende» ist seine Promotorin Catherine Bloch dabei. «Sie begleiten mich, damit ich keinen Scheiss baue», sagt Vincent Gross und lacht.

Wie stark mischt sich Sony ein?

Sie sind ziemlich flexibel und unterstützen mich stark. Natürlich haben sie auch viele Ideen und es findet ein sehr regelmässiger Austausch statt. Aber das letzte Wort ist beim Künstler.

Haben Sie die Songs selber geschrieben?

Ja. Und das ist nicht selbstverständlich. Oft kriegt man 50 Songs vorgeschlagen, von denen man dann einige auswählt und einspielt. Ich hatte ein fixes Produzenten-Team und einen Co-Writer. Wir haben jeden Song neu geschrieben für das Album. Bei einem Major-Label ist das Luxus – besonders für einen Newcomer.

Vincent Gross steht noch ganz am Anfang seiner Karriere. Er träumt von einer Tour und davon, einmal das Zürcher Hallenstadion zu füllen. An einem Auftritt bei der Schlagernacht des Jahres durfte er schon einmal Hallenstadion-Luft schnuppern. Er hat drei Songs gespielt. «Echt fett» sei das gewesen. Auch wenn er vor solchen Auftritten extrem Lampenfieber hat. Tief ein- und ausatmen hilft ihm, dann legt er los und hofft, dass er nicht umfällt oder stolpert. «Das wäre das Schlimmste.» «Rückenwind» ist noch nicht auf dem Markt, eine Tour nicht geplant. Noch ist also alles möglich: Sein Debütalbum kann ein riesiger Erfolg werden oder total abstürzen.

Haben Sie Angst, dass Ihre Karriere vorbei ist, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat?

Es geht. Ich habe es ja noch nicht geschafft. Deshalb gebe ich jetzt einfach Gas, damit ich es dorthin schaffe. Und ich weiss, dass ich mich auf meine Freunde blind verlassen kann. Sie sind nicht von meinem Erfolg beeinflusst.