FC Basel

Schlachtgesänge neu interpretiert: Muttenzerkurve und Basler Musikschaffende veröffentlichen CD

In Zusammenarbeit mit Basler Musikschaffenden präsentiert die Muttenzerkurve neue Interpretationen archaischer Schlachtgesänge.

Michael Gasser
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Ein rotblaues Grammophon warb für die Plattentaufe.

Ein rotblaues Grammophon warb für die Plattentaufe.

Zur Verfügung gestellt

Die eingefleischten Anhänger des FC Basel stehen in der Muttenzerkurve. Mit dem stets gleichbleibenden Ziel, ihren Lieblingsverein anzufeuern, und zum Schiessen eines Goals zu animieren. So zumindest das Selbstverständnis der Fankurve. Diese hat sich jetzt eine CD namens «Ganz Basel macht jetzt Krach» gegönnt, die am Freitag vor ausverkaufter Kulisse in der Kaserne getauft worden ist – und keinerlei kommerzielle Zwecke verfolgen soll.

Um den nach eigenen Angaben «einmaligen Charakter» des Events nicht zu gefährden, hat sich das hinter dem Album steckende OK ein Schweigegelübde auferlegt. Fragen dieser Zeitung wollten die Macher keine beantworten, doch es gibt immerhin ein offizielles Statement zur Platte. Diesem ist zu entnehmen, dass die Gesänge der Muttenzerkurve den Gegner herausfordern, heruntermachen und ins Lächerliche ziehen sollen. «Wenn das Match für Match im Stadion passiert, spiele sie d Hauptrolle: d Lieder us dr Kurve», so das OK. In den vergangenen zwei Jahren haben sich Protagonisten der Fanszene mit 21 Künstlern und Bands – von The Amber Unit über die Lovebugs bis hin zu Pyro & Mos – zusammengetan, um gemeinsam einige der Songs neu zu interpretieren. Womit bewiesen werden soll, welch wichtige Institution der FCB für ganz Basel ist.

Zufall oder nicht: «Ganz Basel macht jetzt Krach» beinhaltet 22 Lieder, also genau so viele, wie zu Matchbeginn Fussballer auf dem Platz stehen. Das erste Stück, «Du bisch für mi», beginnt mit dem Small Talk im Stadion, dem Verweis auf ein vergangenes «Gurkenspiel» und der Erkenntnis eines Fans: «Heute bin ich mal wieder richtig heiss auf den Match.» Fast unmerklich geht das Geplänkel in stimmgewaltigen Kurvengesang über. Eine Mischung aus Seemannschor, Bierseligkeit und unbändiger Vorfreude aufs Spiel. Eine ganz andere Taktik verfolgt danach Roli Frei mit seinem introspektivem «Sait dr Babbe».

Ein bisschen Nostalgie, ein bisschen Politik

Seine akustische Nummer präsentiert sich geradezu nostalgisch und der Singer-Songwriter, dessen Vater einst für den FC St. Gallen aufgelaufen ist, bekennt: «FCB – wir lieben dich». Was folgt, ist ein stilistisches Potpourri, das wahlweise auf Rap, Pop, Cumbia, Ska oder Klassik setzt: Während das «Medley» ein paar Takte von Uriah Heeps «Lady In Black» beinhaltet, entpuppt sich «Trotz Draum kai Schlof» der Männerstimmen Basel als Cover von Ralph McTells Folkklassiker «Streets Of London».
Frauenstimmen sind auf dem Album in der Minderzahl. Immerhin bringt das Duo Noëlle & Mattia doch etwas weibliche Gesangspower ins Spiel und rührt in «Sehsch dä» erst noch am herausfordernden Thema Stadionverbot.

Das Ganze ist enorm abwechslungsreich und bietet sogar Platz für ein paar kritische Spielbemerkungen von FCB-Kommentator René Häfliger.

Obschon sich das rund 85-minütige (also fast Fussballspiellänge) Werk nicht wirklich dazu eignet, in voller Länge durchgehört zu werden, erweist sich «Ganz Basel macht jetzt Krach» als liebevolles Zeitzeugnis in Rotblau. Eins, das man sich unbedingt möglichst laut zu Gemüte führen sollte – als aufpeitschende Vorbereitung aufs nächste FCB-Spiel. Schliesslich ist nach der Niederlage vor dem nächsten Sieg.

«Ganz Basel macht jetzt Krach». Das Album ist letzten Freitag erschienen und ab heute an auserwählten Verkaufsorten erhältlich.