Bedingte Strafe

Schiesswütiger Desperado kommt glimpflich davon

Die denkwürdige Schiesserei vom Juli 2016 mitten im Basler Rotlichtviertel wurde vor Gericht geklärt. Der Täter erhielt eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt, hat jedoch schon ein nächstes Verfahren am Hals.

Patrick Rudin
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Im Juli 2016 schoss ein 31-jähriger Ladeninhaber mit einer Schrotflinte, er bekam 15 Monate Freiheitsstrafe bedingt.

Im Juli 2016 schoss ein 31-jähriger Ladeninhaber mit einer Schrotflinte, er bekam 15 Monate Freiheitsstrafe bedingt.

Martin Töngi

«Ich hatte Panik», sagte der 31-jährige Ladeninhaber am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht. Deshalb habe er zu seiner Schrotflinte gegriffen, auf seinen Angreifer gezielt und geschossen. Der Schuss mit Gummischrot in der Basler Webergasse sorgte im Juli 2016 für enormes Aufsehen.

Passiert ist glücklicherweise nicht allzu viel: Der Getroffene erlitt am Rücken Hautverletzungen mit starkem Schwellungen. Auf seinen eigenen expliziten Wunsch hin zog er gestern vor Gericht sein Hemd aus: Noch heute ist am unteren Rücken ein deutlicher Abdruck der Gummigeschosse zu sehen.

Wie in solchen Fällen üblich war der Anlass für den Streit ziemlich verworren: Man kannte sich gegenseitig aus einem Fitnesscenter, chattete, irgendwann gab es Streit, es folgten gegenseitige Beschuldigungen, Gerüchte übers Fremdgehen, und an jenem Tag im Juli 2016 einigte man sich in einer aufgeheizten Stimmung darauf, dass man die Sache direkt klären wolle.

Showdown im Kleinbasel

Vor dem Laden in der Webergasse tauchte dann allerdings nicht nur ein Besucher auf, sondern er brachte gleich drei seiner Kumpels mit. Man habe sich zufällig beim Coiffeur getroffen, und da sei man eben mitgegangen, so die Sprachregelung vor Gericht. Doch in der Webergasse gab es dann Zoff: Der Ladeninhaber verbarrikadierte sich, von draussen wurde geklopft, der 31-Jährige ging daraufhin mit Holzprügel und Pfefferspray auf seinen «Besucher» los.

Praktischerweise filmte die Überwachungskamera des gegenüberliegenden «White Horse» zumindest die Aussenszenen auf der Strasse mit, es gibt allerdings grosse Lücken in der Aufzeichnung. Aufgrund der Verletzungen ist klar, dass der körperlich deutlich unterlegene Ladeninhaber ebenfalls Prügel einstecken musste.

Staatsanwältin Simone Lustenberger klagte ausser dem Ladeninhaber auch zwei der «Besucher» wegen Raufhandel an, es habe sich um eine gezielte Abreibung gehandelt. Die drei Richter kamen hier aber zu Freisprüchen: Ein Raufhandel sei eine unkontrollierte Schlägerei mit mindestens drei Teilnehmern, und dies gebe die Beweislage in diesem Fall nicht her.

Für den Mann mit den Schusswunden im Rücken bedeutete der Freispruch auch, dass er wegen der einen Nacht in Polizeigewahrsam 200 Franken Entschädigung erhält. Für seinen Kumpel hingegen beschränkte sich die Haft-Entschädigung bloss auf einen Bussenrabatt wegen Marihuanakonsums von 300 auf 200 Franken.

Bereits neues Verfahren am Hals

Der 31-jährige Ladeninhaber erhielt seinerseits mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten nochmals «eine letzte Chance»: In der maximal möglichen Probezeit von fünf Jahren darf nichts mehr passieren. Das Basler Strafgericht ging von einer einfachen Körperverletzung mit einer Waffe aus. Straferhöhend wirkten sich nebst den Vorstrafen auch die Tatsache aus, dass der Mann mit seiner Ballerei zwei Passantinnen hätte treffen können.

Strafmildernd waren sein Geständnis sowie die inzwischen erfolgte Teilnahme an einem Anti-Aggressionstrainings. Sein Verteidiger hatte von einem Notwehrexzess gesprochen, drang damit bei den Richtern aber nicht durch. «Das war klar ein Racheakt, kein Akt der Panik», kommentierte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone.

Der 31-Jährige hat allerdings bereits ein neues Verfahren am Hals: Ein anderer Mann soll seinen Laden mit einer gebrochenen Nase verlassen haben. Fortsetzung folgt.