Bässlergut

Saubere Tomaten wachsen trotz Blei im Boden

Entwarnung zum bleiverseuchten Boden beim Bässlergut. Fürs Trinkwasser wie für den Gemüseanbau sei dieser Umstand kein Problem – nur Kinder müssen aufpassen.

Noemi Lea Landolt
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Das Blei im Boden beim Bässlergut macht den Tomaten nichts.

Das Blei im Boden beim Bässlergut macht den Tomaten nichts.

Keystone

Unsere Vorfahren im Mittelalter sind schuld. Sie haben im Schwarzwald Blei abgebaut, das über die Wiese bis nach Basel floss und sich auf dem Vorland und in den Auen ablagerte. Deshalb ist der Boden rund ums Gefängnis Bässlergut und bei den Langen Erlen verschmutzt: «Die gemessenen Bleiwerte liegen auf dem Areal teilweise leicht über dem Grenzwert von 500 mg pro Kilo», sagt Matthias Nabholz, der Leiter des Amtes für Umwelt und Energie. Zum Vergleich: Normaler Boden weist Bleiwerte von 10 bis 60 mg/kg auf.

Unmittelbar hinter dem Gefängnis stehen Gewächshäuser. Dort baut die Gemüsebaufirma Bosshard unter anderem Tomaten an. Die Bodenbelastung sei immer wieder ein Thema in der Bevölkerung, sagt Christine Bosshard.

Auf den Feldern werde deshalb regelmässig der ph-Wert gemessen. «Uns wird empfohlen, einen ph-Wert von mindestens 5,7 einzuhalten, da dadurch die Aufnahme von Blei verringert wird», sagt Bosshard. Zudem seien in der Vergangenheit Proben des Gemüses analysiert worden: «Es wurden keine besorgniserregenden Resultate festgestellt», sagt Bosshard.

Das bestätigt auch das Kantonale Laboratorium. In den Jahren 1988 und 1989 wurde eine grosse Untersuchung auf Basler Böden und auf dem Areal rund ums Bässlergut durchgeführt. «Dabei haben wir festgestellt, dass die Bleiwerte weit über den damaligen Grenzwerten liegen», sagt Christopher Hohl, leitender Chemiker beim Kantonalen Laboratorium. Trotzdem kamen die Studien zum Schluss, dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht und das Blei keine gesundheitlichen Konsequenzen hat: «Das Blei ist nicht mobil, sondern im Boden gebunden», sagt Hohl.

«Die Pflanzen können das Blei deshalb nicht über die Wurzeln aufnehmen.» Allerdings wurde den Konsumenten geraten, Gemüse und Salat vor dem Verzehr gründlich zu waschen und es so vor anhaftender, kontaminierter Erde oder Staub zu reinigen.

Eigentlich müsste man sich sowieso mehr Sorgen machen, wenn auf dem Areal ein Kinderspielplatz wäre: «Wenn kleine Kinder mit Blei belastete Erde in den Mund stecken, ist das ein viel grösseres Problem als Gemüse», sagt Christopher Hohl.

Auf dem verschmutzten Boden wird nicht nur spaziert und Gemüse angebaut, sondern auch das Basler Trinkwasser aufbereitet. Das Rheinwasser wird in die Lange Erlen gepumpt und dort versickert: «Das ist allerdings eine so grosse Menge Wasser, dass man es nicht schaffen würde, dieses mit Blei zu kontaminieren – selbst wenn das Blei nicht im Boden gebunden wäre», sagt Hohl.

Deshalb sind die Baslerinnen und Basler wohl so zufrieden mit ihrem Leitungswasser. Laut einer Umfrage der Industriellen Werke Basel (IWB) trinken 95 Prozent der Befragten Hahnenwasser. 87 Prozent finden es gleich gut oder sogar besser als in Flaschen abgefülltes Wasser. Nur sechs Prozent trinken nie Leitungswasser.