Basler Strafgericht

Rentner drohte Schülern wegen Frauenfürzen mit der Flinte

Ein 66-jähriger Anwohner eines Basler Gymnasiums nervte sich ab Böllerschüssen derart, dass Todesdrohungen aussties. Das Basler Strafgericht verurteilte ihn deshalb am Freitag.

Patrick Rudin
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Auf dem Gelände des Wirtschaftsgymnasiums hatten Jugendliche Frauenfürze gezündet. (Archivbild)

Auf dem Gelände des Wirtschaftsgymnasiums hatten Jugendliche Frauenfürze gezündet. (Archivbild)

Martin Toengi

«Es muss jetzt etwas geschehen!», forderte der heute 66-jährige Rentner im vergangenen Januar am Telefon. Soeben startete die erste Schulwoche nach Neujahr, und irgendwo auf dem Gelände des Basler Wirtschaftsgymnasiums an der Andreas Heusler-Strasse hatten mehrere Schüler Knallkörper gezündet. Die Anlage ist allerdings gross, zusammen mit der benachbarten Fachmaturitätsschule bewegen sich auf dem Areal rund 700 Schüler.

Der Rektor versprach dem Mann am Telefon, er werde die Sache abklären, doch der Anrufer fühlte sich nicht ernst genommen. Er drohte schliesslich, irgendwann mit einer Flinte auf dem Balkon zu stehen und alle diese «Arschlöcher» abzuknallen. Die Schule erstattete Anzeige, die Polizei nahm den Rentner einen Morgen lang in Polizeigewahrsam und beschlagnahmte bei ihm vorläufig ein Winchester-Gewehr, einen Ruger-Revolver und eine SIG-Pistole mitsamt Munition.

Saufgelage auf dem Schulareal

Im Basler Strafgericht sagte der Mann am Freitag, er erinnere sich nicht mehr ganz genau an seine Wortwahl, er sei vielleicht auch falsch verstanden worden. Er habe an jenem Tag einen Hund gehütet und sei auf seiner Terrasse gesessen. Der Lärm habe den Hund ganz verrückt gemacht. Auch gäbe es an Wochenenden immer wieder Saufgelage von Schülern auf dem Schulareal.

Das Gericht befragte auch den Rektor als Zeugen, diese bestätigte seine früheren Aussagen. Er habe nach der Drohung damals an die Rentnerin gedacht, die in Basel einen jungen Schüler erstochen hat, und deshalb seine Vorgesetzten informiert. Den Strafantrag hat er inzwischen zurückgezogen, er bot dem Mann auch an, künftig gemeinsam über die Lärmprobleme zu sprechen. Verteidiger Moritz Gall sagte, der Rentner habe lediglich seinen Ärger deponieren wollen, dies sei keine Nötigung und könne auch nicht strafbar sein. Er verlangte einen Freispruch.

Schuldsprüche wegen Nötigung und Schreckung

Einzelrichterin Felicitas Lenzinger allerdings fällte, wie von der Staatsanwaltschaft verlangt, Schuldsprüche wegen versuchter Nötigung sowie wegen versuchter Schreckung der Bevölkerung. Sie betonte, insbesondere beim zweiten Tatbestand spiele es keine Rolle, ob der Anrufende seine Drohung überhaupt wahr machen möchte.

Auch bei Offizialdelikten sind Verfahrenseinstellungen mit Zustimmung der Beteiligten möglich, dazu verlangt die Strafprozessordnung aber auch das Fehlen des öffentlichen Interesses an einer Bestrafung. Lenzinger sagt, das sei hier nicht anwendbar.

Lärmprobleme werden sich nicht in Luft auflösen

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten verlangt, die Einzelrichterin sah ein deutlich geringeres Verschulden und beliess es bei einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 110 Franken. Sie betonte allerdings, der Mann solle das Gesprächsangebot des Rektors annehmen, die Lärmprobleme werden sich auch künftig wohl nicht in Luft auflösen.

Punkto Rückgabe der Waffen wählte das Gericht einen Mittelweg: Das Gewehr, der Revolver und die Pistole gehen an das Waffenbüro der Kantonspolizei. Dort werden die Bewilligungen nochmals im Detail überprüft, auch können dem Mann Auflagen gemacht werden.
Das Urteil kann von beiden Seiten noch weitergezogen werden.