Reise ins Ungewisse: Die Krise der MCH Group und wieso sie mehr Geld braucht, als sie zurzeit verdient

Die angeschlagene Basler MCH Group AG braucht Geld für die Zukunft – und gibt weitere Defizite bekannt: Die Grand Basel riss ein Loch in die Kasse, das Engagement in Lausanne zahlte sich nicht aus. Wie die Rolle der Kantone künftig aussieht, ist offen.

Andreas Schwald
Hören
Drucken
Teilen

Seit dem Krisenjahr 2016 schlingert die Basler MCH Group AG. Das Messegeschäft brach massiv ein, der einstige Umsatztreiber Baselworld verzeichnete herbe Verluste und auf der Infrastruktur musste das Unternehmen empfindliche Abschreiber vornehmen – vor allem auf der Vorzeigehalle 1 von Herzog & de Meuron.

Vier Jahre später steht das einst für alle Beteiligten so einträgliche Messe-Unternehmen immer noch auf wackligen Beinen. Dies zeigt sich an einem ausführlichen Antwortbogen, den die Gruppe bereits am Montag vor der von Investoren verlangten ausserordentlichen Generalversammlung präsentierte. Die Investoren der Zürcher AMG Investment AG um Erhard und Ursula Lee reichten zu ihrem Antrag einen umfangreichen Katalog von 39 Fragen ein. Dabei geht es um Strategie, Statuten sowie die Offenlegung von Geschäftsbüchern der MCH Group AG.

Millionenverluste mit Luxusauto-Messe

In ihrer Antwort, die Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer und Messe-CEO Bernd Stadlwieser am Montag vor den Medien erläuterten, öffnet die MCH Group AG ihre Geschäftsbücher allerdings nicht. Dafür werden erstmals die empfindlichen Defizite der gescheiterten Edel-Automesse Grand Basel sowie des mittlerweile beendeten Engagements in Lausanne publik.

Der einmalige Versuch mit der Grand Basel 2019 schlug mit einem Verlust von rund 34,6 Millionen Franken zu Buche. Die Automesse sollte zu dem werden, was die Art Basel für die Kunstszene ist. Doch der damals als sicher erachtete Plan ging nicht auf. Im Nachhinein hat die MCH Group AG zudem feststellen müssen, dass nicht alle internen Kontrollmechanismen funktioniert hätten. Dies führte zu einem finanziellen Desaster, das auch Entlassungen zur Folge hatte.

Ein weiterer teurer Fehlschlag waren die Aktivitäten der MCH Group AG über eine Tochtergesellschaft in Lausanne. In einem Zeitraum von zehn Jahren wurden bis 2019 rund 50,7 Millionen Franken in den Sand gesetzt. Darin enthalten sind neun Millionen für die Sanierung der dortigen Pensionskasse sowie Rückstellungen für weitere 6,1 Millionen Franken wegen ausstehender Mietkosten.

Die Zukunft kostet Geld, das die Messe nicht hat

Verwaltungsratspräsident Vischer formulierte es deutlich: «Ja, wir haben Fehler gemacht. Ein Verlust im Ausmass der Grand Basel hätte nicht stattfinden dürfen.» Nun sei allerdings zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsausrichtung zu unterscheiden: Klar sei, so Vischer, dass das traditionelle Messegeschäft so nicht mehr weiterbestehen könne. Hier kommt die strategische Ausrichtung ins Spiel.

Über die gibt der Verwaltungsrat zurzeit nur wenig Informationen preis. Was die Öffentlichkeit wissen darf und auch schon weiss: Die MCH Group AG will in Innovation, Digitalisierung und die weitere Internationalisierung investieren. Doch dafür brauche die Messe Kapital, so Vischer. Geld, das sie spätestens seit den Krisenjahren selbst nicht mehr verdient.

Mehr Aktienkapital oder Verkauf des Tafelsilbers

Zurzeit stehen laut Verwaltungsrat zwei Optionen im Vordergrund. Entweder man findet einen zahlungskräftigen Investor und erhöht das Aktienkapital. Oder die MCH Group AG verkauft das Tafelsilber, sprich: das Segment «Live Marketing Solutions» – komplett.

Damit ergeben sich in jedem Fall einschneidende Konsequenzen. Würde die MCH Group AG das Aktienkapital erhöhen, müssten nach den historischen Statuten die öffentlichen Aktionäre ebenfalls Geld einschiessen, um ihre Mehrheitsanteile von 49 Prozent halten zu können. Das betrifft die Kantone Basel-Stadt, Baselland sowie Stadt und Kanton Zürich. Baselland stellte allerdings bereits in Aussicht, seinen Anteil zu verkaufen.

Würde das Tafelsilber verscherbelt – hierbei handelt es sich immerhin um einen international breit aufgestellten und gut funktionierenden Geschäftsbereich – so müsste die MCH Group AG die internen Synergien preisgeben, von denen das Kerngeschäft wesentlich profitiert. Welche Option den Vorzug erhält, ist zurzeit ebenso offen wie die Zukunft der Hallen. Der Verkauf der Immobilien sei «nicht prioritär», sagte Vischer. Direktor Bernd Stadlwieser ergänzte: «Abklärungen sind nach wie vor im Gang, es wird sich zeigen, wer der beste Eigentümer ist.» Diese Frage forciere man zurzeit aber auch deshalb nicht weiter, so Vischer, weil man angesichts des ohnehin laufenden Strategieprozesses nicht auch noch für weitere politische Unruhe in Basel sorgen will.