Historisches Museum

Regierungskandidatin Eymann kritisiert Präsidentin Ackermann: «Das sind gravierende Verstösse»

Regierungskandidatin Stephanie Eymann ist ganz und gar nicht einverstanden mit dem Verhalten von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann in der Causa Fehlmann. Ihrer Meinung nach wurde der Eindruck erweckt, dass aktiv etwas vertuscht würde.

Christian Mensch
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Die Causa Fehlmann sorgt für viel Wirbel rund um das Historische Museum.

Die Causa Fehlmann sorgt für viel Wirbel rund um das Historische Museum.

Roland Schmid

Stephanie Eymann sagt: «Der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zu den Vorkommnissen im historischen Museum hat mich sprachlos gemacht.» Nicht bloss ein Fehler sei in diesem Fall begangen worden, sondern auch personalrechtliche, finanzrechtliche wie museumsgesetzliche Regeln wurden von der Regierungspräsidentin missachtet.

Stephanie Eymann, Kandidatin der LDP für den Basler Regierungsrat «Der Bericht hat mich sprachlos gemacht.»

Stephanie Eymann, Kandidatin der LDP für den Basler Regierungsrat «Der Bericht hat mich sprachlos gemacht.»

Georgios Kefalas

Die liberale Aspirantin auf einen Job in der Regierung stösst sich aber noch mehr am Umgang von Elisabeth Ackermann mit der parlamentarischen Oberaufsicht. Es könne nicht sein, dass die GPK das Präsidialdepartement acht Mal anschreiben müsse, um dann unter Aufsicht Einsicht in teilweise nur unvollständige Unterlagen zu erhalten.

Eymann erkennt in diesem Verhalten «gravierende Verstösse». Es sei damit zumindest der Eindruck erweckt worden, dass aktiv vertuscht würde. Als ehemalige Staatsanwältin wisse sie, dass genau dort nachgebohrt werden müsse, wo dieser Eindruck entsteht. Von einem Regierungsmitglied erwarte sie eine offene Kommunikation und Fehler einzugestehen.

Urs Gloor, Präsident der Kommission für das Historische Museum «GPK-Bericht muss Folgen haben.»

Urs Gloor, Präsident der Kommission für das Historische Museum «GPK-Bericht muss Folgen haben.»

Nicole Nars-Zimmer

Urs Gloor, der Präsident der Kommission für das Historische Museum, ist auf Anfrage ebenfalls «erstaunt», dass seitens des Präsidialdepartements kein Fehlerbewusstsein bestehe. Gloor verweist als Beispiel auf den Brief von Ackermann an die Belegschaft der Museums, den diese Zeitung am Wochenende öffentlich gemacht hat. Darin schrieb Ackermann, sie sei «über die Berichterstattung der GPK sehr enttäuscht». Der Bericht sei «in verschiedenen Punkten unrichtig und dazu unausgewogen». Dabei ist für Gloor klar: «Der GPK-Bericht muss Konsequenzen haben.»

Kommission praktisch ohne Einfluss

Gloor ist als Privatbankier ein zurückhaltender Mensch. Auch als Präsident der beratenden Sachkommission wirkt er lieber hinter den Kulissen. In den Auseinandersetzungen mit Direktor Marc Fehlmann bis zu dessen Freistellung lag der Einfluss der Kommission trotz zahlreicher Interventionen nahezu bei Null. Gloor hätte gerne an Fehlmann festgehalten und wollte an eine erfolgreiche Mediation glauben, die Ackermann Anfang Jahr kommunizierte.

Als ihm zu Ohren kam, Fehlmann habe sich nun noch mit seiner eigenen Geschäftsleitung zerstritten, wollte er selbst moderierend an deren Sitzungen teilnehmen. Doch dies sei vom Präsidialdepartement so wenig gewollt gewesen, wie andere angebotene Dienste.

Drei mögliche Nachfolger im Auge

Dass die Stelle des Direktors nach Ackermanns teurem Deal mit Fehlmann erst im Frühjahr 2022 wieder besetzt werden kann, sieht Gloor allerdings als Vorteil. «Derzeit ist es ohnehin nicht möglich, einen Direktor mit Ruf nach Basel zu holen», sagt Gloor. Zuerst müsse ein interimistischer Leiter die Situation beruhigen und bereinigen.

Gloor selbst hat zwei Kandidaten bereits im Auge, das Präsidialdepartement einen weiteren. Gloor meint, es müsse jemand sein, der nicht nur Erfahrung mitbringe, sondern auch allfällige Konflikte mit der Belegschaft, dem Präsidialdepartement, der Kommission und der Politik nicht scheue.

Ein möglicher Kandidat könnte Andreas Spillmann sein. Der Kulturmanager hat als Direktor des Landesmuseums gekündet und war vor zwanzig Jahren Kulturchef in Basel-Stadt.
Gloor möchte die Interimszeit auch nutzten, um bei der Revision des Museumsgesetzes die Weichen grundsätzlich neu zu stellen. Bereits Anfang Jahr hat er dafür plädiert, die Museen nach dem Vorbild des Landesmuseums auszugliedern und in öffentlich-rechtliche Anstalten oder Stiftungen umzuwandeln.

Die Museen auslagern – oder sie führen

Eymann sieht den Weg nicht in der Auslagerung, denn diese würde das Problem lediglich verschieben. Entscheidend sei die Führung. Sie würde im Regierungsrat die Museumsdirektoren eher noch näher einbinden, statt zwischengeschaltete Funktionen zu schaffen. Für falsch hält sie deshalb auch den parlamentarischen Vorstoss der SVP, Ackermann das Museumsdossier zu entziehen: «Wenn eine Person das Problem ist, kann die Lösung nicht darin bestehen, um diese Person herum eine Lösung zu bauen.»