Bluttrainweg 41
Rätsel um zerfallendes Haus in Riehen

Seit über zehn Jahren steht es leer. Der Zustand des Hauses am Bluttrainweg 41 wird immer schlechter. Die Politik beschäftigt sich nun schon zum wiederholten Mal mit dieser Immobilie.

Tobias Gfeller
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Haus in Riehen am Bluttrainweg
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Prominente Lage, immer schlechterer Zustand: Das Haus am Bluttrainweg 41.
Prominente Lage, immer schlechterer Zustand: Das Haus am Bluttrainweg 41.
Zum Teil fehlen Fenster – dafür ist die Sicht mit Brettern verdeckt.
Eine Tür fehlt auch hier.
Dieses Fenster wurde vollgesprayt.

Haus in Riehen am Bluttrainweg

Nicole Nars-Zimmer

SP-Einwohnerrat Paul Spring nimmt einen weiteren Anlauf. Bereits im Februar 2019 brachte er, wie schon zuvor sein Parteikollege Roland Engeler, das Thema aufs politische Parkett. Denn Spring stört sich daran, dass das Eckhaus an prominenter Lage am Bluttrainweg 41 seit über zehn Jahren nicht bewohnt ist. Der Zustand der Liegenschaft werde immer schlechter.

Es sind mehrere Gründe, weshalb der ehemalige Sigrist des Andreashauses kommende Woche per Interpellation das Thema schon zum zweiten Mal in den Einwohnerrat bringt. «Es ist für mich einerseits eine Frage des Ortsbildes. Es kann ja nicht im Sinne der Riehener Ortsbildkommission sein, dass ein Haus an derart prominenter Lage immer mehr verwahrlost. Dazu geht es mir auch um Wohnpolitik. Wohnraum in Riehen ist knapp und eine leer stehende Liegenschaft, die wohl zwei Parteien Platz bieten würde, ist extrem schade.»

Nachbarhäuser verlieren an Wert

Paul Spring kann nicht verstehen, wie man eine Liegenschaft in Riehen, wo die Bodenpreise bekanntlich teuer sind, ungenutzt verwahrlosen lassen kann. Der SP-Einwohnerrat kennt den Liegenschaftsbesitzer – gemäss Auskunft des Grundbuch- und Vermessungsamts Basel-Stadt ein gewisser Güzel Sözügen – und seine Gründe nicht. «Als er das Haus vor gut zehn Jahren gekauft hat, begann er es zu renovieren. Aber irgendwann ging es nicht weiter und seitdem passiert praktisch gar nichts mehr», klagt Spring. Immer wieder kamen Jugendliche vorbei, sprayten Wände voll und zerstörten gemäss Paul Spring Inventar. Deshalb sei zuletzt ein Zaun um das Haus gebaut worden.

Bereits mehrfach wurde Spring aus der Nachbarschaft der Liegenschaft auf die spezielle Situation angesprochen. «Die Leute rätseln natürlich auch, was hier los ist.» Auch gebe es verständliche Bedenken aufgrund der Werterhaltung der umliegenden Häuser und möglicher Schäden an der Liegenschaft – zum Beispiel herunterfallende Ziegel, die auch die Nachbarhäuser treffen könnten. Paul Spring ist sich bewusst, dass es immer mal wieder vorkommt, dass Liegenschaften längere Zeit leer stehen, wenn es zum Beispiel zu Erbteilungen oder sogar zu Erbstreitigkeiten kommt. Aber über zehn Jahre, das ist für den SP-Einwohnerrat definitiv zu lang. Nun möchte Spring vom Gemeinderat wissen, was der Liegenschaftsbesitzer plant, ob er ein Baugesuch eingereicht hat oder ob er verkaufen will. Er stellt sogar die Frage in den Raum, ob die Möglichkeit für eine Betreibung oder Pfändung respektive eine Grundstückentwertung bestehe. «Ich bin mir bewusst, dass das Eigentumsrecht ein hohes Gut ist. Das ist auch richtig so. Aber man muss sich überlegen, ab wann man in dieses eingreifen darf und muss.» Spring regt an, diesbezüglich die gesetzlichen Grundlagen zu überdenken. Zudem will er wissen, ob der Liegenschaftsbesitzer noch immer ordentlich seine Steuern zahlt. Gemäss Interpellationsantwort von Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) im Februar 2019 hat er dies damals immerhin noch getan.

Der Gemeinderat machte vor eineinhalb Jahren in der Beantwortung der ersten Interpellation von Paul Spring kein Geheimnis daraus, dass ihm die Situation um das Grundstück und die Liegenschaft «ein Dorn im Auge» ist und verärgert. Das kantonale Bauinspektorat habe seit Juni 2018 mehrfach versucht, mit dem Grundeigentümer Kontakt aufzunehmen, bisher erfolglos, so Gemeindepräsident Wilde damals.

Gemeinderat äussert sich erst an Sitzung

Da aufgrund der gesicherten Baustelle keine Gefährdung bestehe, wäre es gemäss Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) «unverhältnismässig», durch die Behörde bauliche Massnahmen zu veranlassen, erklärte Hansjörg Wilde weiter. «Es wird aber weiterhin versucht, den Eigentümer zu den erforderlichen Schritten zu bewegen.» Nun wartet Paul Spring gespannt darauf, ob sich an der Situation am Bluttrainweg 41 etwas geändert hat. Der Gemeinderat möchte sich bis zur Einwohnerratssitzung am 26. August nicht zum Thema äussern.

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