Portrait

Pop-Preis: Klaus Johann Grobe jongliert zwischen Stilen und Jahrzehnten

In der Musik des Duos finden verschiedene Epochen Platz. Wo sich Krautrock und Disco-Pop vereinen, sind Etiketten schwer anzubringen. Dieses Jahr sind sie für den Basler Pop-Preis nominiert

Anna Riva
Drucken
Teilen
Sevi Landolt und Daniel Bachmann in ihrem Proberaum an der Lothringerstrasse in Basel.

Sevi Landolt und Daniel Bachmann in ihrem Proberaum an der Lothringerstrasse in Basel.

Martin Toengi

Das kleine, unterirdische Studio an der Lothringerstrasse fordert die zeitlichen Gesetze heraus. Alte Trommeln, ein hölzernes Banjo und eine moderne Synthesizer-Orgel füllen den engen Raum, ringen um jeden einzelnen Quadratmeter. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geben sich hier die Hand. Sie besiegeln mit ihrer Allianz die feste Überzeugung von Sevi Landolt (33) und Daniel Bachmann (31), Gründer des Musikduos Klaus Johann Grobe: Das Verständnis von Vergangenheit und Zukunft sei essenziell, um im Heute zu leben. Die Existenz sei ein Fluss, in welchem auf melancholische Tage wieder freudigere Momente folgen.

Diesem Glauben sind die Musiker aus Basel und Zürich seit ihrer Band-Gründung im Jahr 2011 immer treu geblieben. In ihrer Musik finden verschiedene musikalische Epochen Platz. So sind in den Liedern neben Klängen im Stil des Krautrocks der westdeutschen End-60er-Jahre auch modernere Disco-Pop-Sounds und elektronische Elemente zu hören, welche die Menschen in den Klubs zum Tanzen anregen. Klaus Johann Grobe versucht, «die Dinge von gestern in den Zeitgeist von morgen» zu transportieren. Die hochdeutschen Texte mit ihren teilweise kryptischen Wortspielen verleihen der Musik eine Note höflicher Ernsthaftigkeit.

Die Versuche, ihre Musik zu definieren, lassen Keyboarder Landolt und Schlagzeuger Bachmann lächeln. Einengende Etiketten sind ihnen egal. «Wir machen das, was uns inspiriert und woran wir Freude haben. Und wenn es ein wilder Stilmix ist, der durch mehrere Jahrzehnte geht», sagt Landolt.

«Grobisch»: So pflegten die beiden ihren Musikstil zu definieren, in einem subversiven Versuch, sich gegen Kategorisierungen zu wehren. Die Musik um der Musik willen: Das ist das Credo der jungen Musiker. «Wir machen Musik, weil wir das unbedingt wollen», erklärt Bachmann. Und streicheln dabei ihre Instrumente mit fast sakraler Devotion.

Fünf Fragen

Klaus Johann Grobe

1. Was verbindet Ihre Musik mit Basel?

Daniel Bachmann (D.B.): Wir kommen aus Basel und Zürich. Das eigene Umfeld prägt; das kommt in der Musik zum Tragen.

Sevi Landolt (S.L.): Basel ist eine sehr offene Stadt mit aufgeschlossenen Menschen. So gehen wir auch an die Musik ran: Für uns gibt es keine Tabus.

2. Fühlt es sich anders an, in Basel ein Konzert zu spielen als sonst wo auf der Welt?

S.L.: Zu Hause kennen dich die Leute. Da wir ein bisschen rumgekommen sind, möchten viele zu den Konzerten kommen und sehen, ob wir wirklich so gut sind.

D.B.: Zu Hause ist es schon speziell. In Basel haben wir noch gar nicht sooft gespielt. Das verstärkt dieses Gefühl.

3. Was machen Sie mit dem Preisgeld, falls Sie es gewinnen?

D.B.: Wir können damit Gagen bezahlen. Je mehr man spielt, desto enger wird es finanziell; immer muss man überlegen, wie die nächste Miete bezahlt wird. Ich habe bis im Frühling als Kaffeeröster gearbeitet, habe aber aufgehört, weil wir so viel spielen. Ab Anfang Jahr brauche ich wieder einen Job.

S.L.: Es wird ein bisschen Freiraum schaffen für eine gewisse Zeit. Ich arbeite noch als selbstständiger Grafiker. Diesen Job kann man zwischen die vielen Konzerte und Touren irgendwie noch reindrängen.

4. Wenn Sie nicht gewinnen, wem von den anderen Nominierten gönnen Sie es am meisten?

S.L.: The Lombego Surfers sind fast schon eine Ikone. Es wäre sicher schön, wenn sie gewürdigt würden.

5. Welches Lied sollte jemand hören, der Ihre Musik noch nicht kennt?

D.B. und S.L.: «Liebe am Strand». Es summiert schön zusammen, was wir machen. Das Lied ist ein bisschen Unsinn und vereint in sich verschiedene Genres.

Die Ereignisse überschlagen sich

Alles hat ziemlich zufällig angefangen. Glänzende Erfolgsträume hätten nie als Motor gedient. 2011 kam die erste EP des Duos raus. Auf dieses Mini-Album wurde ein englischer Labelbesitzer aufmerksam. Ab jenem Moment haben sich die Ereignisse überschlagen. Die Konzerte in England, die Veröffentlichung des ersten grossen Albums durch das amerikanische Label «Trouble in Mind», die unerwartete Popularität in Europa und in den USA und mehrere Touren über die zwei Kontinente: Selbst heute scheinen Landolt und Bachmann von der Tragweite ihrer Erfolgsgeschichte immer noch überrascht zu sein. «In unserer Geschichte gibt es mindestens zehn wichtige Wendepunkte», sagt Bachmann. «Ohne jeden einzelnen dieser Zufälle wären wir nicht da, wo wir sind. Es ist total verrückt, dass alles in sich so stimmt.»

Diese zufällige Verkettung von Ereignissen hat dafür gesorgt, dass Klaus Johann Grobe im Ausland populärer ist als in der Schweiz. Doch das trübt die gute Laune der Band nicht im Geringsten: «Mich freut eine begeisterte E-Mail von einem Fan aus einem fremden Land genauso wie eine von einem Schweizer», sagt Bachmann.

Erst seit diesem Jahr fängt die Band allmählich an, auch hierzulande Aufmerksamkeit zu wecken – dank der Publicity ihres neuen Albums «Spagat der Liebe», das im Mai herausgekommen ist. Die beiden sind zufrieden mit ihren Erfolgen. Das, was als ein Spassprojekt gestartet ist, darf heute auf zwei Alben, eine EP, zwei Singles und ein Stück auf einer Compilation stolz sein. Ein Bassist und ein Querflötenspieler verstärken derzeit die Reihen der Band, wenn auch nur bei Live-Auftritten.

Die letzten Jahre waren mit ihren vielen Überraschungen aber auch eine intensive Periode. Nächstes Jahr ist es an der Zeit, eine Pause zu machen. «Wir müssen uns wieder sammeln und ein bisschen Ruhe reinbringen, um neue Stücke schreiben zu können», erklärt Landolt. Also werden weitere kreative Aufenthalte im kleinen, vollgestopften Studio an der Lothringerstrasse stattfinden. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt? Offen seien sie jedenfalls für alles, sagt der Basler: «Wir haben zu zweit angefangen, dann kamen der Bassist und der Querflötenspieler dazu. Vielleicht haben wir nächstes Mal ein Orchester dabei oder sind wieder nur zu zweit. Es gibt kein Konzept. Wir hören nur auf das, worauf wir Lust haben.» Grobisch bis auf die Knochen.