Nur noch zurück für die Fasnacht: Warum Eva Nidecker ihrer Heimatstadt den Rücken kehrte

Die bz besucht in diesem Sommer mehrere ausgewanderte Basler Persönlichkeiten in der neuen Heimat. Als Erstes waren wir bei TV-Starlet Eva Nidecker.

Helena Krauser
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An der Zürcher Europaallee hat Eva Nidecker 2019 ihr Indoor-Cycling-Studio eröffnet.

An der Zürcher Europaallee hat Eva Nidecker 2019 ihr Indoor-Cycling-Studio eröffnet.

Severin Bigler

Als dieses Jahr die Basler Fasnacht ausfiel, hat das Eva Nidecker «schon mega weh getan». Keine Fasnacht bedeutet auch keinen Querschnitt und keinen Cortège für das SRF. Eva Nidecker moderiert diese Sendungen seit fünf Jahren gemeinsam mit ihrem Kollegen Simon Thiriet. Sie mache diese Arbeit mit ganzem Herzen, sagt sie. Dabei lebt die Vorzeige-Baslerin seit Jahren in Zürich. Ihre Heimatstadt verliess sie vor zwanzig Jahren für das Publizistikstudium.

In Zürich fühlt sich Nidecker zuhause. Wenn sie von ihrer Wahlheimat spricht, wird klar: viel Basel steckt nicht mehr in ihr. Heimweh verspürt sie keines. Sie liebt die grosse Stadt, den See, die Internationalität, die Gastroszene mit ihrer Apérokultur und den Hang zu innovativen Sportarten. An der Europaallee, gleich neben dem Google-Campus, hat sie im September 2019 ihr Studio «Open Ride» eröffnet.

Nur noch selten in ihrer Heimatstadt

Nach Basel kommt sie selten. Nur für Familienanlässe und die Fasnacht macht sie sich auf den Weg. Und dennoch ist sie froh, die Verbindung noch ein wenig aufrecht zu erhalten. «Wenn ich den Rhein sehe, geht mir schon das Herz auf», sagt sie. Zurück möchte sie aber nicht. «Wenn ich Basel sehr vermissen würde, wäre ich dort. Mein Herz schlägt für Zürich.»

Eva Nidecker erlernte ihr journalistisches Handwerk bei «Telebasel» und später bei der Jugendsendung «OOPS!» vom Schweizer Fernsehen. Nachdem sie Primetime Shows beim SRF und Sat1 moderierte, kehrte sie nach Basel zurück und wurde Programmleiterin bei Radio Energy.

Nach zwei Jahren zog sie sich aus der Geschäftsleitung zurück, um wieder mehr vor dem Mikrofon zu stehen. 2016 übernahm sie die Moderation der Dokuserie «Liebesleben», in der sie mit Schweizerinnen und Schweizern über ihre Sexualität sprach und die Berichterstattung zur Basler Fasnacht.

Die drey scheenschte Dääg lassen sie nicht ganz los

Aus der Entfernung hat Eva Nidecker die Geschehnisse in Basel nicht mehr so gut im Blick. Für die Moderation zur Fasnacht muss sie sich deshalb jeweils intensiv in die vielen gesellschaftlichen und politischen Debatten einarbeiten, die an der Basler Fasnacht verhandelt werden. «Gerade in den letzten arbeitsintensiven Jahren habe ich sehr viel verpasst. Entsprechend beansprucht die Vorbereitung mehr Zeit.» Früher war sie näher am Geschehen.

Als sie noch in Basel lebte, war sie selbst aktive Fasnächtlerin. Mit 16 Jahren begann sie bei den «Verschnuuffer» zu pfeifen. Mit dem Umzug nach Zürich wurden die wöchentlichen Proben aber zu viel und sie gab das Pfeifen auf. Ganz ohne aktive Fasnacht kommt Nidecker aber nicht aus. Wenn sie jetzt während der Fasnacht in Basel ist, nimmt sie sich am Dienstag immer Zeit, um mit ihrem Schissdräggzügli durch die Gassen zu ziehen.

Von der Moderatorin zur Geschäftsfrau

In Zürich hat Nidecker ihre Medienkarriere begonnen und mittlerweile auch so gut wie beendet. Die SRF-Sendungen in Basel sind zurzeit die einzigen Moderationen, die sie regelmässig durchführt. «Ich vermisse das Fernsehen gar nicht», sagt sie. In ihren Zwanzigern habe sie der Arbeit beim Fernsehen sehr viel Gewicht beigemessen.

Mit den Jahren kam aber das Bedürfnis nach mehr Einflussnahme. Vor zwei Jahren beschloss Nidecker deshalb ihr eigenes Studio für «Indoor Cycling» zu eröffnen. Zu mitreissender Musik und einer imposanten Lichtshow kann hier auf fest installierten Bikes trainiert werden. Instruktoren leiten die Teilnehmenden an und feuern sie zu Höchstleistung an.

«Ich freue mich darauf, mein Comfort-Zone zu verlassen»

Bis jetzt gibt sie noch keine eigenen Kurse. Sie muss erst noch die Ausbildung als Instruktorin abschliessen. Wenn sie die erste Stunde gibt, werde sie bestimmt ein bisschen nervös sein, gibt sie zu. «Als Instruktorin muss ich Sound und Licht steuern und gleichzeitig Instruktionen geben - und dies währenddem ich mich selbst richtig auspowere. Aber ich freue mich darauf, meine Comfort-Zone zu verlassen.»

Nidecker fühlt sich sichtlich wohl mit den internationalen Kursbesuchern. Sie kennt viele von ihnen beim Vornamen. Würde so ein Studio auch in Basel funktionieren? Eva Nidecker ist sich unsicher. Vielleicht wird sie es eines Tages versuchen.

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