Stimmen Festival

Nostalgische und starke, junge Stimmen im Dreiland

Das Stimmen Festival präsentiert vom 12. bis 31. Juli auf acht Bühnen im Dreiland Klassiker und Newcomer des Pop.

Anja Wernicke
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Gut gemachter Pop: Die Mannheimer Band Get Well soon.

Gut gemachter Pop: Die Mannheimer Band Get Well soon.

Jens Oellermann

Frank Turner lebt den Rock ’n Roll. Sobald der ehemalige Punk-Musiker aus England auf der Bühne steht, weht ein rauer Wind. Authentisch krächzend fällt er bei Live-Konzerten weniger durch seine gepflegte Stimme auf als durch energetische Performances, bei denen er sich voll verausgabt. Abstützen kann er sich dabei auf seine langjährige Band The Sleeping Souls. Deutlich glatt gebürsteter wirkt dagegen Jamie Cullum, der für seinen «Crossover-Stil», in dem er Pop und Jazz verbindet, vielfach ausgezeichnet wurde. Selbst beim Covern von Rihannas Megahit «Please don’t stop the music» (2007) kann er, der mittlerweile über 10 Millionen Alben verkauft hat, die jazzigen Anklänge nicht sein lassen.

Wie so einige Künstler des «Stimmen»-Festivals 2016 ist er nicht zum ersten Mal im Programm vertreten. 2011 hat er sich bereits dem Dreiland-Publikum präsentiert. Wie die deutsche Gruppe Revolverheld, die unplugged spielen wird, treten Jamie Cullum und Frank Turner auf der grössten Bühne des Festivals, auf dem Lörracher Marktplatz auf. Ebenfalls an dieser Stelle, dafür aber zum ersten Mal im Programm, wird die Kulturband Massive Attack zu erleben sein. Unvergessen sind ihre innovativen Beats der 90er-Jahre («Unfinished Sympathy» mit Shara Nelson), als sie ein neues Genre mit dem Namen Trip Hop prägte. Heute zählt die Band zu den Klassikern im Festival. Ähnlich wie die New Yorkerin Suzanne Vega und die britische Band Travis werden sie nicht nur in ihren alten Hits aus dem letzten Jahrtausend schwelgen, sondern auch die Songs ihrer jüngsten Platten-Produktionen vorstellen.

Ohrwürmer inklusive

So kann man sich in der stimmungsvollen Atmosphäre des Arlesheimer Domplatzes auf Travis-Ohrwürmer wie «Sing» und «Why does it always rain on me» freuen.

In Augusta Raurica bleibt es dagegen in diesen Jahren still. Aufgrund des Leitungswechsels in der Kulturabteilung des Kantons Baselland konnte die Zusammenarbeit mit dem Stimmen-Veranstalter, dem Burghof Lörrach, nicht weitergeführt werden.

Wer frische über nostalgischen Stimmen bevorzugt, der ist im Rosenfelspark Lörrach, dem sogenannten «Wohnzimmer» des Festivals, richtig. Hier wird die gerade 23-jährige Lùisa aus Hamburg auftreten. Als Vertreterin der «Do it yourself»-Musikgeneration klingen ihre Songs oft eigensinnig. Ihre kraftvolle und rauchige Stimme erinnert manches Mal an Sophie Hunger. Genauso jung und noch ein bisschen überraschender ist der Münchner Jesper Munk. Nur 24-jährig klingt er mit seinen melancholischen Songs locker wie ein doppelt so alter Cowboy, der schon etwas zu viel von der Droge «Leben» probiert hat. Auch etwas schwermütig, aber deutlich partyaffiner und gegenwärtiger klingt dagegen die deutsche Band Get Well Soon, die neben Munk am Abschlusskonzert im Burghof spielen wird.

Neben all den Pop-Stimmen hält das Festival auch etwas für den kunstaffinen Geschmack bereit: In der St. Ottilien-Kirche auf der Tüllinger Höhe gibt es barocke Klänge, in der Stadtkirche Lörrach wird das Ensemble Corund eine Vertonung von H. C. Andersens Märchen «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» spielen. Mit der marokkanisch-französischen Sängerin Hindi Zahra werden auch Einflüsse nichtwestlicher Musik zu hören sein.

Ticket-Vorverkauf www.stimmen.com