Coronavirus

Nicht alle Reiserückkehrer halten sich an die Regeln: Kantone gehen gegen Trickser vor

Mit dem Ende der Herbstferien nehmen auch die Quarantänezahlen zu – doch viele halten sich nicht an die Regeln.

Kelly Spielmann, Zara Zatti
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Das Ende der Herbstferien naht. Doch nach dem Urlaub ist aus vielen Ländern vor der Quarantäne.

Das Ende der Herbstferien naht. Doch nach dem Urlaub ist aus vielen Ländern vor der Quarantäne.

Keystone

Immer mehr Länder kommen auf die Risikoliste des Bundes – und in den beiden Basel enden bald die Herbstferien. Entsprechend stark nehmen auch in den beiden Basel die Reiserückkehrenden in Quarantäne zu. Aktuell befinden sich in der Stadt 575 Personen in Rückkehrquarantäne, auf dem Land sind es 485. Das sind 198 (Stadt) und 148 (Land) Personen mehr als noch vor einer Woche. Laut Basler Gesundheitsdepartement «hat die Anzahl eine steigende Tendenz aufgrund der Ferien».

Wer sich nicht an die Einreisebestimmungen hält, für den kann es richtig teuer werden. Bis zu 10 000 Franken kann eine Busse kosten. Hat das Gesundheitsdepartement klare Hinweise, dass sich jemand nicht an die Quarantänebedingungen hält, kann eine Verzeigung bei der Staatsanwaltschaft erfolgen. Im Kanton Zürich musste kürzlich ein 44-jähriger Mann eine Busse von 2000 Franken zahlen, weil er während eines Kontrollanrufs der Polizei nicht zu Hause war.

Gesundheitsdepartement und Polizei führen Stichproben durch

Laut Staatsanwaltschaft musste in Basel aber noch niemand eine Busse zahlen. Ein Verstoss gegen die Quarantäneauflagen wurde allerdings verzeigt, das Dossier liegt momentan bei der Staatsanwaltschaft. Das Basler Gesundheitsdepartement bearbeitet derzeit zudem drei weitere Vergehen. Im Baselbiet sind bisher nur wenige Quarantäneverstösse aufgedeckt worden – Zahlen kann Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, keine nennen. Bis zur Staatsanwaltschaft ist noch kein Fall gelangt, wie diese bestätigt.

Der Bund setzt Länder, die während 14 Tagen mehr als 60 Neuinfektionen pro 100'000 Personen verzeichnen, auf eine Quarantäneliste – derzeit sind es 59 Länder. Wer aus einem dieser Länder zurückkehrt, muss sich beim Kanton melden und zehn Tage in Quarantäne. Reiserückkehrende haben zwar eine Meldepflicht, Basel-Stadt prüft aber nicht in jedem einzelnen Fall, ob der Hausarrest tatsächlich eingehalten wird.

Die Passagierlisten von Flugreisenden erhält der Kanton vom Bund. Davon ausgehend führt das Gesundheitsdepartement zusammen mit der Kantonspolizei Stichproben durch. Reisende, die mit dem Auto unterwegs waren, können nicht überprüft werden. Ähnlich funktioniert es auf dem Land, wie Rolf Wirz auf Anfrage bestätigt.

Was bringt die Quarantäne überhaupt?

Doch in Quarantäne müssen nicht nur die Reiserückkehrenden – auch, wer mit einer infizierten Person in Kontakt stand, erhält Hausarrest. Stand gestern waren dies im Stadtkanton 183 Personen, auf dem Land 186. Laut Rolf Wirz müssen sich diese täglich via Covid-App beim Kanton melden. Meldet sich jemand zwei Tage nicht, wird die Person kontaktiert. «Bei begründetem Verdacht kann die Polizei eine Kontrolle durchführen», so Wirz.

Von den Personen, die sich in Quarantäne befinden, werden jedoch die wenigsten positiv auf Corona getestet. In der Stadt sind es laut Kantonsarzt Thomas Steffen rund 10 Prozent, im Landkanton waren es im Oktober bisher sechs Personen. Bei einer so kleinen Anzahl stellt sich die Frage, ob die Quarantäne für Rückreisende und Kontaktpersonen überhaupt notwendig ist.

«Das ist ein klassisches Präventivparadoxon», meint Wirz: Ergreift man die richtigen Massnahmen und diese zeigen Wirkung, schliesse man daraus, dass sie nicht notwendig gewesen seien. Auch wisse man nicht, wie hoch die Dunkelziffer der sich in Quarantäne befindenden Personen sei, die sich nicht haben testen lassen. «Wir erachten die Quarantäne weiterhin als wichtig und wirkungsvoll», betont Wirz.

In beiden Basel niemand wegen Corona im Spital

Die Quarantäne: Eine Massnahme, die bleibt. Kommen bald weitere hinzu? In der Stadt sind die positiven Coronafälle diese Woche von 1350 (Montag) auf 1385 (gestern) gestiegen. Auf dem Land waren es am Montag 1210 Fälle, gestern 1248. Dennoch sind in beiden Kantonen keine neuen Vorschriften geplant. In der Stadt sei die Dämpfung des Anstiegs durch die Maskenpflicht und Begrenzung der Veranstaltungen bereits erfolgt, sagt Thomas Steffen. Man verzichte daher auf eine unmittelbare Reaktion. «Die Situation muss aber zweifellos in den nächsten Wochen aufmerksam beobachtet werden.»

Rolf Wirz erklärt, weshalb auf dem Land vorerst keine neuen Regeln eingeführt werden: «Wir haben Parameter festgesetzt, ab denen es Massnahmen braucht. Die sind noch nicht erreicht.» Ein Faktor ist zudem die Spitalbelegung: In beiden Basel befindet sich derzeit niemand aufgrund einer Coronainfektion in Spitalpflege. Er nennt weiter, dass es über zwei Wochen 40 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner geben müsste – das haben die Kantone Baselland, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau so vereinbart.

Zurzeit sei man im Baselbiet bei 28,5 – die schweizweit tiefste Quote. Steigt die Anzahl Fälle aber weiter wie in den vergangenen Tagen, ist die Inzidenz von 40 Neuansteckungen bald erreicht. Klettert der Wert auf 60, könnten die beiden Basel ihrerseits zum Risikogebiet werden.