Neue Musik
Die Basel Composition Competition findet zum dritten Mal statt

Sie ist erst drei Jahre alt und bereits eine der wichtigsten internationalen Plattformen für neue Orchestermusik: die Basel Composition Competition. Gespielt wird vom 4. bis 7. März live, zugehört wird notgedrungen diesmal nur online – und die Sieger werden auf offener Szene im Finale gekürt.

Reinmar Wagner
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Die koreanische Komponistin Unsuk Chin ist Jurorin der dritten Basel Composition Competition.

Die koreanische Komponistin Unsuk Chin ist Jurorin der dritten Basel Composition Competition.

zvg

Verschieben wäre möglich gewesen, der internationale Kompositionswettbewerb Basel Composition Competition findet im Zweijahres-Rhythmus statt. Aber man wollte lieber an der Kontinuität festhalten. Zwölf Finalisten wurden von einer exquisiten Jury ausgewählt: den drei renommierten Schweizer Komponisten Michael Jarrell, Andrea Lorenzo Scartazzini und Beat Furrer, der in Berlin lebenden Koreanerin Unsuk Chin sowie von Felix Meyer, dem Direktor der Paul-Sacher-Stiftung.

Der Jüngste ist 14, der Älteste 87

Die Auswahl geschah anonym, die Jury konnte also bei den zu beurteilenden Partituren nicht abschätzen, von wem eine Arbeit stammt. Der Wettbewerb ist international ausgeschrieben und stellt nicht die geringsten Schranken auf, nicht einmal solche des Alters. Bereits 87 Jahre alt ist der älteste Teilnehmer, der jüngste erst gerade 14.

So viel Offenheit hat Konsequenzen: Nicht weniger als 355 Werke wurden für die dritte Ausgabe des Wettbewerbs eingereicht. Sie kamen aus aller Welt: 51 Nationalitäten umfasst die Liste – aber nur acht Prozent davon sind Frauen. Vorschriften gibt es nur bezüglich der Orchesterbesetzung und der Aufführungsdauer: 20 Minuten ist das Maximum. Und neu müssen sie sein, die Stücke, auch nicht in Teilen bereits uraufgeführt. Keine grossen Hürden für hoffnungsfrohe Komponisten, die ihre Corona-Isolation gerne zum Schreiben von Orchestermusik nutzten.

Was Christoph Müller – er ist auch auch Manager des Kammerorchesters Basel und Intendant des Menuhin-Festivals in Gstaad – mit diesem Wettbewerb ins Leben rief, greift nach den Sternen:

Die Preissumme von 100'000 Franken macht diesen Wettbewerb zu einer der lukrativsten Möglichkeiten für Komponisten aus aller Welt.

Und mit den drei für dieses Repertoire sicher besten Orchestern aus Basel – dem Sinfonieorchester, dem Kammerorchester und der Basel Sinfonietta – steht sehr viel Sach- und Fachkompetenz hinter dieser Initiative. Umso mehr als namhafte Dirigenten mit viel Erfahrung in zeitgenössischer Orchestermusik an den Pulten stehen werden: Franck Ollu, Francesc Prat und Peter Rundel. Und mit ihrem Netzwerk wirkt zudem die Paul-Sacher-Stiftung mit.

Christoph Müller, Gründer und Leiter der Basel Composition Competition.

Christoph Müller, Gründer und Leiter der Basel Composition Competition.

Nicole Nars-Zimmer

Viel Know-how also auf der Seite von Produktion und Organisation. Wie aber – Gretchenfrage jeder Veranstaltung mit zeitgenössischer Musik – holt man die Zuhörer über die seit Jahrzehnten kleine und verschworene Gemeinschaft der Neue Musik-Spezialisten hinaus ins Konzert? Christoph Müller kennt solche Vorbehalte als Konzertveranstalter nur zu gut. Dennoch hofft er, mit dieser Initiative von Basel aus eine Ausstrahlung in die Musikwelt zu erreichen, die an diejenige anknüpfen kann, die Paul Sacher einst hatte. Und er appelliert an die Neugier des Publikums: Sie können «unerhört» spannende Hörerfahrungen machen.

«Natürlich wird das Zuhören anspruchsvoll sein, aber es wird sich lohnen.»

Auch der Vergleich des Gehörten führe immer wieder zu spannenden Interaktionen, so Müller. «Das macht den Reiz des Wettbewerbs aus. Ich bin gespannt auf die Qualität der Stücke. Wir werden die Ersten sein, die sie hören.»

Angefangen mit dem Abbauen von Schwellenängsten wird schon bei den Jungen: Jedem der zwölf Finalisten darf eine Schulklasse über die Schulter blicken, während sein Werk durch die Musiker vom Papier der Partitur zum Leben erweckt wird.

Ein bisschen lassen sich die zwölf Finalisten auf der Facebook-Seite des Wettbewerbs schon in die Karten schauen. Sie scheinen in ihren Ideen überwiegend von musikfremden Bildern und Texten als Inspirationsquelle ausgegangen zu sein. Der Italiener Andrea Mattevi etwa blickt mit Nietzsche in den Abgrund, der Japaner Hiroshi Nakamura verarbeitet poetische Bilder des traditionellen Nô-Theaters, Angel Hernandez Lovera aus Venezuela hatte die zerfliessenden Camembert-Uhren Salvador Dalís vor Augen für seine fantastischen Orchesterwelten.

Auch der Deutsche Oliver Mattern hat sich von Bildern inspirieren lassen – Breughel und Otto Dix – und sinniert ironisch über das in aktuellen Zeiten zunehmend desaströse Verhältnis von Kunst und Gesellschaft. Der Spanier Miguel Morate übersetzt die Gravitationswellen im Universum in Musik und der Koreaner Hyeon Joon Sohn liess sich tief inspirieren von christlicher Spiritualität.

Kompositionen für Orchester haben einen grossen Vorteil: Sie können mit den vielen Farben der Orchesterinstrumente und ihren unendlichen Mischungen spielen, was allein schon eine sinnliche Komponente ins Geschehen einbringt. Man darf also gespannt sein, was diese Auslese aus über 350 Ideen Neues beitragen kann zur musikalischen Bereicherung in diesen besonderen Zeiten.

Basel Composition. 4.-7. März 2021. Die Konzerte werden auf Youtube zum Mit- und Nachhören zur Verfügung gestellt, das Schlusskonzert am 7. März um 20 Uhr mit der Bekanntgabe der drei Gewinner und der Aufführung der preisgekrönten Werke wird zudem von Idagio übertragen und von Radio SRF zu einem späteren Zeitpunkt gesendet.