Camping

Nerviger neuer Ferientrend: Basler Anwohner ärgern sich über die wilden Campierer

Wild campieren ist in Basel nicht erlaubt. Doch viele Campingwagen-Besitzer können dem Reiz nicht widerstehen, gleich am Kleinbasler Rheinufer zu übernachten. Für den Verein Rheinpromenade Kleinbasel ist das ein Ärgernis, zumal sich das Problem in den vergangenen Wochen verschärft hat.

Leif Simonsen
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Der Schaffhauserrheinweg wird mehr und mehr zum Hotspot für Camper.

Der Schaffhauserrheinweg wird mehr und mehr zum Hotspot für Camper.

Kenneth Nars

«Seit den Lockerungen des Covid-19-Lockdowns und der Öffnung der Grenze zu Deutschland haben die wilden Übernachtungen in Wohnmobilen zugenommen», heisst es im jüngsten Newsletter des Vereins. Rheinpromenade Kleinbasel nimmt hierbei die offenen Dachluken und die ausgefahrenen Antennen der Campingwagen als Indiz dafür, dass die Fahrzeugbesitzer auch über Nacht bleiben.

Vor allem die Länge der Fahrzeuge ist ein Problem

Dass das Kleinbasler Rheinufer auch international einen guten Ruf als Zwischenhalt hat, ist diversen einschlägigen Campingforen im Internet zu entnehmen. «Unbedingt am Rheinknie in Basel Halt machen. Frühmorgens gleich noch ins kalte Wasser – was für ein Start in den Tag», schreibt hier beispielsweise ein Deutscher, der auf dem Weg Richtung Südeuropa in Basel übernachtet hat. Ein anderer beschreibt sein Erlebnis so: «Erlaubt ist es nicht, aber kontrollieren tut die Polizei auch nicht; ich kann nur empfehlen, am Rheinufer auf Kleinbasler Seite einen Zwischenhalt einzulegen.»

Matthias Rapp, Aktuar bei Rheinpromenade Kleinbasel, dürften solche Reiseempfehlungen nicht gefallen. «Die Wohnwagen, die in die blaue Zone gestellt werden, sind nicht sehr beliebt», sagt er. Rapps Augenmerk richtet sich auf den unter Campern immer beliebteren Schaffhauserrheinweg, wo er wohnhaft ist. Währenddem andere Anwohner sich am Gedanken stören, dass die Wildcampierer womöglich bei ihnen in den Garten pinkeln, ärgert sich Rapp darüber, dass die Wohnmobile viel zu gross sind für die Parkfelder und daher den anderen Verkehrsteilnehmern die Sicht nehmen.

Auch André Stohler, Leiter Rheinpromenade Kleinbasel, hat beobachtet, dass sich der Schaffhauserrheinweg zu einem wahren Camping-Hotspot entwickelt hat. «Ganze Reihen an Wohnwagen und Wohnmobilen sind hier zu sehen», sagt er. «Viele übernachten hier – und wenn das WC nicht funktioniert, müssen sie in den Rhein gehen um ihr Geschäft zu verrichten oder die Zähne zu putzen.» Das öffentliche WC am Schaffhauserrheinweg sei seit Jahren kaputt.

Polizei soll im Quartier für Ordnung sorgen

Der Vorstand der Rheinpromenade Kleinbasel ist nun bei der Basler Polizei vorstellig geworden. Diese soll verstärkt dafür sorgen, dass die «geltenden Vorschriften strikte eingehalten werden», wie Rapp schreibt.

Die Lösung läge auf der Hand: Der Kanton stellt offizielle Wohnmobilstellplätze zur Verfügung. Doch der Standort an der Bäumlihofstrasse zwischen Riehen und Basel ist weit weniger idyllisch als das Rheinufer. «Ohne polizeiliche Nachhilfe löst sich das Problem nicht», meint Rapp. Die Polizei führt zwar keine Statistiken über Bussen, die an Wildcamper verteilt wurden. Polizeisprecher Toprak Yerguz sagt aber, dass «generell in den Sommermonaten mehr parkierte Fahrzeuge festgestellt werden, die mutmasslich für Reisen verwendet werden.»

Der Verein Rheinpromenade Kleinbasel ist der Meinung, dass das Übernachtungsverbot in Basel endlich polizeilich durchgesetzt werden sollte. Denn: Es sollte sich keinesfalls rumsprechen, dass man an den Rheinpromenaden campieren darf. «Weil es dort genug andere Nutzungen gibt», wie es im Newsletter heisst.