Baloise Session
Musik im Zeichen der afrikanischen Wurzeln

Sängerinnen und Musiker aus Kuba, Mali und von den Kapverdischen Inseln boten eine Session und verzauberten die Zuschauer.

Ruedi Ankli
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Hier das Konzert von Roberto Fonseca (am Klavier) mit Omara Portuondo (älter Dame mit Stirnband) und Mayra Andrade (junge Dame mit grünblauem Kleid).
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Baloise Session
Hier das Konzert von Roberto Fonseca (am Klavier) und Mayra Andrade (junge Dame mit grünblauem Kleid).
Das Konzert Fatoumata Diawara.

Hier das Konzert von Roberto Fonseca (am Klavier) mit Omara Portuondo (älter Dame mit Stirnband) und Mayra Andrade (junge Dame mit grünblauem Kleid).

Kenneth Nars

Über eineinhalb Stunden dauerte der Hauptact des Abends – und dieser war für einmal eine wirkliche Session. Im Zentrum stand die 84-jährige, legendäre Sängerin Omara Portuondo aus Kuba, die längst Kultstatus erreicht hat – in Basel nicht zuletzt seit ihrem ersten Auftritt am Offbeat Festival 1999.

Damals trat sie mit den unterdessen verstorbenen Musikern Ibrahim Ferrer und Rubén Gonzalez auf. In der Mustermesse hatte sie die Band von Pianist Roberto Fonseca an ihrer Seite, der nach dem Tod von Gonzalez in das Orchester von Buena Vista Social Club integriert wurde. Die beiden kennen sich also, haben aber kein eigentliches Tourneeprogramm vorzuweisen. Diese Voraussetzung verlieh dem Auftritt einen sympathischen Touch von Spontaneität.

Roberto Fonseca hat sich mit den beiden Alben «Zamazu» und «Akokan» einen Namen gemacht, weil er gleichzeitig das grosse Erbe seiner Lehrmeister vertrat und einen eigenen Weg ging. Auf «Yo» entfernte er sich von diesem interessanten Pfad und gab sich immer virtuoser, verlor den Kompass der lyrischen Ruhe, die im Kreis von Buena Vista Social Club ebenso verankert war wie die rhythmische Vielfalt.

Schräg platzierte Beatbox-Einlage

An diesem Abend kehrte er nicht nur dank den Liedern von Omara Portuondo zu seinen Tugenden zurück und bot dem sinnlichen Gesang der grossen alten Dame gekonnt Rückhalt. Auf das kraftvoll interpretierte «Tabu» und «Magia Negra» – nota bene auch der Titel der ersten Solo-LP Portuondos von 1959 – folgte ein erster, unvergesslicher Moment mit «Adios Felicidad». Da war sie plötzlich, die Magie dieser von der kubanischen Regierung über Jahrzehnte an den Rand gedrängten Musik; dieses gewisse Etwas, das nicht einfach nur mitschwingt, sondern die Seele dieser grossen Tradition selbst darstellt. Ein zweiter Moment dieser Gattung entstand bei «20 anos», das im Ausklang dieses ersten Teiles in das weltweit bekannte «Guantanamera» mündete.

Zwischen diesen beiden Höhepunkten kam es zu einer Begegnung von Portuondo mit der um zwei Generationen jüngeren Mayra Andrade, auf Kuba geboren mit kapverdischen Eltern. Die beiden boten eine eindrückliche Version von «Besame mucho», einem der meist interpretierten spanisch gesungenen Standards. Auch die Band von Fonseca kam in diesem Zwischenblock zu Momenten spannungsvoll verdichteter Rhythmik dank den beiden Perkussionisten und einem zurückhaltenden Bandleader, der solistische Qualitäten bewies.

In der Zugabe kam eine dritte Sängerin auf die Bühne, die für ihr Beatboxing bekannte Butterscotch aus den USA. An und für sich ein interessantes Intermezzo, aber etwas schräg platziert im Programmablauf. Andrade und Portuondo sorgten mit Ibrahim Ferrers Lieblingslied «Dos Gardenias» für einen berührenden Ausklang dieses ersten Sets.

Afrikanischer Blues wird zu Rock

Stilvoll war der Auftakt zum zweiten Teil mit Fatoumata Diawara, der an der Elfenbeinküste von malischen Eltern geborenen Sängerin und Gitarristin. Solo begann sie mit «Wilile», in der besten westafrikanischen Blues-Tradition, die dank Ali Farka Touré in Europa populär wurde. Leider verwandelte sich der Blues zusehends in lauten, westlich gefärbten Rock. Der Saal leerte sich zusehends, was angesichts der Originalität und des Engagements der Sängerin für die Sache der Frauen in Afrika zu bedauern war.

Ry Cooder hatte Jahre nach seiner Wiederentdeckung des Buena Vista Social Clubs eine CD produziert, auf welcher die grossen alten Kubaner Musikern aus Mali begegneten. Wäre das nicht ein origineller Ansatz für eine Begegnung von Diawara mit Portuondo gewesen?

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