Wahlen Basel-Stadt
Michael Hermann: «Einzigartig war, wie die Umfrage mobilisiert hat»

Im Interview mit der bz bezeichnet der Politologe die Basler Wahlumfrage, die von Sotomo durchgeführt wurde, als «die mittelmässigste all unserer Umfragen». Er schliesst ausserdem nicht aus, dass die Umfrage sich selbst verfälscht hat.

Samuel Hufschmid
Drucken
Teilen
Politologe, Geograf, Unternehmer: Michael Hermann.

Politologe, Geograf, Unternehmer: Michael Hermann.

KEYSTONE

Herr Hermann, Sie haben für bz und «Tageswoche» Wahlumfragen erstellt und einen politischen Rechtsrutsch vorausgesagt. Nun zeigt sich: Sie lagen falsch. Weshalb?

Michael Hermann: Falsch lagen wir nicht, aber es war definitiv die mittelmässigste all unserer Umfragen bisher. Bei der Regierungswahl lagen wir aber richtig, ebenso bei den Verschiebungen innerhalb des bürgerlichen Lagers. Nicht zugetroffen hat hingegen, dass die Bürgerlichen zulegen. Natürlich analysieren wir die Resultate und passen das Modell an. Es war unsere erste Umfrage in Basel, und Basel tickt anders, das hat sich eindrücklich gezeigt.

Inwiefern unterscheidet sich Basel von anderen Städten und Kantonen?

Einzigartig war, wie die Umfrage zum Stadtgespräch wurde und entsprechend mobilisiert hat. Das haben wir bei unseren bisherigen Umfragen auf kantonaler Ebene so nicht erlebt. Was uns bei einer nächsten Umfrage sicher helfen wird, sind die Teilnehmer, die sich registriert haben, und deren neue Angaben wir in Zukunft mit älteren Angaben abgleichen können. Aber Meinungsumfragen sind kein Zaubermittel, und die Ergebnisse sind immer nur Momentaufnahmen.

Es gibt Politiker, die behaupten, dass diese Umfrage an ihrem schlechten Abschneiden schuld sei.

In der Regel wirken Umfragen vor allem auf Politiker und Kampagnen selber. Diese nehmen die Umfragen sehr genau wahr und werden motiviert oder desillusioniert. In der breiten Öffentlichkeit werfen Umfragen aber selten so grosse Wellen, dass es direkte Effekte gibt. Aber in Basel war das dieses Mal anders. Die Möglichkeit eines Machtwechsels, die plötzlich im Raum stand, führte wohl dazu, dass sich Umfrage und Wahlbeteiligung gegenseitig beeinflusst und hochgeschaukelt haben.

Hat ihre Umfrage sich also quasi selbst verfälscht?

Das ist plausibel. Grundsätzlich hätte die knappe Ausgangslage aber genau so gut die rechte Seite motivieren können, die Wende Realität werden zu lassen.

Aktuelle Nachrichten