Herbstmesse

«Messtosteron» – oder wo die harten Kerle sich beweisen müssen

Hierum bilden die harten Burschen stets Kreise. Die jungen Männer messen und beweisen sich. Der Stärkste ist der Grösste. Die Boxkästen, Fussballkickautomaten oder «Hau den Lukas» dürfen an der Messe nicht fehlen.

Elia Diehl
Drucken
Teilen
Der Stärkste steht im Mittelpunkt: Der 17-jährige Voltan hat im spontanen Dreikampf gegen seine Kumpels am härtesten zugeschlagen.

Der Stärkste steht im Mittelpunkt: Der 17-jährige Voltan hat im spontanen Dreikampf gegen seine Kumpels am härtesten zugeschlagen.

Elia Diehl

Ein Jahrmarkt ohne Bahnen und Karussells – das ginge nicht. Ebenso wenig dürfen die Stände mit Süssigkeiten oder Würsten fehlen. Oder jene, wo es etwas zu gewinnen gibt. Die Basler Herbstmesse ist ein Fest und Spass für Gross und Klein.

Alles nur Kinderkram, sagen sich die «toughen» jungen Männer. Bietet die Herbstmesse also den mit Testosteron geladenen Kerlen nichts? Vielleicht trifft man sie an den gut zwei Dutzend Schiessständen. Schliesslich war der Mann ja zu Urzeiten Jäger.

«Die Frauen sind hier schwer im Kommen, sie schiessen oft und gut», sagt Jacqueline Strupler vom Schiessstand «Pink Pearl» auf dem Messeplatz. Also auch nicht männlich genug. Doch was macht das «starke Geschlecht» an der Messe?

Wutabbau und Wettkampf

Ein Rudel junger Männer bildet vor der Kaserne einen Kreis – und gibt die Antwort. Mitten im Ring steht «The King» – ein Boxautomat. Derjenige, der am härtesten zuschlägt, ist der König und erntet bewundernde Blicke.

Vier solcher Kästen gibt es an der Messe: Je einen vor dem Messeturm und in der Rosentalanlage, zwei Box- und zusätzlich zwei Fussballkick-Automaten stehen bei der Kaserne. Dort kann auch beim «Hau den Lukas» der Hammer geschwungen werden. «Wenn es eindunkelt, kommen die Machos in Scharen», sagt ein Standbesitzer.

«Früher, als ich Kampfsport betrieb, haben wir das auch gemacht», sagt ein Mann, der mit seiner Tochter gerade boxt. Sie hätten Dampf abgelassen und kleine Wettkämpfe organisiert. «Es macht Spass, etwas Wut rauszulassen», sagt der 16-jährige Cagdas, der regelmässig seine Faust fliegen lässt.

Der gleichaltrige Micha stellt am Kickautomaten daneben einen neuen Rekord auf. Mit breiter Brust erntet er den Applaus seiner Kollegen. «You’re the Champion!», «Weltmeister» hallt es aus dem Box-Apparat, als der 17-jährige Voltan zuschlägt. Die kürzlich operierte Hand hält ihn nicht davon ab, zu gerne beweist er seine Durchschlagskraft.

Den Grund für die OP verrät er nicht, doch zwinkert er mit dem Auge. «Diese Runde geht an mich», sagt er seinen Kumpels. Das nächste Duell muss bestimmt nicht lange warten.