Baloise Session
Lisa Stansfield überzeugte die Zuschauer mit ihrer tiefen Soulstimme

Matt Bianco wärmten das Publikum auf und animierten zum Mitklatschen. Der grosse Star des Abends war aber Lisa Stansfield, die mit ihrer tiefen Soulstimme beeindruckte. Einige Sounds von früher wurden geschickt überarbeitet, so manche Sünde entfernt.

Tumasch Clalüna
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Lisa Stansfield in ihrem Element. Das Publikum ist begeistert.

Lisa Stansfield in ihrem Element. Das Publikum ist begeistert.

Georgios Kefalas/Keystone

Viel Zeit liessen Matt Bianco aus England dem Publikum nicht, um sich aufzuwärmen: Mit «Sunshine day» legten sie sogleich einen groovigen Sound vor und animierten das Publikum zum Mitklatschen – herrliche Synthie-Klänge von damals inklusive.

Stellenweise katastrophal

Matt Bianco, die sich nach einem fiktiven Fernsehdetektiv benannt haben, hatten ihre grossen Erfolge vor 30 Jahren mit einer innovativen Mischung von Latino-Grooves und Pop. Seither haben sie eine deutliche Entwicklung durchgemacht, Latino dominiert heute, wo damals wie bei «Half a Million» noch ein typischer Funk-Bass mitgemischt hatte.

Das Publikum freute sich aber genau auf diese alten Nummern, und es wurde nicht enttäuscht. Allerdings stellte sich mit der Zeit der Eindruck ein, man befinde sich an einer Werbeveranstaltung für die verschiedenen Arten von Latino Rhythmen. «Cha Cha Cuba», «HiFi Bossanova» oder «Samba in your casa» wirken heute angesichts der auf- und abschwellenden Latin-Wellen etwas seltsam und altbacken.

Nichtsdestotrotz versprühte insbesondere Leadsänger Mark Reilly eine betörende Energie, die jedoch vor der Bühne fast nicht ankam. Die Abmischung war stellenweise wirklich katastrophal, sodass Vocals verschwanden und die Bläser nicht zur vollen Brillanz fanden. Das ist bei dieser Art von Musik fatal.

Supersatt im Sound

Ganz anders klang es beim grossen Star des Abends Lisa Stansfield. Die Band supersatt im Sound, legte sie sich mit ihrer tiefen Soulstimme drauf, als wäre es das Einfachste der Welt. Dabei bewegte sie sich in einer eigenartigen Steifheit über die Bühne, schäkerte mit dem Publikum, verlor sich bei tiefsinnigen Passagen, räkelte sich vor dem Schlagzeug kurz: Sie war Diva und Entertainerin at her best.

Zwar schien sie Basel irgendwie für eine französischsprachige Stadt zu halten – immer wieder warf sie französische Brocken ins Publikum –, aber ansonsten war diese Künstlerin an der Baloise Session genau am richtigen Platz. Die richtige Bühne, das richtige Publikum und die richtigen Songs. Bei «The real Thing» explodiert die Halle, bei «All around the world» ebenso und dazwischen wurde getanzt und in den alten Gefühlen geschwelgt. Wobei man sagen muss, dass Lisa Stansfield so aktuell klingt wie eh und je. Einige Sounds von früher wurden geschickt überarbeitet, so manche klangliche Sünde entfernt.

Den Grossteil der Faszination machte jedoch ihre Stimme aus. Mal schnurrte sie wie ein Kätzchen, mal fauchte sie wie eine Tigerin – und dies so organisch und unaffektiert, dass man den Eindruck hatte, sie interpretiere ihre Songs in jeder Sekunde neu.

Mehrere Zugaben

«Der nächste Song handelt von einer Frau, die sich Hals über Kopf in einen Bastard verliebt. Also bringt sie ihn um», erklärte sie lapidar und interpretierte den Song danach so, dass man den Schmerz und die Wut nachempfinden konnte. Manche ihrer Texte sind simpel, handeln von Liebe, Sehnsucht. Immer aber steckt ein Bruch darin, eine kleine Frage, ein Zweifel.

Dies überhört man gerne, wenn man sich die energetische Musik von Konserve anhört. Live aber, interpretiert von Stansfield selbst, tun sich all diese Abgründe auf. Entsprechend euphorisch agierte das Basler Publikum und sang am Ende ganze (komplexe) Lieder frenetisch mit. Das freute auch den Star sichtlich und begeistert erschien sie zu mehreren Zugaben.