Sportanlässe
Kunstturnen, Fechten, Velokuriere: Sportanlässe sollen den Namen Basel in die Welt hinaustragen – doch das kostet

Basel hat in den vergangenen Jahren diverse Welt- und Europameisterschaften in die Stadt gelockt. Nun sollen es noch mehr werden: Der Grosse Rat stimmt am Mittwoch über eine Vorlage der Regierung ab, die für vier Jahre ein Budget von total zwei Millionen Franken schaffen will.

Leo Eiholzer
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2016 fand der Europa-League-Final in Basel statt.

2016 fand der Europa-League-Final in Basel statt.

bz

Zuerst kamen die Curler, dann die Hallenradfahrer, die Badminton-Spieler, der Fussball-Europa-League-Final, wieder die Curler und zuletzt diesen Sommer erneut die Badminton-Spieler: Basel hat in den vergangenen Jahren erfolgreich Welt- und Europameisterschaften in die Stadt gelockt. Das soll es noch nicht gewesen sein. Bisher kam das Geld aus dem Sportfonds von Swisslos. Am Mittwoch bestimmt nun der Grosse Rat über eine Vorlage der Regierung, die für vier Jahre ein Budget von total zwei Millionen Franken schaffen will, um alle zwei Jahre einen Grossanlass von zumindest europäischer Bedeutung zu akquirieren. Schon jetzt ist klar, welche Sportarten nach Basel kommen und welche die Stadt anpeilt.

Velokurier-EM 2020:
Die nächste Europameisterschaft in Basel tragen die Velokuriere aus, und zwar bereits dieses Jahr. Die EM ist im Unterschied zu den durchprofessionalisierten Grossanlässen eher ein Exot. Und schlägt auch nur mit rund 25000 Franken zu Buche.

Kunstturn-EM 2021:
Ein Event von internationaler Bedeutung kommt nächstes Jahr vom 21. bis zum 25. April nach Basel. Die 100 besten Turnerinnen und 170 besten Turner aus 40 Nationen messen sich in der St. Jakobshalle. Kostenpunkt: rund 900000 Franken.

Fecht-EM 2023:
Basel rechnet sich grosse Chancen aus für die Fecht-EM in drei Jahren. Ein Zuschlag wurde aber bisher noch nicht verkündet. Nach 2015 in Montreux soll die Fecht-EM endlich in die Fecht-Stadt-Basel kommen.

Frauen-Handball-EM 2024:
Basel ist neben den ungarischen Städten Budapest und Deprecem sowie dem österreichischen Innsbruck eine der Austragungsstätten für die Handball-EM der Frauen in vier Jahren. In der St. Jakobshalle werden Vorrundenspiele stattfinden.

Von Grossanlässen verspricht sich die Regierung neben der sportlich-kulturellen Bereicherung vor allem eines: Geld. Sabine Horvath, Leiterin Standortmarketing, rechnet vor: «Die Badminton-EM sorgte dieses Jahr für 8000 Übernachtungen, das macht bei einem eher tiefen Preis von 200 Franken pro Nacht einen Umsatz von 1,6 Millionen Franken.» Zudem bedeuten die Grossanlässe Imagewerbung. Während der Curling-WM 2016 war laut einer Studie im Auftrag des Regierungsrats die «Marke Basel» während 148 Stunden im Bild zu sehen. Das entspreche einem geschätzten Wert von 1,7 Millionen Euro.

Bei den lokalen Verbänden und im zuständigen Erziehungsdepartement kursieren bereits Ideen für weitere Welt- und Europameisterschaften, sagt Thomas Mächler, Bereichsleiter für Jugend, Familie und Sport: «Es gibt Überlegungen für eine Bewerbung für eine Kurzbahn-Europameisterschaft im Schwimmen». Dafür müsste in der St. Jakobshalle ein temporäres Becken aufgestellt werden. Mächler: «Zudem haben die Curler angeklopft, um nach 2016 erneut eine Weltmeisterschaft durchführen zu können.» Hier liefen allerdings erst Gespräche. Beide Anlässe könnten «irgendwann nach 2023» durchgeführt werden.

Zunächst müsste aber das Parlament der Vorlage zustimmen. Mächler macht keinen Hehl daraus, dass daran die Zukunft der Sport-Grossanlässe in Basel hängt. Er sagt: «Sollte der Grosse Rat die Vorlage ablehnen, müssten wir wohl Bewerbungen wie solche für die Fecht-EM 2023 zurückziehen.» Für Mächler wäre das ein «Gesichtsverlust». Wenn der Grosse Rat mit grosser Mehrheit zustimmt, würde die Regierung wohl eine Ausgabenbewilligung für die darauffolgenden vier Jahre beantragen, sagt Mächler.
Klar ist: Einen Anlass mit der Ausstrahlung des Fussball-Europa-League-Finals wie im Jahr 2016 dürfte es demnächst nicht geben. Die Kunstturn-EM wird zwar für grosses Medieninteresse sorgen, doch Mächler sagt: «Das ‹nächste grosse Ding› ist momentan nicht in der Pipeline, das stimmt.» Anlässe wie die Velokurier-EM sollen laut Standortmarketerin Horvath bei tiefen Kosten das Image von Basel als moderne Stadt mit Raum für Trendsportarten fördern.