Palazzo Colombino

In der glitzernden Variété-Welt gehen Zeit und Kälte vergessen

Das Theater auf der Rosentalanlage bietet ein nostalgisches Show-Spektakel für Winterabende. Im Spiegelpalast sollen sich die Gäste für einen Abend wie Könige fühlen.

Jasmin Schraner
Drucken
Teilen
Die Tänzer und Tänzerinnen beeindruckten die Zuschauer.
4 Bilder
Ein grosses Spektakel.
Ein Abend im Palazzo Colombino
Ein grosses Spektakel.

Die Tänzer und Tänzerinnen beeindruckten die Zuschauer.

zvg

Kalt zieht der Wind über den Messeplatz. Das goldene Zirkuszelt mit der romantischen Fassade wirkt umso einladender an diesem Novemberabend. Der rote Teppich ist ausgerollt, einige Raucher trotzen der Kälte. Mit dem Schritt in das «Théâtre du Paradis» betritt man eine Zeitmaschine. Diese bugsiert die Gäste zurück in ein edles Varieté-Theater im Paris der 1920er-Jahre. Extravaganz ist im Palazzo Colombino zum 14. Mal Programm.

In diesem Spiegelpalast sollen sich die Gäste für einen Abend wie Könige fühlen. Im Entrée wird Champagner gereicht. Unter einigen Mänteln glitzern die Abendkleider. Eine Schar von Kellnern und Kellnerinnen stehen Spalier, um die Gäste an ihren Platz zu begleiten. Je mehr Trara, desto weiter entfernen sich die Stadt und das Leben da draussen. Es bleibt ein Gemurmel, leichtes Klaviergeklimper und der Schein der Kerzen. Die Show kann beginnen.

Gastgeber Tim Tyler führt durch den Abend. Der drahtige Engländer mit den weissen Kniestrümpfen moderiert nicht nur. Er ist ein richtiges Multitalent. Die komischsten Grimassen reisst er, zeigt den Spagat und singt im richtigen Ton. Während seiner Nummer, in der er Tischtennisbälle hustet, schlagen einige Damen schockiert die Hand vor den Mund.

Die Kulinarik ist Teil der Show

Unterstützung erhält Tyler von den Comedy-Kellnern aus Paris. Dank ihnen findet die Show nicht nur auf der runden Bühne in der Mitte statt, sondern auch direkt an den Tischen. Mal wird zum Gabelwerfen ermuntert, mal verschwindet jemand unter einem Tischtuch. Die Gäste sitzen mitten im Showspektakel.

Sinnlich geht es in der Luft zu und her, als das junge Duo Olga Karabanova und Roman Novitsky an zwei vertikalen Seilen körperliche Meisterleistungen vollbringt. Es inszeniert eine Liebesgeschichte mit einer Mischung aus Tanz und Akrobatik. Das Programm ist vielfältig: Artistik, Tanz, Gesang und Komik. Die Künstler sind aus ganz Europa und den USA nach Basel gereist. Aus der Ukraine stammt die Showdiva Anna Luchikhina. Betritt sie die Bühne, heisst das meistens, der nächste Gang steht an. Gemeinsam mit dem Palazzo Show Ballett rundet sie die Showeinlagen ab und leitet zum Essen über. So tänzeln als Fische verkleidete Showgirls durch den Raum, bevor die Kellner die Vorspeise reichen: Rauchfisch-Mousse mit Apfel und Meerrettich sowie ein kleiner Krevettensalat auf Gurkengelee.

«Gault Millau»-Koch Peter Moser sorgt für kulinarische Extravaganz. Der Küchenchef des Restaurants «Les quatres saisons» kreierte schon mehrmals die Menüs des Palazzo Colombino. Die Hauptspeise des Viergang-Menüs wird von den Showgirls mit einem Hühnertanz eingeleitet. Erst wenn alle gemeinsam die Tellerglocken lüften und «Palazzo» rufen, zeigt sich das, was darunter angerichtet ist: Maispouletbrust auf Garam-Masala-Gemüse, Hochland-Basmatireis und Aprikosenbrot-Chips.

Auf Rollschuhen durch die Luft

Ein Höhepunkt der Showeinlagen ist das italienische Duo Guirintano auf Rollschuhen. Waghalsig wirbelt das Geschwisterpaar auf der kleinen Bühne umher. Den Gästen an den Tischen stockt die Luft. Am Schluss ist sie nur noch am Hals ihres Partners festgebunden und dieser dreht sich schier unendlich im Kreis, während sie sich selbst nochmals um ihre eigene Achse dreht. So mancher im Publikum dürfte sich fragen: Was, wenn er sie jetzt loslässt? Doch nichts läuft schief.

Die dreieinhalbstündige Show ist im Nu vorbei. Die Kerzen auf den Tischen runtergebrannt. Beim grossen Abschlussbouquet wird nochmals Stimmung gemacht: Alle Artisten kommen auf die Bühne und wippen zu einem Lied aus dem Film «Grease». Rote Rosen werden verteilt. Es ist Zeit, diese Welt des Luxus zu verlassen, in der man sich einfach zurücklehnen kann. Wenn einem draussen die Eiseskälte entgegenschlägt, sehnt man sich ein bisschen zurück in die Wärme und Nostalgie des «Théâtre du Paradis».

Bis 12. Januar 2015

Rosentalanlage

www.palazzocolombino.ch