Riehen

In der Fondation Beyeler trifft die Welt auf ein Dorf

Millionen Kunstinteressierte besuchen Riehen – doch die Gemeinde profitiert wenig davon. Das will der Gemeinderat nun ändern.

Tobias Gfeller
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Mitten im Grünen: Die Fondation Beyeler in Riehen.

Mitten im Grünen: Die Fondation Beyeler in Riehen.

Kenneth Nars

Innert kürzester Zeit wurde das Museum zum publikumsstärksten Kunsthaus der Schweiz: Vor 20 Jahren öffnete die Fondation Beyeler. Über 6,4 Millionen Menschen besuchten seit der Eröffnung 1997 die Fondation. Doch Riehen profitiert nur begrenzt davon.

Das Museum schrieb mit Ausstellungen wie jene zu Paul Gauguin, Gerhard Richter oder zum Blauen Reiter internationale Kunstgeschichte. Die Fondation Beyeler mauserte sich zu einem der renommiertesten Kunsthäuser der Welt. Die Ausstellungen orientieren sich an der Kunstsammlung von Museumsgründer Ernst Beyeler, der sich im Bereich der klassischen Moderne über ein umfassendes Werk verfügte.

Gemachter Boden für Fondation

Der Standort Riehen war natürlich kein Zufall. Ernst Beyeler lebte während vielen Jahren in der Basler Landgemeinde und verband mit ihr eine innige Beziehung. Zudem traf die Fondation in Riehen auf einen künstlerischen Nährboden. Bereits anfangs des
20. Jahrhunderts arbeiteten noch heute bekannte Künstler in Riehener Ateliers. Das Faible für Kunst war in Riehen schon vor der Fondation Beyeler vorhanden.

Die Fondation Beyeler wuchs und wuchs und wurde schon bald grösser als die Gemeinde Riehen selber. Das Museum überstrahlt die dörfliche Landgemeinde längst. Das weiss auch Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos). «Die Fondation Beyeler könnte von ihrem Renommee her überall auf der Welt stehen und würde funktionieren.» Als Gemeindepräsident entwickelte er eine enge Beziehung zum Museum. Das gehe aber bei weitem nicht allen in Riehen so. «Ich kenne viele Riehenerinnen und Riehener, die noch nie in der Fondation Beyeler waren.»

Zweckehe statt wahrer Liebe

Die Fondation Beyeler und Riehen ist eine historisch gewachsene Verbindung, die aber mehr einer Zweckehe als wirklicher Liebe entspricht. Gerade die Detaillisten im Dorf wünschten, sie könnten von den Besucherströmen stärker profitieren. Doch gerade mit der Eröffnung der Tramhaltestelle «Fondation Beyeler», die verhindert, dass die Besucher mit dem Tram schon bei der Haltestelle «Riehen Dorf» aussteigen müssen, sackten die Besucherströme ins Dorf weiter ab. Deshalb fordern die Detaillisten um Jürg Blattner, Präsident der Vereinigung Riehener Dorfgeschäfte (VRD), seit Jahren, dass die Museumsbesucher auf verschiedene Art und Weise ins Dorf gelockt werden sollen. «Man müsste die Signalisation verbessern und so noch deutlicher auf die Schönheit des Dorfes aufmerksam machen.» Der Forderung kommt der Gemeinderat jetzt auch nach. Er hat erst vergangene Woche bekannt gegeben, dass er die Signalisation zwischen Museum und Bahnhof verbessern und so die Verbindung attraktiver zu gestalten gedenke.

Eine einseitige Abhängigkeit

Jürg Blattner stellt klar, dass die Geschäfte durchaus von der Fondation Beyeler profitieren. «Aber längst nicht so, wie es möglich wäre.» Er selber verteilte schon mehrfach Bons für seine Papeterie Wetzel vor dem Museum und passt sein Sortiment der jeweiligen Ausstellung an. «Die Fondation Beyeler ist halt nicht auf uns angewiesen, wir aber auf sie.» Gemäss Ulrike Erbslöh, kaufmännische Direktorin der Fondation Beyeler, hat Riehen für das Museum hingegen eine grosse Bedeutung. Das Weltmuseum im Dorf, das passe. «Internationale Ausstrahlung und lokale Attraktivität bei den Aktivitäten des Museums passen gut zusammen. Die Gemeinde Riehen ist für die Museumsgänger auch ein Teil des Erlebnisses ihres Besuchs der Fondation Beyeler. Begleitend zum hochkarätigen Ausstellungsprogramm richtet sich das breit gefächerte Vermittlungsangebot des Museums auch an die Bevölkerung von Basel-Stadt und Baselland, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft.» Rund die Hälfte der Besucher komme aus der Schweiz.

Die stärksten Länder in der Folge sind Deutschland und Frankreich. Dafür sei die Lage im Dreiländereck ideal. Danach folge gemäss Erbslöh Italien, das restliche Europa und Übersee. «Dieses Verhältnis kann aber auch durch das Programmangebot verändert werden. Im Falle von Ausstellungen französischer Künstlern wie Edgar Degas oder Paul Gauguin ist der Anteil der Besucher aus Frankreich stärker.»