10-er Tram

Im Tram aus der Schweiz nach Frankreich und wieder zurück – trotz Coronavirus

Den Fahrgästen im 10er-Tram bietet sich an der französischen Grenze ein merkwürdiges Bild: Sie können mit dem Tram von Flüh durch das französische Leymen und danach zur Endstation Rodersdorf fahren – und werden nicht kontrolliert. Die Grenze zu Frankreich für Autofahrer gleich nebenan ist jedoch wegen der Coronakrise geschlossen.

Dimitri Hofer
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Autos fahren keine, aber das Tram.

Autos fahren keine, aber das Tram.

Kenneth Nars

Während in den Trams zwischen der Schweiz und Deutschland die Einreisenden kontrolliert werden, gestaltet sich die Situation im Solothurnischen Leimental anders. Kontrollen, wer hier von Frankreich in die Schweiz reist, gibt es anscheinend keine. Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass es problemlos möglich ist, in Leymen auszusteigen und sich im kleinen Dorf umzuschauen.

Vorbei an zwei jungen Elsässern, die an der Tramstation in Leymen mit in der Schweiz gefüllten Einkaufstaschen sitzen, geht es in den Ortskern des sundgauischen Dorfes. Zollwärter sind weit und breit keine zu sehen. Auf einem Schild nahe der Station heisst es, dass sich die nächste besetzte Grenzübergangsstelle in Basel Saint-Louis Autobahn befinde.

Beizen sind geschlossen, der Laden ist aber offen

Das Coronavirus hat auch in der 1200-Einwohner-Gemeinde im Elsass seine Spuren hinterlassen. Auf den Strassen befinden sich aufgrund der in Frankreich seit bald zwei Wochen geltenden Ausgangssperre kaum Menschen. Neben den Einfamilienhäusern sieht man da und dort Autos mit Basler und Baselbieter Kennzeichen.

Wie in der Schweiz sind auch die Beizen in Frankreich geschlossen: An der Türe des
Restaurants à l’Ange hängt eine Notiz, in der auf Deutsch und Französisch informiert wird, dass man aufgrund des Entscheids der Regierung dichtmachen musste. Auch der Bücherschrank entlang der Hauptstrasse ist zweisprachig. Klassiker der deutschen Literatur sind genauso zu finden wie die grossen französischen Autoren.

Der Lebensmittelladen auf der anderen Strassenseite hat jedoch geöffnet. Der Verkäufer trägt eine Schutzmaske, wenn er die Kundinnen und Kunden
bedient. Die im Geschäft gekaufte Dose Perrier und die französischen Zitronenbiscuits wandern in den Rucksack. Zurück an der Station Leymen fährt das Tram nach wenigen Minuten ein. Ohne Kontrolle der Einsteigenden tuckert das Tram zurück in Richtung Basel.

200 Personen steigen pro Tag in Leymen ein und aus

In Leymen ist es jedermann möglich, bequem mit dem Tram von Frankreich in die Schweiz
zu gelangen. Eigentlich sollte dies gemäss Bestimmungen des Bundes nicht gehen. Auf Anfrage schreibt Jasmine Blum, Mediensprecherin der Eidgenössischen Zollverwaltung: «Die Einreise in die Schweiz ist nur noch Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, Personen mit einem Aufenthaltstitel in der Schweiz sowie Personen, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz reisen müssen, erlaubt.» Die Eidgenössische Zollverwaltung sei im Rahmen ihres Auftrags an den Landesgrenzen in allen Verkehrsarten präsent und setze die Einreisebeschränkungen gemäss dem Entscheid des Bundesrates um. Über die Details der Kontrolltätigkeit mache man aber aus einsatztaktischen Gründen keine Angaben.

An einem normalen Tag steigen in Leymen rund 200 Personen ein und aus. Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG (BLT), welche die Linie 10 betreibt, sagt: «Die Schweizer Grenzwache hat die Möglichkeit, im Tram zu kontrollieren.» Es scheint, dass die Beamten dies in diesen turbulenten Tagen nicht tun.