Pop-up-Restaurant
Im Rausch der Art Basel: Beizenszene übertrumpft sich mit kreativen Ideen

Diese Woche ist Basel die Welthauptstadt der Kunst. Das bringt der Beizenszene in Schwung. Sicher ein Dutzend ad-Hoc-Restaurants sind während der Art in Betrieb. Die bz hat sich umgesehen und berichtet über die spannenden Gasto-Neulinge.

Stefan Schuppli und Dominique Waldmann
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Das «Terrasamba»-Team: Benni Kunz, Thomas «Obi» Mohler, Louise Zitzer. Sie wagen einen Neubeginn.

Das «Terrasamba»-Team: Benni Kunz, Thomas «Obi» Mohler, Louise Zitzer. Sie wagen einen Neubeginn.

Kenneth Nars

Kunst macht durstig. Und hungrig. Das wissen auch die Beizer. Findige Köpfe haben ein neues Format entdeckt: das Pop-up-Restaurant. Das sind temporäre Gastro-Betriebe, die ein spezielles Angebot oder Programm liefern. Kurzzeitrestaurants bleiben nur für eine bestimmte Dauer, wie diese Woche beispielsweise während der Art Basel. Auch die Restaurateure sind meist nur Beizer auf Zeit. Viele arbeiten mit Galerien und den Künstlern zusammen. So werden etwa Bilder ausgestellt, oder die Künstler sind selbst anwesend. In einem Fall wird der Besucher sogar vom Künstler bekocht.

Impulsgeber für die Branche

Ob die «traditionellen» Wirte in der Stadt diese Pop-ups nicht als Konkurrenz betrachten? Ganz im Gegenteil, findet Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. «Das sind Impulsgeber für die Gastronomie und das städtische Leben. Hier kann Neues ausprobiert werden. Das tut der Branche gut.» Man müsse auch sehen, dass hier grosse finanzielle Risiken eingegangen würden. «Ich finde das bewundernswert. Da steckt viel Leidenschaft drin.»

Es brauche beides, die Tradition und das Innovative – und das zeichne bekanntlich die ganze Region aus. Die Reputation Basels würde dadurch gestärkt. Gerade während der Art würden solche Experimente dankend angenommen. Der Claim von Basel heisse ja auch: «Culture unlimited».

Die bz stellt nachfolgend einige der spannendsten «Pop-ups» vor.

Boxclub Restaurant:

Seit letzter Woche hat dieses fahrende Restaurant schon offen. Das Prinzip erinnert an einen Zirkus: Mit LKW wird der Gastro-Betrieb transportiert; das Restaurant reist verpackt in Kisten von Ort zu Ort, stellt das Lokal auf und serviert das Essen. Geheimnistuerisch läuft die Reservation ab: Eine SMS mit dem Reservationswunsch an eine Nummer senden, dann erhält der Gast die nötigen Informationen zu Ort und Zeit. Der Boxclub bietet ein Fünf-Gang-Menü an, ebenfalls vegetarisch und vegan erhältlich, Kostenpunkt 110 Franken. Essen gibts ab 18 Uhr, nur auf Anmeldung. Wer Lust hat, sich das Nomadenrestaurant anzuschauen, kann auf einen Drink auch ohne Reservation vorbeischauen. Der Boxclub bleibt bis 19. Juni am Marktplatz in Basel. In dem Lokal kann auch getanzt werden, und sonntags finden live Boxkämpfe statt. Koch ist Pascal Schmutz.

Kontaktnummer: 076 596 82 62

Idea Fixa mit Sandra Knecht:

Heute Dienstag von 16 bis 22 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 22 Uhr findet ein BBQ im Garten der Idea Fixa Galerie an der Feldbergstrasse statt. Angst vor Regen muss kein Besucher haben, da der Innenhof überdacht ist. Anmelden kann man sich, muss man aber nicht. Die Künstlerin Sandra Knecht verarbeitet für die Gäste Tiere und Pflanzen aus ihrer Lebensumwelt. Bilder sind dazu noch zu betrachten. Das Nachtessen kostet den Besucher nichts.

Feldbergstrasse 38. Auskunft: 078 635 98 55

Rhyschänzli @ von Bartha:

In der Galerie von Bartha, die in einer ehemaligen Tankstelle logiert, serviert das Küchenteam des Restaurants «Rhyschänzli» das Essen. Beim täglich wechselnden Menü handelt es sich um typische Schweizer Speisen. Während des Essens sind Arbeiten des schwedischen Künstlers Christian Andersson zu sehen. Andere Künstler sind auch anwesend. Das Pop-up-Restaurant hat 70 bis 80 Plätze zu vergeben, lebt von heute bis zum 18. Juni und ist ab 19 Uhr offen. Auf Anfrage der bz heisst es, dass die meisten Plätze schon vergeben seien. Bei den Gästen handelt es sich um grössere Gruppen, etwa eine Privatbank oder Leute der Galerie von Bartha. Die Galerie findet sich am Kannenfeldplatz 6.

Weitere Auskünfte: 076 389 68 18

Artstübli an der Voltashow:

Die Markthalle ist diese Tage geschlossen. (bz berichtete) Dennoch wird in ihr gegessen. Das «Pop-up» darin nennt sich «Artstübli». Das Restaurant gehört zur Voltashow und kann somit nur mit einem Ticket besucht werden. Reservierungen werden empfohlen. Das Restaurant wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstlerduo Cicolupo von Basel designt. Das Team um Chef Marcus Meyer kehrt zum dritten Mal zur Voltashow zurück. Bis 18. Juni hat das Restaurant von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Das «Special Dinner» findet jeweils um sieben Uhr statt. Markthalle.

Auskunft und Reservationen: 075 424 08 37

Die Beiz «Kornhaus» – mit traditionellen Basler Gerichten, zwei ausgestellten Bildern und öffentlichen Apéros –, das Esszimmer, die Parcours Bar und der «Creeper» im Café Hammer gehören auch zu den Lokalen, die ihr spezielles und temporäres Programm der Art Basel widmen.

Bei so vielen kreativen und kurzfristigen Projekten wird klar: Basel fiebert für Kunst und Essen.

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