Privatsender
Hält sich das Basler «Radio Energy» an die Spielregeln?

«Radio Energy Basel» nützt den Graubereich der Regeln, denen es für den Erhalt seiner Konzession als Privatsender unterliegt, offenbar gehörig aus. Laut Bundesamt für Kommunikation (Bakom) erfüllt Energy seinen Leistungsauftrag weiterhin.

Benjamin Rosch
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Die Nachrichten aus der Region auf Radio Energy sind kürzer geworden.

Die Nachrichten aus der Region auf Radio Energy sind kürzer geworden.

Keystone

Aus den Boxen schallt das Stimme gewordene Grinsen. «Energy Basel», hier surft die gute Laune auf der Ultrakurzwelle. Zwischen Adele und Miley Cyrus wird zur vollen Stunde eine ernste Minute eingeschoben: Es sind die Nachrichten, die Bedingung für den Erhalt der Konzession.

Damit diese vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) an die Privatsender erteilt wird, müssen sie verschiedene Regeln einhalten. Diese betreffen auf der einen Seite den Inhalt, auf der anderen Seite aber auch die Personalsituation.

So ist beispielsweise in den Bestimmungen vorgeschrieben, dass die Nachrichtenformate «in erster Linie relevante Informationen des lokal-regionalen Raums aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport» umfassen müssen, dies hauptsächlich zu den Hauptsendezeiten am frühen Morgen, mittags und abends.

Ehemalige Mitarbeiter des Senders liefern eine andere Wahrnehmung. So sei nicht vorgeschrieben, jeden Tag einen Beitrag, der den Raum Basel betreffe, zu produzieren. Energy-Programmleiter Nik Eugster widerspricht: «Es besteht eine klare Weisung, dass täglich über das Geschehen in der Region berichtet wird.»

Ressourcen nur knapp genügend

Generell gelte für Radios eine andere Handhabe als beispielsweise bei Zeitungen: «Es existieren keine Ressort-Grenzen und auch keine zwischen Moderation und Redaktion.» So kommt es, dass beim Bakom 13 Mitarbeiter für das Redaktionsteam in Basel gemeldet sind. Gemäss Quellen der bz arbeitet zeitweise jedoch nur ein einziger ausgebildeter Redaktor im Studio an der Münchensteinerstrasse.

Auf der Website des Radiosenders findet man im Team Basel viel mehr Angestellte, allerdings befinden sich darunter auch solche, die nie in Basel arbeiten. Eine genaue Liste mit deren Zuständigkeiten will Eugster nicht offenlegen. Muss er auch nicht. Das Bakom verlangt dies nicht, auch wenn es 2012 in einem Aufsichtsverfahren Energy nur «knapp ausreichende Ressourcen» attestierte. Seither habe zwar die Länge der Nachrichteninhalte «leicht abgenommen», der Leistungsauftrag werde aber weiterhin erfüllt, sagt Eugster.

Am Montag dieser Woche hörte sich das beispielsweise in den – für die Konzessionierung nicht relevanten – 15-Uhr-Nachrichten so an: kurze Meldungen zu Sepp Blatter, Terror in Brüssel, Unfall am Gotthard, aber keine aus der Region. Energy nütze Synergien zwischen den Redaktionen, sodass es «programmliche Überschneidungen» mit den Ablegern in Zürich und Bern gebe.

Darum laufen auf der Frequenz des ehemaligen Radio Basel 1 Ansagen auf Züri- und Berndeutsch über den Äther. Eine Stelle als Redaktor in Basel ist seit Monaten ausgeschrieben, «dauerhaft», wie bei der Personalabteilung zu erfahren war. Immer wieder in den vergangenen Monaten haben Mitarbeiter der Redaktion Energy verlassen, der Arbeitsmarkt sei gemäss Eugster in Basel aktuell sehr trocken.

Bakom gibt sich zufrieden

Eugster sagt auch: «Den Leistungsauftrag kann man auf unterschiedliche Weise erfüllen. Wir müssen dafür sorgen, dass unser Programm auch wirtschaftlich rentiert.» Das Bakom habe kein Interesse an Forderungen, die von den Sendern nicht erfüllt werden könnten. Ins gleiche Horn stösst auch Alfred Hostettler vom Bakom: Die Funktionen der Angestellten zwischen Redaktion und Moderation können bei einem Radio fliessend sein.

In einer Stellungnahme schreibt das Bakom zudem: «Wir gehen davon aus, dass Radio Energy Basel gravierende Veränderungen nicht ohne Information des Bakom vornehmen würde. Deshalb besteht aus unserer Sicht auch kein Grund zur Annahme, dass die Konzessionsvoraussetzungen nicht mehr erfüllt wären.»

Zur Abklärung dieser Stellungnahme hat das Bakom die Vorwürfe der bz an Energy weitergeleitet. Es sei jedoch möglich, dass weitere Untersuchungen vorgenommen werden, kündigt ein Bakom-Sprecher an.

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