Provenienzforschung
Gibt es in Basel Raubkunst? Den Museen fehlt das Geld zur Klärung – Jetzt soll der Bund helfen

2 Millionen Franken hat der Bund für die Jahre 2016 bis 2020 zur Unterstützung der Provenienzforschung gesprochen. Davon profitiert auch das Kunstmuseum Basel. Doch das Geld reicht nicht.

Daniel Ballmer
Drucken
Teilen
Das Kunstmuseum Basel untersucht sämtliche Werke, die von 1933 bis 1945 ins Haus kamen – das sind Hunderte.

Das Kunstmuseum Basel untersucht sämtliche Werke, die von 1933 bis 1945 ins Haus kamen – das sind Hunderte.

Juri Junkov

«Die Schweiz ist im Rückstand. Und der Bund würde sich wünschen, dass die Museen ihre Bemühungen bei der Provenienzforschung intensivieren», betont SP-Bundesrat Alain Berset. Noch immer befinden sich in zahlreichen Museen und Kunstsammlungen Werke, die den jüdischen Eigentümern einst von den Nazis geraubt, enteignet oder erpresst worden sind. Auch hierzulande wird Raubkunst vermutet. Doch bis heute sind erst verhältnismässig wenige Werke ausfindig gemacht worden.

Nur ein Bruchteil abgedeckt

Auch Susanne Leutenegger Oberholzer unterstützt die Bemühungen. Die Baselbieter SP-Nationalrätin ist aber davon überzeugt, dass es dabei mehr Unterstützung des Bundes braucht: «Die bisher eingesetzten Mittel reichen nicht aus», sagt sie. Bestätigt wird das vom Kunstmuseum Basel: «Die knappen Mittel sind die grösste Herausforderung», sagt Sprecherin Karen Gerig. Noch immer habe das Museum keine feste Stelle für die Provenienzforschung. Die Recherchen aber seien sehr zeitintensiv. Das Gleiche gelte für die Dokumentation der Ergebnisse. Hinzu komme die Dokumentation von Lücken, «die sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht schliessen lassen».

Mit dem Schwabinger Kunstfund im Jahr 2012 ist wieder Bewegung in die Diskussion um Raubkunst gekommen. Der 2014 verstorbene Cornelius Gurlitt, Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, hatte in seiner Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing einen wahren Kunstschatz gehortet. Bei einer Hausdurchsuchung hatten Steuerfahnder dort 1280 Kunstwerke entdeckt. Wegen des Verdachts auf Raubkunst wurden die Bilder durch eine eigens eingesetzte Task-Force auf ihre Herkunft überprüft. Das Interesse daran ist auch in der Schweiz gross, denn als Alleinerben hatte Gurlitt das Kunstmuseum Bern eingesetzt. Deshalb versuchte das Bundesamt für Kultur (BAK) ein Zeichen zu setzen. Im Rahmen der Kulturbotschaft 2016 bis 2020 stellte es zwei Millionen Franken als Anschubfinanzierung zur Verfügung.

Davon profitiert mit 100'000 Franken auch das Kunstmuseum Basel. Nochmals gleichviel Geld muss das Museum selber einbringen. Untersucht werden soll damit die Herkunft sämtlicher Werke, die in den Jahren 1933 bis 1945 durch Ankauf, Schenkung oder als Dauerleihgabe ins Museum gelangt sind. Das sind mehrere Hundert Werke. Das Projekt ist auf anderthalb Jahre angelegt, wobei das Kunstmuseum gerade daran ist, eine Verlängerung zu beantragen. Denn: «Das Projekt deckt nur einen Teil der Arbeit ab, die im Kunstmuseum Basel sehr viel umfangreicher geschehen müsste», betont Sprecherin Gerig. Gleichzeitig habe das Museum im Herbst 2016 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die Herkunft sämtlicher Neuerwerbungen prüft.

Rufschädigend für die Schweiz

Und wenn in der Sammlung tatsächlich Raubkunst auftauchen sollte? Dann würden sich die Museumsverantwortlichen nach den Richtlinien der «Washington Principles» vorgehen, versichert Gerig. «Wir würden nach einer gerechten und fairen Lösung suchen.» Sie verweist dabei auf den Leitfaden des BAK: So sei bei Hinweisen auf NS-Raubkunst die Kontaktaufnahme mit Erben oder Erbenvertretern Kontakt anzustreben, um einerseits weitere Informationen zu erlangen und andererseits über eine «gerechte und faire Lösung zu diskutieren beziehungsweise zu verhandeln».

Dieser hohe Aufwand dürfte ein Grund sein, warum viele Schweizer Museen lange Zeit keine gross angelegten Projekte zur Klärung der Herkunft fraglicher Werke angestrengt haben. Zum Vergleich: Bei den Recherchen im Fall Gurlitt waren zwischen 2013 und 2015 etwa 45 Mitarbeiter eingesetzt. Von zusätzlichen Bundesgeldern aber wollte Berset diese Woche nichts wissen: «Es ist eine ureigene Aufgabe der Museen und Sammlungen, die Provenienzforschung zu betreiben. Sie stehen in der Verantwortung», hielt der Innenminister fest.

Erst auf Intervention von Parteikollegin Leutenegger räumte er ein, dass es auch für die Schweiz rufschädigend sein könne, würden die Abklärungen nicht einwandfrei getätigt, «insofern kann es als nationale Aufgabe betrachtet werden». Hier will die Baselbieter Nationalrätin einhaken: «Es geht um den internationalen Ruf der Schweiz», sagt sie. Es fehle aber Geld, weshalb die Provenienzforschung dem Fahrplan hinterherhinke. «Spätestens auf die nächste Kulturbotschaft hin ist also eine Aufstockung anzustreben», findet Leutenegger. «Es besteht dringender Handlungsbedarf.»

Aktuelle Nachrichten