Gesundheitswesen

Gesundheitssystem der trinationalen Region Basel wird aufgemischt

Das in Lörrach geplante grosse neue Spital will südbadische Patienten aus Basel zurückholen. Vier Kliniken aus dem Landkreis Lörrach werden in dem neuen Bau mit 652 Betten zusammengefasst. Ziel ist es, für die Patienten, aber auch für die Mitarbeiter attraktiver zu werden.

Peter Schenk
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In Lörrach werden das Kreiskrankenhaus Lörrach (im Bild), das Elisabethenkrankenhaus und Spitäler in Schopfheim und Rheinfelden zu einem fusioniert.

In Lörrach werden das Kreiskrankenhaus Lörrach (im Bild), das Elisabethenkrankenhaus und Spitäler in Schopfheim und Rheinfelden zu einem fusioniert.

Archivbild Juri Junkov

Mit dem in Lörrach geplanten Zentralklinikum dürfte Bewegung in das Gesundheitssystem der trinationalen Region Basel kommen. Der Bau des 239-Millionen-Euro-Projektes soll 2020 beginnen – die Fertigstellung ist ab 2025 vorgesehen.

Vier Kliniken aus dem Landkreis Lörrach werden in dem neuen Bau mit 652 Betten zusammengefasst. Ziel ist es, für die Patienten, aber auch für die Mitarbeiter attraktiver zu werden. Armin Müller, Leiter der Kliniken im Kreis Lörrach, verhehlt nicht, dass er sich mit den Spitälern der beiden Basel in Konkurrenz sieht. «Der Wettbewerb um die Mitarbeiter macht die Zusammenarbeit schwierig. Wir bilden gute Leute aus und die sind begehrt», sagte er bei der Plenarversammlung des trinationalen Parlaments Districtsrat, die Freitag letzter Woche im Claraspital stattfand und sich schwerpunktmässig mit den grenzübergreifenden Spitalstrukturen auseinandersetzte.

Abgeworben werden die Mitarbeiter von der nahen Schweiz. Zwischen 40 und 50 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitssystem in den beiden Basel kämen aus Deutschland. Das habe auch mit der grösseren Wertschätzung für ihre Arbeit zu tun.

2000 Patienten aus Südbaden

Zurückholen wolle man auch Patienten, räumte Müller ein. Aus Südbaden waren es 2016 gut 1400, die sich in den öffentlichen Basler Spitälern behandeln liessen, sagte der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Den Löwenanteil hiervon holte sich das Universitätsspital Basel (USB) mit knapp 1200. Ins private Claraspital kamen laut Direktor Peter Eichenberger 600.

Wesentlich weniger stammen aus dem nahen Elsass. So zählte das USB rund 400 Patienten aus Frankreich, beim Claraspital waren es gerade mal 70. «Die Mehrheit von ihnen sind Grenzgänger, die in der Schweiz versichert sind», erläuterte Eichenberger. Die restlichen 20 Prozent würden selber bezahlen. «Das jemand über die französische Krankenkasse abgerechnet hat, habe ich schon lange nicht mehr erlebt», sagte er.

Grund dafür sind unterschiedliche Kostenstrukturen. Weil in Frankreich das Gesundheitssystem in Bewegung ist, war von dort kein Referent an die Versammlung gekommen. Zudem ist derzeit ein Abkommen für das Gesundheitswesen zwischen der Schweiz und Frankreich in der Vernehmlassung.

Rahmenvertrag

Kooperation Schweiz–Frankreich

Frühestens Anfang 2019 soll ein Abkommen zwischen der Schweiz und Frankreich in Kraft treten, das den rechtlichen Rahmen für eine Kooperation im Gesundheitswesen darstellt. Der «accord cadre» wurde im September bereits vom Ständerat befürwortet und kommt in der bevorstehenden Wintersession in den Nationalrat. Gleichzeitig ist auch die Behandlung in Frankreich geplant.

Unabhängig davon sind derzeit Umstrukturierungen bei der clinique des Trois Frontières, dem Spital von Saint-Louis, in Gange. Aufgrund eines Defizits gibt es Zusammenlegungen mit dem Spital von Mulhouse. Ausserdem wird die Geburtsabteilung geschlossen. Das Universitätsspital Basel (USB) erwartet aber keinen Ansturm. Grund: Die französischen Grenzgängerinnen müssen sich neuerdings bei einer französischen Krankenkasse versichern, die reguläre Behandlungen in der Schweiz normalerweise nicht übernehmen.

Dies könne sich mit dem accord cadre aber ändern, sagt USB-Mediensprecher Martin Jordan. Thomas Rudin, Direktor des Bethesda Spitals, begrüsst die mit dem Abkommen erwartete Vereinfachung, Patienten
aus Frankreich aufnehmen zu können – 2016 seien es 57 gewesen, die stationär behandelt wurden. (psc)

Zwischen der Schweiz und Deutschland läuft seit 2007 das Pilotprojekt «Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen» (Grüz), das 2019 in den Regelbetrieb übergehen soll. Aus den beiden Basel nützen Patienten das Angebot fast ausschliesslich im Reha-Bereich. Allerdings gehen die Fallzahlen seit 2012 beständig zurück und lagen 2016 nur noch bei 117.

Basler Onkologie in Lörrach

Besser funktioniert ein Gesundheitszentrum, welches das USB seit Juli 2014 im Kreiskrankenhaus Lörrach in Bezug auf die Onkologie anbietet. «Bei der Strahlentherapie hat das geklappt, weil es keinen Geldtransfer gibt», begründet Armin Müller den Erfolg. Das bedeutet, dass direkt mit dem Unispital abgerechnet wird.

Als Problem sahen Lukas Engelberger wie Armin Müller, dass ihre jeweilige Gesundheitsregion aufgrund der Grenzen nicht 360 Grad, sondern nur 120 Grad umfasse.