Gerichtsurteil
Nach zwei provozierten Autounfällen: Ex-Kampfsport-Trainer muss für vier Jahre ins Gefängnis

Die drei Richter gingen über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus: Das Basler Strafgericht schickt den 46-jährigen Kampfsporttrainer für vier Jahre hinter Gitter – und dies nicht nur wegen der Unfälle.

Patrick Rudin
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Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften, als sie am Unfallort eintrafen. Eine Velofahrerin wurde schwer verletzt.

Ein Bild der Verwüstung bot sich den Einsatzkräften, als sie am Unfallort eintrafen. Eine Velofahrerin wurde schwer verletzt.

bwi/bz-Archiv

Der Mann hatte nach einer Fluchtfahrt in einem gestohlenen Auto im September 2021 bei der Basler Grosspeter-Kreuzung einen Unfall verursacht und dabei eine Velofahrerin sowie mehrere Autofahrer verletzt. Die Richter stuften die Tat nicht als fahrlässig ein, sondern kamen zu einem Schuldspruch wegen vorsätzlicher Körperverletzung sowie versuchter schwerer Körperverletzung. «Sie wollten sich auf keinen Fall kontrollieren lassen. Dann ist passiert, was passieren muss, wenn man so fährt. Sie haben einen Unfall geradezu herausgefordert», kommentierte Gerichtspräsidentin Susanne Nese das Verhalten des 46-Jährigen.

Der zweite Unfall drei Wochen später aufgrund einer weiteren Fluchtfahrt bei der Flughafenstrasse sei zwar nicht derart dramatisch gewesen, weil es dabei keine Verletzten gab. Die Fahrt war allerdings deutlich länger, dabei ist der Mann auch teilweise mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde durch die Stadt gerast. Mit beiden gestohlenen Autos war er zuvor bereits mehrmals geblitzt worden.

Nicht nur Unfälle provoziert

Dazu kamen Verurteilungen wegen diverser Diebstähle, Kreditkartenmissbräuche, Schwarzfahren und Betäubungsmittelkonsum. Insgesamt kam das Gericht auf ein Strafmass von 52 Monaten. Da der Mann aber von Anfang an geständig war, gab es einen Abzug von vier Monaten, somit beträgt das Strafmass 48 Monate.

Eine Velofahrerin wurde schwer verletzt.

Eine Velofahrerin wurde schwer verletzt.

bwi/bz-Archiv

Aus einem in Bubendorf gestohlenen Dacia hatte er mehrere Gegenstände entsorgt, laut den Besitzern sei dabei auch ein teurer Ehering verschwunden. Das Gericht kam in diesem Punkt zu einem Freispruch, denn der 46-Jährige habe auch im zuvor gestohlenen BMW die dort vorhandene Schmuckschatulle nicht einmal angerührt.

Eher kurios war eine zusätzliche Verurteilung wegen eines geringfügigen Diebstahls: Der Mann hatte im August 2021 im Keller einer Liegenschaft am Claragraben übernachtet, dort in einem Kühlschrank eine Salami entdeckt und diesen angebissen zurückgelassen.

Mahnung wegen Suchtproblemen

Der Unfallverursacher war schon in früheren Jahren straffällig geworden.

Der Unfallverursacher war schon in früheren Jahren straffällig geworden.

bwi/bz-Archiv

Nese erklärte dem Mann, dass er aufgrund der bereits abgesessenen Untersuchungshaft wohl in zwei Jahren vorzeitig entlassen werde. Sie mahnte ihn, sich im Strafvollzug seinen Suchtproblemen zu stellen: Das Gericht habe durchaus Zweifel daran, ob er wirklich erst nach dem Lockdown im Jahr 2020 in den Kokain- und Heroinkonsum abgerutscht sei.

Immerhin habe er vor über 20 Jahren wegen Alkoholkonsum seinen Fahrausweis verloren. Das Urteil kann er noch weiterziehen.