Coronavirus

«Funk-Kontakt»: Rapper Pyro über sein Engagement im Zivilschutz und Auftritte in Zeiten der Krise

Normalerweise stünde hier das Nähkästchen, die Interview-Rubrik der «Schweiz am Wochenende». Doch in diesen Zeiten bleibt auch das Nähkästchen zu Hause. Stattdessen erreichen wir Prominente Persönlichkeiten aus Basel und der Region am Telefon: «Funk-Kontakt» heisst die neue Rubrik, garantiert ohne Ansteckungsgefahr. Heute mit Rapper Pyro alias Daniel Kern.

Benjamin Rosch
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Aktuell steht Pyro im Zivilschutz im Einsatz. (Archivbild)

Aktuell steht Pyro im Zivilschutz im Einsatz. (Archivbild)

zvg

Kern?

Guten Tag Herr Kern – oder besser: Sali Pyro! Hier ist die «Schweiz am Wochenende». Sali!

Wo erreichen wir Dich?

Aktuell bin ich gerade zu Hause, ich habe mir gerade eine Tasse Kaffee geholt. Aber bald stehe ich wieder im Einsatz. Ich musste in den Zivilschutz einrücken. Ich schiebe die Spätschicht, deshalb bin ich noch nicht so lange wach.

Klingt streng. Wie lange musst Du denn abends arbeiten?

Das ist unterschiedlich. Meistens arbeiten wir von Mittag bis ungefähr 9 Uhr abends. Wir betreuen die Abklärungsstation beim Kuspo Münchenstein. Dort sind wir mitverantwortlich für den Betrieb, gemeinsam mit Ärzten und Blaulichtorganisationen stellen wir den Betrieb sicher.

    

   

Daniel Kern

Ist der Job hart?

Ich sag‘s mal so: Ich habe noch niemanden gehört, der sich beschwert hat, denn alle wissen, wie wichtig das hier ist. Das finde ich schön. Ist doch super, jetzt haben wir etwas zu tun!

Erkennen Dich die Leute als Pyro?

Nein, unter der Maske nicht (lacht). Aber vom Zivilschutz sagt mir hier niemand Daniel Kern, da bin ich nur der Pyro. Aber die kennen mich auch schon lange. Und mit einigen bin ich sogar aufgewachsen.

Bist Du auch als Rapper von der Corona-Krise betroffen?

Also showmässig spüre ich es schon, klar. Wir hatten für den 4. April das Charity-Festival Art for Peace beim Alten Kraftwerk, das fällt nun flach. Da wären Nefera, Collie Herb, Roli Frei, Pink Pedrazzi und viele andere aufgetreten. Wir wollten die Leute für die Lage der Flüchtlinge in Griechenland sensibilisieren. Das abzusagen, ist natürlich beschissen. Mir selber geht’s aber finanziell momentan ganz ok, ich arbeite ja Vollzeit. Da bin ich zum Glück nicht mehr so sehr auf die Gagen angewiesen, aber so geht es nicht allen.

Der Radiosender Virus von «SRF» spielt nur noch Schweizer Musik, um Künstler zu unterstützen. Was hältst Du davon?

Hey, ich finde das eine schöne Sache. Aber wenn dann nur fünfmal mehr Marc Sway läuft, bringt das den meisten auch nichts (lacht). Nichts gegen Marc Sway! Aber es profitieren halt schon eher immer ein bisschen die gleichen. Der Kuchen ist halt klein und viele wollen ihn sich teilen. Radio Basilisk macht das anders und unterstützt auch kleinere Namen.

Die Radios und Du, das ist ohnehin ein schwieriges Thema, oder nicht? Das hast Du auch schon in einem Song angetönt.

Ja mehrfach. Es ist schon so: Ich habe sooo oft nachgehakt und selten überhaupt Feedback erhalten. Die spielen halt lieber zig Mal Rihanna. Und dann ist noch die Sprachgrenze. Inzwischen habe ich die Sache entspannt abgehakt (lacht) .

Du hast starke Verbindungen zu Südafrika, auch eine EP dort aufgenommen in den Townships von Kapstadt. Dort scheint nun Corona schlimm auszubrechen.

Ich weiss, ich stehe in Kontakt mit den Freunden dort. Ein paar Wochen bevor es hier mit dem Virus losging, war ich noch dort. Da war das Corona Virus kein grosses Thema. Inzwischen ist die Krankheit definitiv angekommen. Das wird die Townships hart treffen. Dort leben so viele Menschen auf engem Raum. Ich mache mir Sorgen.

Das kann ich nachfühlen. Wie verbringst Du sonst Deine Freizeit?

Freizeit? (lacht). Im Moment arbeite ich mehrere Wochenende im Zivilschutz, langweilig wird mir nicht. Zeit für Privates bleibt nicht viel. Versteh mich nicht falsch, ich tu’s gerne, aber ich freue mich schon, wenn ich meine Lady mal wieder für mehr als ein paar Stunden sehen kann. Aber sie unterstützt mich, das ist super. Und Nachbarn und Freunde melden sich, wollen für mich Einkaufen, das tut gut.

Das ist doch ein schöner Schluss für unser Gespräch. Alles Gute Pyro!

Danke ebenfalls, und tragt Sorge zu Euren Liebsten!