Ein Mann mit Ambitionen
Eymanns Gegenspieler ist Grossrat und Lehrer Daniel Goepfert

SP-Politiker Daniel Goepfert ist ein Mann mit Ambitionen. Nun erwägt der 56-Jährige eine Kandidatur für den Nationalrat - und fährt damit dem Basler Erziehungsdirektor Daniel Eymann an den Karren.

Valentin Kressler
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Seit Jahren ein fester Bestandteil der Basler Polit-Szene: Grossrat Daniel Goepfert.

Seit Jahren ein fester Bestandteil der Basler Polit-Szene: Grossrat Daniel Goepfert.

Nicole Nars-Zimmer

Mit der Wahl zum Präsidenten der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz hat der Basler Regierungsrat Christoph Eymann (LDP) diese Woche den Karrierehöhepunkt erreicht. Eymann dürfte das neue Amt mit einem zwiespältigen Gefühl antreten. In Basel wird die Kritik an seiner Schulpolitik immer lauter. Die «Basler Zeitung» hat eine Kampagne losgetreten, in der sie dem Erziehungsdepartement gar Verschleuderung von Steuergeldern vorwirft. Das Departement investiere zu viel in die Leitung statt in die Schulen.

Als Kronzeuge dieser Kritik tritt SP-Grossrat Daniel Goepfert (56) auf, der despektierlich von einem «Wasserkopf» und einer «ausufernden Bildungsbürokratie» spricht. Goepfert ist ein gefährlicher Gegenspieler für Eymann, denn er ist ein politisches Schwergewicht und über die Parteigrenzen hinweg beliebt. Als langjähriger Lehrer am Wirtschaftsgymnasium ist er zudem immerhin vom Fach.

Goepfert hat Raum, um sich in der Schulpolitik zu profilieren. Oswald Inglin (CVP), Präsident der Bildungs- und Kulturkommission, überlässt ihm das Feld. Als Konrektor des Leonhardsgymnasiums befindet sich dieser in einer heiklen Konstellation, weshalb er sich bisher hauptsächlich zu Kulturthemen äusserte. Auch zu Goepferts Kritik will Inglin auf Anfrage nichts sagen.

Reagiert hat dafür ein verärgerter Eymann. In einem Mail an die Mitarbeiter nahm er ausführlich Stellung und bezeichnete die Berichterstattung als «fragwürdig». Tags darauf doppelte er in einer Replik in der «BaZ» nach und stellte mehrere «unwahre Behauptungen» richtig. Dies wiederum veranlasste Goepfert zu einer erneuten Replik.

Was treibt Goepfert an? «Ich empfinde seit einiger Zeit ein grosses Unbehagen», sagt er. Eine öffentliche Diskussion über die Schulpolitik habe bisher aber kaum stattgefunden. «Regierungsrat Eymann muss gewisse Dinge wieder vermehrt selbst in die Hand nehmen und nicht seinen Chefbeamten überlassen.»

Eymann hält zur Kritik seines Untergebenen fest, er unterstütze es, wenn Mitarbeiter des Kantons im Grossen Rat mitwirken. Es gebe aber Mitarbeiter, die sich zu Fragen ihres Arbeitgeber-Departements konsequent nicht äussern, um Rollen- und Loyalitätskonflikte zu vermeiden. Goepfert sagt, er habe lange gezögert, ehe er sich zu Wort gemeldet habe. Er habe vergebens darauf gewartet, dass sich jemand anders dazu äussere. Er hoffe, dass es nun endlich eine breite Diskussion gebe, an der sich auch die Lehrer und die Verbände beteiligten.

Als Grossratspräsident musste sich Goepfert im vergangenen Jahr Zurückhaltung auferlegen. Es war aber absehbar, dass er nach Ablauf des Präsidialjahres nicht aufs Maul sitzen würde. Goepfert ist ein Mann der klaren Worte. Bereits bei seiner Abschiedsrede im Januar sorgte er im Nachbarkanton für helle Aufregung mit der Forderung, heilige Kühe wie das Bruderholzspital müssten notgeschlachtet werden.

Seither setzte Goepfert wiederholt Akzente bei wichtigen Themen. Im Juni kritisierte er als erster Politiker öffentlich das Siegerprojekt für das neue Klinikum 2 des Universitätsspitals. Goepfert, der sich der Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus verschrieben hat, gilt zudem als einer der Baumeister des neuen Wohnraumfördergesetzes, das im September vom Volk gutgeheissen wurde.

Der pointiert, aber stets freundlich auftretende Goepfert ist auch ein Mann mit Ambitionen. Er war nicht nur Grossratspräsident, sondern stand früher auch Partei und Fraktion vor. In der Politszene gilt es als wahrscheinlich, dass er 2015 für den Nationalrat kandidiert. Seine Wahlchancen stehen gut, da sich Silvia Schenker in ihrer voraussichtlich letzten Amtsperiode befindet. «Ich schliesse eine Kandidatur nicht aus», sagt er und nährt damit Spekulationen. Wenig hat gefehlt und Goepfert wäre jetzt schon Nationalrat. 2003 verpasste er die Wahl nur knapp, als er 211 Stimmen hinter Schenker lag.

Goepfert entstammt einem Polit-Clan. Bruder Jan, ein Anwalt, war früher für die SP im Grossen Rat. Heute ist er Bankrat und Bürgergemeinderat. Schwester Susanne, Inhaberin eines Schokoladengeschäfts, sass für die SP im Bürgergemeinderat. Der Vater, ein Anwalt und Richter, war früher kurzzeitig Präsident der CVP. Die Mutter präsidierte den katholischen Frauenbund, wechselte später aber von der CVP zur SP.

Goepfert ist auch mit einer Politikerin liiert, mit der aufstrebenden SP-Grossrätin Sarah Wyss (25). Seit die «Basler Zeitung» im August in einem grossen Artikel über das «neue Liebespaar im Grossen Rat» berichtete, ist die Beziehung Stadtgespräch. Es ist dies das einzige Thema des Gesprächs, bei dem Goepfert nicht offen Auskunft gibt. Stattdessen kritisiert er lieber die Schulpolitik seines Vorgesetzten Christoph Eymann.

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