Nachtleben

Erstes Wochenende mit 100-Regel: Die Basler Jugend akzeptiert und denkt um

Wieder nur 100 Personen statt 300 in Clubs und Bars erlaubt. Am ersten Wochenende mit der neuen Regel besuchte man das Rheinufer und das Hafenbecken. Basler Bars und Clubs kämpfen währenddessen mit den neuen Massnahmen.

Olivia Fierz
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Das Nachtleben kann - gerade im Sommer - auch von einer Pandemie nicht erstickt werden.
Statt in Bars und Clubs geht man nun ans Rheinufer.
Die Jugendlichen zeigen Verständnis für die erneute Verschärfung der Regeln.
Neben dem Rheinufer ist auch das Hafenbecken ein beliebter Hotspot des Nachtlebens.

Yves Krähenbühl-KIF Graphics

Das erste Wochenende, nachdem der Basler Regierungsrat die Coronaregeln wieder verschärft hat; Bars und Clubs dürfen noch maximal 100 Gäste empfangen statt wie bis anhin 300. Das gilt jedoch nicht für das soziale Leben unter freiem Himmel. Am Rhein etwa können sich immer noch Tausende Menschen treffen – und dass sie dies auch tun, zeigte unser Augenschein am Wochenende.

Von der mittleren Brücke bis zum hinteren Hafen geniessen Menschen jeden Alters die sommerliche Abendkühle. Man trifft sich auf den Treppen am Rheinufer, in den Buvetten, oder am Hafen, es liegt ein Stimmengewirr in der Luft, während verschiedene Musikstile aus unterschiedlichen Boxen miteinander konkurrieren.

Während die ausgelassene Stimmung bei der mittleren Brücke im Verlauf der Nacht auf Samstag immer mehr zunimmt, ändert sich die Atmosphäre in Richtung Hafen: Vor der Sommerresidenz unterhalten junge Menschen Umstehende mit Handständen und Partnerakrobatik, nebenbei spielt eine Gruppe Trinkspiele und ein Mann begleitet das Geschehen auf seiner Gitarre.

Jugendliche zeigen Verständnis für die Regeln

In den Gesprächen mit den jungen Menschen zeigt sich, dass die Coronamassnahmen akzeptiert werden. Man ist nicht trotzig oder ärgert sich über verordnete Einschränkungen, sondern diskutiert darüber, welcher Bereich der Gesellschaft am meisten betroffen ist und wie effizient die Massnahmen gegen die Pandemie helfen.

So versteht eine Frau, die anonym bleiben möchte, nicht, wieso man von Clubs eine Maskenpflicht verlange, während man am Rhein mit viel mehr Menschen in Kontakt komme. «Ich würde es auch verstehen, wenn es auf Grund der Coronakrise auch am Hafen eine Personenbeschränkung oder eine Maskenpflicht gäbe», so die junge Frau. Dies wäre zwar sehr schade, aber wenigstens würde man konsequent gegen die Pandemie vorgehen und Clubs und Bars helfen, die Krise schneller zu bewältigen.

Die Schlange vor dem Eingang der Sommerresidenz wird immer länger. Und der Einfluss der neuen Coronaregeln wird nun deutlich: «Wir sind voll», sagt der Türsteher und bittet die Menschen, sich hinten anzustellen – das coronabedingte Limit ist erreicht.

Unrealistisches Konzept für Bars und Clubs

Der Türsteher sagt, es sei schwierig, einen Weg zu finden, um die verlangten Schutzkonzepte umzusetzen, denn: «Wie soll man in einer Bar ein Bier trinken, wenn man eine Maske tragen muss?», meint er. Man gebe sich aber Mühe einen Weg zu finden, denn hundert Gäste seien zu wenig.

300 Personen hätten für einen Umsatz gereicht, damit hätte man sich gerade noch über Wasser halten können. Aber mit nur hundert Gästen mache man nur Verluste, sagt Jonas Becher, Chef des beliebten Ausgangsorts. Und wenn er sich vorstelle, dass diese Regelungen bis Ende Jahr gelten werden, dann sehe die Zukunft ohne staatliche Unterstützung ziemlich schwarz aus.

Der Kanton habe der Bar am Anfang der Krise einen Teil der Finanzierungslast abgenommen, doch man erhalte keine Ausfallentschädigung – und diese Kompensation der Verluste wäre die nötige Hilfe, so Becher. «Direkte Zahlungen sind notwendig», sagt er. Während sich die Jugend flexibel anpasst, versuchen Bars und Clubs, parallel zu den Massnahmen ihre Existenz aufrechtzuerhalten.