Prozess

Einschluss-Diebstahl im St. Jakob-Park: Zwei Täter verurteilt, Beute futsch

Ein ungleiches Paar stahl in einer nächtlichen Aktion im St. Jakob-Park Waren im Wert von 50000 Franken. Die Beute ist verschwunden.

Patrick Rudin
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Der Plan für den Diebstahl im Manor des St. Jakob-Praks war originell. Jedoch war er nicht ganz wasserdicht.

Der Plan für den Diebstahl im Manor des St. Jakob-Praks war originell. Jedoch war er nicht ganz wasserdicht.

Schweiz am Sonntag

Die Idee war originell, aber nicht sonderlich durchdacht: Im September 2019 versteckte sich eine heute 22-jährige Frau im St. Jakob-Park im Manor und liess sich abends einschliessen. Dort wartete sie stundenlang und tauschte intensiv Kurzmitteilungen mit ihrem 33-jährigen Stiefvater aus.

Kurz nach zwei Uhr nachts legte sie dann los: Mit einer Bratpfanne aus der Küchenabteilung ging sie in die Multimedia-Abteilung und schlug eine Vitrine ein. Die Beute: 56 iPhones, 30 Kopfhörer, neun Computermäuse und ein paar weitere Dinge. Der Wert der Beute betrug knapp 50000 Franken, in mitgebrachten Säcken schleppte sie die Ware zum Notausgang und flüchtete aus dem Gebäude.

Überwachungskamera vereitelte originellen Plan

Am Dienstag mussten sie sich wegen des Diebstahls vor dem Basler Strafgericht verantworten. Aufgeflogen ist die junge Frau, weil die nächtliche Aktion auf den Überwachungskameras dokumentiert war und sie wenige Tage danach erneut in die Manor-Filiale ging und dort erkannt wurde. Sie sass daraufhin für sechs Wochen in Untersuchungshaft, ihr Stiefvater ebenfalls vier Wochen. Die Familie war pleite, die Geräte wollte man wohl versilbern.

Vor allem die Rollenverteilung zwischen den beiden sorgte für Diskussionen vor Gericht. So wechselten beide mehrmals ihre Aussagen, insbesondere versuchte die Frau, die Schuld auf sich zu nehmen. Ihr 33-jähriger Stiefvater ist Italiener, und ein Diebstahl in Verbindung mit Hausfriedensbruch führt eigentlich zwingend zu einer Landesverweisung. Dazu ist er bereits vorbestraft und massiv verschuldet.

Täterin will Stiefvater wohl vor Landesverweisung retten

Richter Marc Oser betonte, das Motiv für die Selbstbelastung der Frau sei klar, die Landesverweisung des Stiefvaters zu verhindern. «Ich traue Ihnen schlichtweg nicht zu, dass Sie das alleine organisieren konnten», sagte Oser zu der Frau. Auch der Altersunterschied zwischen den beiden Angeklagten sei deutlich. «Es ist klar, wer da der Chef war», so Oser.

Der Gerichtspräsident fällte für beide einen Schuldspruch wegen Diebstahls, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Die 22-Jährige habe die operative Rolle innegehabt und vorher auch den Laden ausgekundschaftet, sei aber immerhin geständig. Auch das junge Alter wirkte sich leicht strafmildernd aus, das Gericht verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Beute ist nicht nicht mehr auffindbar

Der 33-Jährige erhielt elf Monate bedingt, er plante offenbar bereits einen ähnlichen Diebstahl im Mediamarkt. Auf einen Landesverweis verzichtete das Gericht: Der Mann ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, hat hier einen 13-jährigen Sohn und gilt als Härtefall.

Der Verbleib der Beute ist unklar. Sie wurde in der Nacht in einem Gebüsch beim Schänzli versteckt, war aber laut den beiden kurz darauf nicht mehr dort. Zwei unbekannte Komplizen haben beim Abtransport geholfen. Die Verurteilten können den Fall weiterziehen.